Stay at Home

Kunst in Zeiten von Corona: Ein Atelierbericht von Hans-Peter Schmücker

Hans-Peter Schmücker macht sich in seinem Atelier in Münster so seine kreativen Gedanken zur Corona-Pandemie und ihren Auswirkungen. Bilder: Schmücker
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Hans-Peter Schmücker macht sich in seinem Atelier in Münster so seine kreativen Gedanken zur Corona-Pandemie und ihren Auswirkungen. 

Der Künstler Hans-Peter Schmücker lässt sich auch während der Coronakrise – was seine Kreativität angeht – keine Fesseln anlegen.

Münster – Was macht ein Künstler, wenn ihm Abstandsgebote und „social Distance“ auferlegt werden? Wenn Ausstellungen und Ateliers nicht mehr besucht werden dürfen, wenn Galerien schließen? Der 1961 in Siegen geborene und seit 1997 in Münster lebende Hans-Peter Schmücker lässt sich – was seine Kreativität angeht – jedenfalls keine Fesseln anlegen.

Gedanken und künstlerische Taten sind frei. Und so sieht Schmücker, sich selbst als „Vielfaltspinsel“ bezeichnend, auch die auferlegte Corona-Auszeit als Chance. Unserer Zeitung berichtet der Kreative von seinen aktuellen Pandemie-Erfahrungen.

„Stay at home“ hieß und heißt die Devise der letzten drei Monate auch aus Künstlersicht. Andere Umstände bedingen neue Wege. Wenn zum Beispiel die Gelegenheit zum Einkaufen von Künstlermaterial und die externe Motivation durch Sozialkontakte und Museumsbesuche fehlt, besinnt sich der Künstler auf Vorhandenes – bereits bemalte Leinwände, aufgeschobene Ideen, vergessene Materialien, die das Aufräumen ans Licht bringt und ein „Mehr an Zeit“.

Darüber hinaus mische man folgende Zutaten: Konzentration auf das Wesentliche der Kunst, also neue, alternative Räume schaffen, den Dingen Tiefe und Farbigkeit verleihen, immer wieder einen Neustart wagen, von Meistern lernen und mehr. Auch sollte man positive Energie aus der negativen Nachrichtenlage schöpfen; Mut haben, misslungene oder in die Jahre gekommenen Werke zu übermalen und Inspiration aus aktuellen Begrifflichkeiten wie beispielsweise zusammenhalten finden.

In meinem Atelier sind diser Tage auf diese Weise einige neue und erneuerte Werke (Bildblock links) entstanden. Beispielsweise „Metamorphose“ (links unten). Aus einem alten Gemälde wurde neue Farbigkeit durch Umgestaltung geschöpft. Bei „traces-spaces“ (rechts oben) und „New Beginning“ (links oben) entstanden neue offene Räume aus malerischen Spuren. „Mare Nostrum – Alle in einem Boot“ (rechts Mitte) erzählt über die Notwendigkeit zusammenzuhalten und der Pandemie zu entgegnen. „follow the burning heart“ (oben Mitte) will verdeutlichen, die innere Welt auszuschöpfen, sich vom malerischen Impuls treiben lassen und ziellos zum Ziel gelangen. „New Dawn“ (unten rechts) schließlich soll ein knapp zwei mal zwei Meter großes Meisterwerk Willem de Koonings auf sieben mal sieben Zentimeter Leinwand verdichten, um dem Wesentlichen des Originals nachzuspüren.

So ist Malerei wie immer, aber besonders in diesen Zeiten, auch „Arbeit an der Freiheit“, die in anderen Bereichen derzeit eingeschränkt war und ist. tm

Infos im Internet

vielfaltspinsel.de

Quelle: op-online.de

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