Blasmusiker vertreibt Vögel von Nachbars Dach / HR-Beitrag über Streit

Fanfare für den Storch

Altheim ‐ Unmusikalischer Storch oder untalentierter Blasmusiker? Ein tierischer Nachbarschaftsstreit hat in Altheim für ein besonderes Spektakel gesorgt, zu dem sogar ein Fernsehteam der HR-Sendung Maintower kam. Nur die Ehrengäste ließen sich nicht blicken, denn sie waren bereits zuvor vertrieben worden. Von Niels Britsch

Doch der Reihe nach: Vogelfreund Wolfgang Schwarz hatte bereits im vergangenen Jahr auf seinem Dach zwei Nester für Störche präpariert – in freudiger Erwartung, dass sich dort im Frühjahr ein Storchenpaar zum Nisten niederlassen würde. Vor einigen Tagen war es dann fast soweit, wie Peter Andres aus Harpertshausen beobachtet hat: „Ich bin hier spazieren gegangen und habe gesehen, wie zwei Störche minutenlang über dem Haus kreisten. Einer hat sich dann auf dem Dach niedergelassen und geklappert.“

Ein Nachbar beobachtete ebenfalls das Geschehen, und Adebar auf dem Hausdach schien ihn zu inspirieren: „Er ging ins Haus und kam mit einer Trompete wieder, in diese hat er dann ordentlich reingeblasen.“ Den Klapper-storch indes überzeugten die musikalischen Künste des Mannes nicht, aufgeschreckt durch das Begrüßungs-Ständchen flatterte er mitsamt Störchin davon.

Wolfgang Schwarz ist entrüstet, er sagt, der Nachbar habe den Storch wegen Streitigkeiten in der Vergangenheit vertrieben: „Er wusste, dass er mich damit treffen kann! Aber die Störche können doch nichts dafür.“ Peter Andres glaubt, dass der („zugezogene“) Trompetenspieler für die Naturliebe der Einheimischen nicht die notwendige Sensibilität aufbringe.

Und um zu zeigen, dass die Störche in Altheim willkommen sind, hat Wolfgang Schwarz ein ungewöhnliches Treffen zu Ehren des vertriebenen Besuchers organisiert und dazu jede Menge Gäste eingeladen: Zwei Bekannte haben sich gar mit einem Storchen-Federkleid kostümiert und sein Haus ist mit einem Transparent geschmückt („Wer vertreibt den Storch vom Dach, ist im Kopf wohl etwas schwach!“).

Mitbürgerin Cornelia Selzer hat eine Unterschriften-Aktion organisiert. Sie schätzt, dass inzwischen mehr als 100 Menschen die Petition unterschrieben haben: „Wir hätten die Störche gerne hier gehabt.“ Die Liste soll allerdings weder dem Nachbarn noch dem Storchenpaar übergeben werden, der Bürgermeister persönlich bekomme sie überreicht.

Karsten Heinrich ist gleich mit einem ganzen Tross gekommen: Zwei Absolventen eines freiwilligen ökologischen Jahrs und eine Teilnehmerin des Mädchentags begleiten den Artenschutzbeauftragten der Naturschutzbehörde zum Tatort in Altheim, wo ein Team vom Hessenfernsehen eifrig am Filmen ist. „Geschützte Vogelarten darf man nicht mutwillig beim Nisten stören“, informiert Fachmann Heinrich. Allerdings sei es schwierig, hier eine Grenze zu ziehen: „Hat der Mann nur Trompete gespielt oder die Vögel vorsätzlich vertrieben?“ Zumal nicht klar sei, ob sich das Storchenpaar auf dem Dach zum Nisten niederlasen wollte, denn in der angrenzenden Natur gebe es sicher attraktivere Plätze. „Grundsätzlich suchen sich Störche aber auch vorpräparierte Nester und nehmen ein solches Angebot gerne an.“ Er macht Wolfgang Schwarz Mut: „Es könnten noch Nachzügler kommen.“

Von der HR-Reporterin Mareike van Alst lässt sich Heinrich allerdings keine konkrete Aussage entlocken. „Das kommt auf den Storch an“, anwortet er auf die Frage, ob die Adebars durch Trompeten-Fanfaren beeinträchtigt würden. Wie störend nistende Störche für die Anwohner sein könnten, möchte das Hessenfernsehen wissen. „Auch Vogelgezwitscher kann laut sein“, so die lapidare Antwort Heinrichs.

Später fängt das HR-Team noch den Nachbarn ab, der Blasmusik-Liebhaber entpuppt sich als besorgter Tierfreund: Er habe die Vögel vertrieben, weil er fürchtete, dass sie sich an den Nestern verletzen könnten, rechtfertigt er sich und sorgt damit für allgemeines Unverständnis bei den geladenen Gästen.

Das Spektakel über den tierisch-musikalischen Nachbarschaftsstreit wird voraussichtlich am kommenden Montag ab 18 Uhr in der Sendung Maintower im Hessenfernsehen ausgestrahlt.

Quelle: op-online.de

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