Bald auf High Heels durch den Forst

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Übersichtlich gestaltete sich der Besuch der Bürgerversammlung in Münster. Außer Gemeindevertretern, Verwaltungsbediensteten und den Referenten fanden sich nur eine Handvoll Bürger ein.

Münster - Um die nachhaltige Waldbewirtschaftung bei der Gemeinde und deren Kläranlage ging es am Donnerstagabend bei der Bürgerversammlung im Rathaus. Von Thomas Meier

Doch der Zustand um Kiefer und Eiche oder die Abwasserreinigung sowie eine lange beschlossene Kläranlagen-Erweiterung interessierte von den knapp 15.000 Bürgern im Ort gerade mal drei Dutzend.

Genau 36 Personen kamen zusammen. Von ihnen waren die meisten Angehörige der Fraktionen des Gemeindeparlamentes. Kommen hinzu Bedienstete des Rathauses, die in Funktionsstellen sitzen und für Fragen oder die technischen Abläufe (Beamer) da waren, plus die Mitarbeiter der Kläranlage. Zwei Forstamtsbedienstete aus Dieburg und zwei externe Referenten aus München und Erbach für die Kläranlage waren unter den 36. Plus zwei beobachtende Journalisten. Bürger, die einzig aus Interesse gekommen waren, ließen sich an einer Hand abzählen.

Schade, denn zumindest die Referenten waren gut vorbereitet gekommen und hatten eine Menge Wissenswertes im Gepäck.

Vor zehn Dekaden war Kiefernholz begehrt

Vor allem Forstamtsdirektor Helmut Seitel gab sich aufgeräumt vor seiner bunten Zielbestockungskarte. Das Gebiet des Forstamts Dieburg, das Seitel leitet, erstreckt sich über eine Fläche von rund 15.000 Hektar, beginnend bei Harreshausen bis zur Neunkircher Höhe, von Messel bis zum Otzberg. Münsters Wald ist rund 550 Hektar groß und sitzt auf einem etwas problematischen, weil feuchten Standort. Rundherum bestimmen Sandböden die Landschaft, nur um Münster herum ist’s nass. „Untypisch für den Kreis“, sagte der Förster, der einer langfristigen Umwandlung des Münsterer Gemeindeforstes das Wort sprach.

In 100-Jahre-Dimensionen denken die Waldbewirtschafter, und so ist der hohe Kiefernbestand eben auch darauf zurückzuführen, das vor zehn Dekaden Kiefernholz begehrt war. Zum Grubenbau brauchte man den schnell nachwachsenden Baustoff, zum Heizen und mehr.

Vor 22 Jahren mit dem Orkan Wiebke und seinen verheerenden Auswirkungen kam eine Zäsur daher. Waren es vor dem stürmischen Ereignis 55 Prozent Kiefern, 34 Prozent Buchen und sechs Prozent Eichen, die Münsters Wald ausmachten, so strebt man seitdem einen naturnahen Mischwald an. Eiche und Buche werden gepflanzt, wo es geht. Laut Seitel sollen es mal 40 Prozent Eichen sein, die im Münsterer Forst den Wald ausmachen. Der Kieferbestand möge sich dann von 55 Prozent halbiert haben.

Die Klär-Geschichte Münsters wurde explizit beleuchtet

Zur Entmunitionierung des einst so stark verseuchten Waldes hatte Seitel Positives zu berichten. 1997 waren noch 339 Hektar betroffen von den Altlasten aus dem letzten Weltkrieg. Damals sprengten die Alliierten gefundene Wehrmachtsmunition. Im Umfeld von 500 Metern Radius einer jeden Sprengstelle, von denen es etliche gab, war das Land fortan verseucht. Etwa 250 Hektar Wald wurden bislang entmunitioniert, Ende dieses Jahres werden es noch 50 Hektar sein, die gesäubert werden müssen, sagte Seitel. Er verdeutlichte die Mammutarbeit, indem er aus einem Protokoll des Kampfmittelräumdienstes las: 50 Leute arbeiteten 1997 an einem Tag 895 Quadratmeter Wald ab. Dabei fanden sie 660 Geschosse. Die Munition brachte ein Gewicht von 123 Kilogramm auf die Waage. „Man kann sich also ausrechnen, was über die Jahre da so zusammenkommt“, sagte Seitel. Er meinte lakonisch: „Nur ein paar Jahre noch, dann kann man wieder auf High Heels durch den Wald gehen.“

Doch braucht der Wald angesichts neuer Gefahren weiterhin hohe Flexibilität, kam der Forstamtsdirektor auf den Klimawandel und seine Auswirkungen zu sprechen. Er streifte die Themen Messeler Hügelland, Natura-2000-Gebiete, Ökopunkte und den Naturschutz, den sein Amt für wenig Geld leiste.

Die Gewässerschutzbeauftragte Münsters, Barbara Croissant vom Odenwälder Wasser- und Abwasser-Service, ging zunächst auf die Geschichte von Kläranlagen ein. Sie erinnerte daran, warum die Menschheit Kanäle baute, dass mit der Industrialisierung und ihrem Eingriff in die Ökologie auch Ruhr und Cholera in die Städte Einzug hielten. Die Klär-Geschichte Münsters wurde explizit beleuchtet, vor allem die jüngere ab 1987, als die neue Anlage am Werlacher Weg gebaut und vor sechs Jahren erweitert und modernisiert wurde.

Ihre Ausführungen führte schließlich Florian Lezius, ein Fachplaner für Kläranlagen aus München, fort. Er erläuterte die technischen Details der Verfahrens- und Behandlungsstufen die zu beachten sind, wenn das Breitefeld an die bestehende Kläanlage angeschlossen wird. Um 21.55 Uhr war die Bürgerversammlung vorbei.

Quelle: op-online.de

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