„...was Musik mit Menschen macht“

AGV-Eintracht-Dirigent haucht Frauenchor neues Leben ein

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Thomas Möller (am Klavier) dirigiert dienstagabends zunächst eine halbe Stunde lang nur die AGV-Frauen (links im Bild) und leitet sie direkt im Anschluss weitere 60 Minuten zusammen mit dem Männerchor an.

Münster - Viele Gesang- vereine leiden unter Mitgliederschwund. Einige erkennen die Zeichen der Zeit und unternehmen etwas gegen den Negativtrend. Einer davon ist der Arbeitergesangverein Eintracht. Von Jens Dörr

War in den vergangenen Monaten vom Arbeitergesangverein (AGV) Eintracht Münster die Rede, ging es zumeist um den neu gegründeten Musicalchor „FLAME“ oder aber um den AGV-Chor „da capo“. „FLAME“ will am 20. und 21. April des kommenden Jahres unter der Leitung von Oliver Zahn ein außergewöhnliches Konzert samt orchestraler Begleitung auf die Bühne der Münsterer Kulturhalle bringen. Zudem feiert „da capo“, ebenfalls von Zahn dirigiert, 2018 sein 25-jähriges Bestehen, besonders mit einem Jubiläumskonzert am 3. November in der Kulturhalle. Etwas im Schatten standen zuletzt hingegen der Männerchor und vor allem der Frauenchor des Vereins. Die Existenz des Frauenchors galt sogar als gefährdet. Nun scheint der Fortbestand fürs Erste jedoch gesichert.

„Vor einigen Monaten war bei unseren Frauen einfach etwas die Luft raus“, sagt AGV-Vorsitzender Manfred Löbig. Man habe gar gefürchtet, dass sich die Gruppe zerschlage. „Doch er hat frischen Wind gebracht, dem Chor neues Leben eingehaucht, ihn sozusagen gerettet“, fügt Löbig beim Gespräch vor Ort im Proberaum des Vereins neben dem „Alt Münster“ hinzu und weist auf den Mann am Klavier: Thomas Möller, der nicht nur die Männer des AGV Eintracht unter seine Fittiche genommen hat, sondern der inzwischen auch die Frauen dirigiert. So mitreißend offenbar, dass der Elan zurückgekehrt ist.

Nun proben die AGV-Frauen auch wieder ohne die Männer, tun dies dienstags ab 19 Uhr eine halbe Stunde lang solo, ehe sie ab 19.30 Uhr mit dem anderen Geschlecht zum gemischten Chor verschmelzen und den ersten 30 dann 60 weitere Probenminuten hinzufügen. Nach den ersten gemeinsamen Monaten sind Männer wie Frauen im Verein voll des Lobes für Möller, der diplomierter Opernsänger ist und seit 29 Jahren Chorarbeit macht – womit noch lange nicht alle musikalischen Aktivitäten des Mannes „etwas über 50“ genannt wären.

Für den Münsterer Gesangverein indes sind Referenzen wie die, dass Möller etliche Opernauftritte im In- und Ausland hinter sich hat, regelmäßig Konzerte mit Wolfgang Gönnerwein bei den Ludwigsburger Schloss-Festspielen absolvierte und auch viel in Schulen und mit Jugendlichen tätig war und ist, dabei weniger wichtig als der Umstand, dass der Chorleiter in jeder Probenstunde aufs Neue Spaß am und Begeisterung fürs Singen zu wecken vermag.

Konzert der Schulen aus Münster und Eppertshausen

„Das Singen im Alter wird unterschätzt“, sagt Möller selbst, auch mit Blick darauf, dass der Altersschnitt im Männer- und Frauenchor des AGV Münster recht hoch ist. „Es trägt ungemein zur physischen und seelischen Gesundheit bei.“ Was einerseits in der Geselligkeit des Chorsingens begründet liege, andererseits an den Herausforderungen dieses Hobbys: „Man muss Texte lernen, auf seine Atmung achten, die Konzentration hoch halten. All das trainiert. Mancher lernt auf seine älteren Tage sogar noch Noten“, sagt Möller. Auch er selbst lerne „als gestandener Musiker noch immer dazu“. Man dürfe also wirklich „nicht unterschätzen, was Musik mit den Menschen macht“. Beim Arbeitergesangverein Eintracht Münster jedenfalls hat die Freude daran erst einmal für den Erhalt des Frauenchors gesorgt.

Quelle: op-online.de

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