Einbruch ins Rathaus

Sparschwein im Amt geschlachtet

+
Bürgermeister Walter Blank in seinem komplett durchwühlten Amtszimmer. Glücklicherweise ließen die Einbrecher die Akten im Schrank unangetastet.

Münster - Ins Rathaus brachen in der Nacht zum Donnerstag wohl gleich mehrere unbekannte Täter ein. Nahezu alle der fast 50 Zimmer in den drei Stockwerken des Verwaltungsgebäudes am Rathausplatz wurden heimgesucht. Der Gesamtschaden stand bis Redaktionsschluss noch nicht fest. Von Thomas Meier

7 Uhr: Der Schrecken ereilte Michael Krauß von der Personalabteilung wahrlich in der frühen Morgenstunde, als er den professionell verübten Einbruch als erster Bediensteter bemerkte, der gestern die Amtsstuben betrat. Die Täter hatten ganze Arbeit geleistet und eine Spur ihres schändlichen Tuns vom Dachgeschoss bis in den Keller hinterlassen.

Der Hausmeister war der nächste, der nach Krauß kam. Gemeinsam verständigten sie die Polizei und freilich Amtschef Bürgermeister Walter Blank. Der hatte eigentlich am Morgen zunächst zu einem wichtigen Termin in die Kläranlage gewollt, doch stand er um 7.15 Uhr nun doch in seinem ebenfalls völlig auf den Kopf gestellten Amtszimmer. Hier, wie in zahllosen anderen Räumen, standen die Einbauschränke sperrangelweit offen, lagen unzählige Utensilien auf dem Boden umher.

Und auf dem Teppich wurde er auch der ersten Beute gewahr, die die Einbrecher gemacht hatten. In den Scherbenreste eines in die Jahre gekommenen, nun aber geschlachteten Sparschweines lagen alte Pfennige, Groschen sowie Ein- und Zwei-D-Markstücke. Von Euros oder Cent keine Spur. „Das habe ich vor über vier Jahren mal aus dem Alten Rathaus Altheims mit hier herübergebracht. Als dort saniert wurde. Ich habe nie geschaut, was darinnen war“, sagt der geschockte Rathauschef, dem gleichzeitig jedoch auch eine gewisse Erleichterung anzumerken ist. Zwar stehen seine Schränke offen, doch wurden die darin befindlichen Aktenordner im geordneten Zustand unangetastet als Beute verschmäht.

Tresor für Einbrecher zu robust

Und auch als die Polizei mit Abteilungsleitern und Bürgermeister durch die durchwühlten Räume geht, konstatiert sie, dass die Kriminellen sich überaus professionell verhalten haben. Sie waren nicht auf Zerstörung oder Randale aus, sie hatten gezielt gesucht. Ob nur nach Geld und Wertgegenständen oder auch nach anderem, das war bis gestern Abend noch nicht raus.

Den Rathausknackern gelang es, durch ein zuvor zerstörtes Fenster in das Gebäude einzusteigen. Einen Bewegungsmelder in unmittelbarer Nähe des rückwärtig vom Rathausplatz gelegenen Einstiegsfensters hatten sie zuvor kaputt geschlagen.

Die D-Mark ließen die Diebe in Sparschweinscherben zurück.

Im Inneren hebelten sie an fast allen Zimmern vom Unter- bis zum Dachgeschoss die Türen auf und durchsuchten alle Räume und Behältnisse. Und in der Kasse der Gemeindeverwaltung wurden die Einbrecher auch fündig: Sie entdeckten den mehrere Zentner schweren Tresor. Es gelang ihnen jedoch nicht, ihn aufzubrechen. Und auch der Versuch des Wegtragens scheiterte nach rund 20 Metern im langen Amtsflur. Die Schleifspuren im Linoleum zeugen vom unnützen Kraftakt, den sie kurz vorm Treppenhaus erfolglos aufgaben.

Belohnung von 500 Euro für Hinweise

Unberührt vom Einbruchsgeschehen blieben nur Toiletten und das alte Trauzimmer. Doch auch den Sitzungssaal sowie die Fraktionszimmer suchten die dreisten Diebe heim. Volker Gilbert, Leiter der Haupt- und Personalverwaltung, verständigte am Vormittag die betroffenen Parteien. Sie müssen nun schauen, was ihnen eventuell abhanden kam.

Was außer dem Inhalt des bürgermeisterlichen Sparschweins und den Kaffeekassen einzelner Abzeilungen (darunter ein zweites, zerstörtes Sparschwein) weg kam, sollte gestern Nachmittag und heute eruiert werden. Ein Schild am Rathauseingang wies Besucher auf die besonderen Umstände der unerwarteten Schließung des Hauses hin. Heute wird wieder geöffnet sein.

Die Polizei in Dieburg hat die Ermittlungen zu den Tätern aufgenommen. Zeugen, die in diesem Zusammenhang Verdächtige wahrgenommen haben oder Hinweise zu den Tätern geben können, werden gebeten, sich unter der Nummer 06071/96560 zu melden.

Von Seiten des Gemeindevorstandes wurde bereits eine Belohnung in Höhe von 500 Euro für sachdienliche Hinweise, die zur Festnahme der Täter führen, ausgesetzt.

Quelle: op-online.de

Kommentare