Farbenfroh für Lockerheit sorgen

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Wenn sich die Münsterin Christiane Seib mit Acryl und Pinsel einer Leinwand annimmt, entstehen meist abstrakte, farbenfrohe Bilder.

Münster - Mit Farbe, Holz und Leinenstoff will Christiane Seib Groß und Klein in Münster die Kreativität näher bringen. Dazu lässt sie sich Konzepte einfallen, mit denen sie die Teilnehmer ihrer Kurse lockere Anleitungen zur Kreativität geben möchte. Über das Wie und Warum hat sich OP-Redakteur Alexander Klug mit der 40-Jährigen unterhalten.

Frau Seib, wie schwer ist es ihnen gefallen, nicht das Kleidergeschäft Ihres Vaters Friedel Seib zu übernehmen?

Das war schon eine harte Erkenntnis, als wir zusammen eingesehen haben, dass das Geschäft einfach nicht mehr geht. Ich hätte es gerne weitergeführt, aber es hatte keinen Sinn. Wir haben ja die Zahlen über Jahre beobachtet, die Erkenntnis kam ja nicht über Nacht. Trotzdem hat es wehgetan, es hing viel Familientradition daran. Die Mutter meines Vaters, Katharina Schertler, hat das Handarbeitsgeschäft an der Hauptstraße kurz nach dem Krieg eröffnet, mein Vater hat es in den 60er Jahren um die Mode erweitert.

Wie sind Sie nach dem Aus auf die Idee gekommen, von Kleidern auf Kreativkurse umzusteigen?

Ich habe mir ein halbes Jahr lang überlegt, was ich machen soll. Dann war ich mir sicher, keinen Bürojob machen zu wollen, sondern etwas, das mit Menschen zu tun hat und bei ich meine Entscheidungen täglich alleine treffen und verantworten kann. Und kreativ war bin ich schon seit meiner Kindheit. Gebastelt und gemalt hab ich immer gern und viel. Die Ausbildung zur Fotografin hatte auch einen großen Einfluss. Ich habe die Entscheidung noch kein einzige Mal bereut.

In welche Kurse haben Sie Ihre kreative Ader denn verpackt? Und wie kommen sie an?

Kreativwerkstatt:

Mehr Informationen zu den Kursen finden Sie auf der Internetpräsenz der Kreativwerkstatt.

Also am meisten Anmeldungen habe ich, wenn Acrylfarben auf dem Programm stehen. Die Zeit spielt eine große Rolle: Ein Kurs findet deutlich mehr Resonanz, wenn er an einem einzelnen Termin über die Bühne geht, mehrere Tage sind für viele schon zu viel. Außerdem lässt sich Acryl-Malen je nach Altersgruppe anpassen. Die Kinder versuchen sich an afrikanischen Tieren oder Piratenschiffen, mit den Erwachsenen versuche ich, abstrakt zu malen.

Klingt nach einer Herausforderung ...

Ja, das ist manchmal nicht einfach. Vielen fällt es nicht leicht, die rationale Denkweise des Alltags abzulegen. Menschen, die auch im „normalen Leben“ eher rational und überlegt an die Dinge gehen, versuchen meistens, auch so zu malen. Da soll es dann etwas Konkretes, ein Haus, ein Lebewesen oder eine Landschaft sein. Da ist es manchmal besser, mit Tricks zu arbeiten, um für Lockerheit zu sorgen.

Verraten Sie davon ein paar?

Um jemanden dazu zu bringen, sich mehr Freiheit mit den Farben zuzutrauen, hilft es manchmal, ihn mit verbundenen Augen malen zu lassen. Alternativ können Rechtshänder mit Links und Linkshänder mit Rechts malen. Aber die Freiheit zu vermitteln, mit dem Spachtel Farbe auf eine Leinwand zu schmieren, ist oft nicht so einfach. Das gilt auch für viele andere Techniken, egal, ob es um Acrylfarben, Mosaiksteine oder Pappmaché geht.

Und Ihre Tricks funktionieren wirklich?

In den meisten Fällen. Die Bilder, die die Teilnehmer malen, wenn sie weniger überlegen und mit mehr Lockerheit an die Sache heran gehen, sind in der Regel deutlich besser und aussagekräftiger als die „gewollten“. Auch ein neues Verhältnis zu Farben ist mir wichtig. Ich habe nur die Grundfarben Rot, Blau und Gelb im Gepäck, die anderen müssen gemischt werden. Und wer eine Farbe meint, überhaupt nicht leiden zu können, malt am Ende meistens gern mit ihr.

Quelle: op-online.de

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