Ende zur Sonnenwende

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Es wird immer einsamer um die Apotheke am Rathausplatz, die Ende Juni endgültig ihre Pforten schließt, findet sich nicht noch ein interessierter Pächter.

Münster ‐ Der Termin zur Schließung der Apotheke am Rathaus fällt auf ein symbolträchtiges Datum: Am 26. Juni, wenn auf dem Rathausplatz die Sommersonnenwendfeier mit einem erstmalig hier veranstalteten Lichterfest begangen werden soll, „machen wir dicht.“ Von Thomas Meier

Die das mit belegter Stimme sagt, ist Enke Kaufhold, Inhaberin der traditionsreichen Apotheke, die sie vor 37 Jahren am Rathausplatz, damals noch gegenüber des Kaufhauses gelegen, gründete. Wenn die Sonne den Zenit für dieses Jahr überschritten haben wird, die Tage wieder kürzer werden, wird sie ihren Laden für Arzneimittel schließen.

In den Anfangsjahren lief das Geschäft mit der Medikamentenversorgung im Ort so gut, dass die studierte Geschäftsfrau früh ans Expandieren denken konnte und nach nur elf Jahren Betrieb 1984 mit zwei weiteren Münsterer Geschäftsleuten in einer Bauherrengemeinschaft gegenüber des Rathauses in der Leibnizstraße einen kleinen Wohn- und Geschäftshauskomplex errichtete, in dem die neue Apotheke am Rathaus ihre Pforten öffnete. Über den unaufhaltsamen Niedergang eines einst prosperierenden Gesundheitsgeschäftes sprach die langjährige Vorsitzende des Gewerbevereins Münster, dem Enke Kaufhold bis 1993 vorstand, mit unserer Zeitung.

Kaufhold lebt seit ihrem Ruhestand in den Vogesen in Frankreich. Sie verpachtete ihre Apotheke an ihren Sohn, den Pharmazeuten Dr. Lucius Kaufhold. Der Vertrag läuft nun nach zehn Jahren Ende Juni aus. Bedingt durch die hinlänglich bekannte Situation am Rathausplatz in Münster, einst auch konzipiert als kultureller, sozialer und wirtschaftlicher Mittelpunkt Münsters, laufen die Geschäfte seit Jahren immer schlechter.

Ihr Sohn wolle die Apotheke nicht weiter führen, trotz intensiver Bemühungen sei es ihr nicht gelungen, einen Nachfolger als Pächter oder Käufer zu finden, sagt Enke Kaufhold. Sie macht neben dem Rathausplatz, um den es seit der Schließung des Central-Kaufhauses vor 13 Jahren sukzessive immer einsamer wurde, auch Veränderungen im Apothekerwesen in Deutschland verantwortlich.

Ganz eng wurde es als nach Kaufhaus weitere Geschäfte dicht machten

„Dass kein Kaufhaus mehr am Platze stand, merkten wir zwar schon, aber wir hatten immer noch einen großen und treuen Kundenstamm“, erinnert sich Kaufhold. Doch nagten die Entwicklungen immer mehr am Ertrag. Da fiel zunächst ein Batzen beim Handel mit parenteraler Ernährung weg, dann sank der Gewinn am Verkauf verschreibungspflichtiger Medikamente durch Umstrukturierungen im Gesundheitswesen.

 „Da bleibt heute praktisch nur noch eine Bearbeitungsgebühr übrig“, sagt die studierte Apothekerin. Und für nicht verschreibungspflichtige Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel, sogenannte Freiwahl-Artikel, die in Apotheken verkauft werden, bedarf es großer Laufkundschaft, die immer mehr ausblieb.

„Ganz eng wurde es vor vier, fünf Jahren, als am Rathausplatz lange nach dem Kaufhaus weitere Geschäfte dicht machten, die bis dahin viel Kundschaft angezogen hatten“, weiß Kaufhold. Sie erinnert an Georg Oestreicher mit seinen Haushaltswaren und dem Küchenstudio, an Seib und Opera mit den Herrenmoden, ans Schuhhaus Hartmann: „Mit deren Verschwinden sank der Umsatz in der Apotheke dramatisch.“ Ihrem Geschäft ging die ehemals gute Lauflage vollends flöten.

Pächter gesucht: Schön wäre ein Apotheker

Bereits seit vier Jahren sucht Kaufhold nach einem Nachfolger für die Apotheke. Sie inserierte bundesweit in Fachblättern, bot die revisionsfähige, modern und mit allem ausgestattete Apotheke in der Pharmazeutischen Zeitung „praktisch zum Nulltarif“ an. Einzig der Ladenbestand müsste übernommen werden, sagt sie. Doch bislang meldete sich niemand. Grund: Eine bis eineinhalb Million Euro Umsatz müsste eine Apotheke schon jährlich aufweisen, um für einen selbstständigen Apotheker interessant zu sein, weiß Kaufhold.

Sie verabschiedet sich langsam vom Gedanken, dass in dem 130 Quadratmeter großen Ladengeschäft auch in Zukunft Medikamente über den Tresen geschoben werden. Sie sucht nach einem Nachmieter oder Käufer, egal, was der darin für Geschäfte abzuwickeln gedenkt. „Obgleich es sicher mein Traum wäre, könnte noch ein interessierter Apotheker gefunden werden. Schließlich sind jetzt hier wieder so viele Menschen am Wirken, dass sich wieder alles zum Besseren wendet, dass wieder mehr Leben auf den Platz kommt.“

Quelle: op-online.de

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