Was ist explodiert?

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Heute soll das Unglückshaus in Münster von Staatsanwaltschaft und Polizei entsiegelt werden, doch zum Tathergang hüllen sich die Ermittler noch in Schweigen.

Münster - „Wenn ich wüsste, dass morgen der jüngste Tag wäre, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Dieser Luther zugeschriebene Satz trifft nicht ganz auf Safak Konakci zu, doch fatalistische Züge hat es schon, wenn er vor seinem am 21. Juli explodierten Haus Unkraut jätet. Von Thomas Meier

Gestern Nachmittag zupfte er mit seiner Frau das sprießende Grün im Garten: „Hierhin dürfen wir ja noch, das Haus ist seit der Explosion polizeilich versiegelt“, sagt Konakci. Erst waren es die „normalen“ brandsicherungstechnischen Untersuchungen, die nach dem großen Knall, der einer 62-jährigen Mieterin im Obergeschoss das Leben kostete, angestrengt werden mussten.

Als sich dann Tage später herauskristallisierte, dass ein Kapitalverbrechen vorlag, sollte sich die bereits ins Auge gefasste „Entsiegelung“ des Hauses nochmals verzögern. Ein 29-jähriger Armenier war im Zuge der Ermittlungen verhaftet worden. Er soll den Brand gelegt haben, um einen tödlichen Streit mit der Mieterin zu vertuschen.

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„Ich weiß nicht, woran ich bin. Nicht einmal die Experten der Brandversicherung dürfen ins Haus. Alles ist Tatort, heißt es“, sagt Konakci, der deutscher Staatsangehöriger ist. Mit seiner Frau durfte er nur einmal am Tage der Explosion nachmittags kurz unter Polizeiaufsicht in das Gebäude, um persönliche Dinge und Ausweispapiere heraus zu holen.
Seitdem wohnt er mit seiner Familie, zu der zwei Kinder gehören, beim Vater. Seinem neunjährigen Sohn Mert, der zum Explosionszeitpunkt ebenfalls im Haus war und der von einem Dieburger Polizeibeamten aus den Trümmern gerettet wurde, gehe es „den Umständen entsprechend recht gut“, freuen sich die Eltern. Der Medienrummel um ihn nach dem Unglück habe ihn wohl mehr beschäftigt, als das eigentliche Unglück, schmunzeln Vater und Mutter, glücklich darüber, dass wenigstens keinem Familienmitglied körperlich etwas zustieß. Den materiellen Schaden werde man irgendwie beheben können...

Ob das Haus zu retten sein wird? Hausbesitzer Safak Konakci weiß bis heute nicht einmal, was nun eigentlich zur Explosion in seinem Heim gelangte: „Da geht es mir wie ihnen“, sagt er, „da muss ich warten, bis Staatsanwalt Sebastian Zwiebel wieder etwas im Fernsehen sagt.“

Bilder vom Unglückshaus

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Nun, der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Darmstadt ließ gestern Nachmittag auf Nachfrage unserer Zeitung wenigstens verlauten, dass er mit der Polizei die Freigabe des Hauses vereinbart habe. Spätestens heute solle die Familie wieder Zutritt zu ihrem Heim erhalten, wobei dieser in der nur notdürftig abgestützten Ruine ein sehr eingeschränkter sein dürfte.

Über die Explosionsursache hüllt sich der Staatsanwaltssprecher jedoch auch weiterhin in Schweigen. Er versichert, selbst nicht zu wissen, was auf welche Art und Weise zur Explosion gelangt sei. Doch ließ er durchblicken, dass die Ermittler sicherlich mehr Einblicke ins Tatgeschehen hätten. „Aber wir können derzeit nichts sagen. Dem Beschuldigten soll ja nicht durch Medienberichte die Möglichkeit gegeben werden, sich irgendwas zusammen zu reimen.“ Er rechne damit, dass „in absehbarer Zeit“ eine Erklärung zum Tathergang herausgegeben werde.

Quelle: op-online.de

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