Gesang, Tanz- und Wortbeiträge

DJK-Fastnacht lässt die Wände wackeln

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Wie immer bestens aufgelegt: das Premierenpublikum der DJK-Sitzung.

Ob man Gesang, Tanz oder Wortvortrag am liebsten mag – oder einfach den Mix aus allem – ist jedem Fastnachter eigen. Nicht umsonst heißt es: „Jeder Jeck ist anders.“

Münster – Weit gebracht haben es die Macher von närrischen Sitzungen immer dann, wenn sie „Marken“ etabliert haben. Die fünfstündige Show der DJK Blau-Weiß Münster strotzt auch in dieser Kampagne vor solchen „Produkten“. Was am Samstagabend rund 400 Fans der fünften Jahreszeit in der ausverkauften Vereinshalle erleben durften und noch dreimal so viele Gäste am 8. , 14. und 15. Februar werden genießen dürfen.

Seit Jahren etabliert hat die Fastnachtsabteilung der 880 Mitglieder großen DJK (weitere Abteilungen: Tischtennis, Sportkegeln, Gymnastik, Hobby-Fußball und Wintersport) unter anderem starke Musiknummern. Zum Beispiel die „Siebenschläfer“: Zu bekannten Melodien bringen die Sänger mehrstimmig und wortwitzreich Geschichten aus dem wahren Leben auf den Punkt. Die „Mund-Haar-Monika“ veralbern sie ebenso wie die „Anna Bolika“, tun dies nie flach und immer wohlklingend. Am Samstag verabschiedeten die Barden das Publikum mit einigen Ohrwürmern in die Pause.

Das war in den Vorjahren auch schon Aufgabe der Hinnergassebuwe. Die waschechte „Minsderer“ Blaskapelle heizt in diesem Jahr zum großen Finale ein und entführt in einen Boxring. Wobei das Draufhauen im Grunde eine Kernkompetenz einer anderen Formation ist, die ebenfalls kaum noch aus der DJK-Sitzung wegzudenken ist: Die „Beklobbde“ nutzen für ihre Beats jedes Ding, das nicht bei drei von der Bühne ist. Während man die Hinnergassebuwe auch von der Münsterer FSV-Fastnacht kennt, bildet die kreative Rhythmusgruppe eins der vielen Alleinstellungsmerkmale der DJK-Fastnacht.

Eher selten findet man auch, dass im Elferrat gleich zwei Sitzungspräsidenten das Sagen haben. Zum zweiten Mal sind das in diesem Jahr Rainer Roßkopf und Michael Bonifer. Neben ihnen hat bei der Premiere Joachim Schledt, Obernarr von 2000 bis 2018, Platz genommen. Schledt fordert Ende April Amtsinhaber Gerald Frank bei der Bürgermeister-Wahl heraus – anhören müssen sich bei der Sitzung beide einiges. Und zwar von Protokoller Jörn Müller, der zwar auch das Weltgeschehen auf den Punkt zu reimen versteht, vor allem aber in der Doppelrolle als Schledt und Frank die Lacher erntet.

Je nach imitiertem Kandidat dreht er sich anders ins Profil, verulkt Schledts stattlichen Bauch ebenso wie Franks so gar nicht „minsdererischen“ Zungenschlag. Die neue Kassenbon-Pflicht nimmt der Protokoller her, um Frank im Kiosk einen „Halsbonbon-Bon“ verlangen zu lassen – und Schledt den ausgedruckten Dienstleistungsnachweis im Altheimer FKK-Club.

Einen Clown gefrühstückt und den zur Freude aller wieder rausgelassen haben bei der Premiere auch „die Frau, die alles kann“ (Alexandra Weinrich), der schönstes Platt schwätzende „Super-Papa“ Matthias Matheis, Sandy Gerhold und zwei Duos. Matthias Wolf und Thomas Mack werden zurecht für elf Jahre Bühnennonsens gefeiert; Paul Jelinek und Johannes Huther debütierten 2019 jeweils solo und bringen ihre Späße nun zusammen.

Das DJK-Männerballett war als Pfadfinder unterwegs.

Muss mal kurz umgebaut werden, spendiert die Sitzungskapelle eine vom – stets enthusiastischen – DJK-Publikum gern genommene Schunkelrunde. Was sich gerade vor den Tänzen mit Requisiten anbietet. Vier rasante Tanznummern vor und weitere drei nach der Pause zeugen davon, welches Temperament in den Münsterern steckt. Dies gilt von den Herzallerliebsten des Kinderballetts (Leitung: Susanne Heckwolf und Manuela Mack) über die Juniorgarde (Anika Richter, Jenny Tetzlaff, Sabrina Kreher), die Präsidentengarde (Anja Wolf, Kristin Seib), die Showtanz-Trilogie von „Techtelmechtel“ (Nadine Ries), dem „Verrückten Labor“ (Lukas Grießmann, Sabrina Kreher) und „Pan i Pani“ (Susanne Heckwolf) bis hin zum Männerballett. Dem hat Meike Östreicher Beine gemacht, und als „Pfadfinder“ verbrennt sich von den wirbelnden Herren im Rampenlicht keiner.

Als die Hinnergassebuwe Richtung Mitternacht das Finale einläuten, hat der Musikverein, der den Einmarsch begleitet hat, schon lange Feierabend. Arm in Arm geht es in die Schlussakkorde und für manche noch zur beliebten Anschlusssause ins Vereinsheim. Noch während der Sitzung hatten die Münsterer mit dem Anspielen des „Eppertshäuser Settchens“ einen überraschenden Gruß gen Nachbarschaft geschickt. Womit das für die baldige Altweiberfastnacht bei der DJK Blau-Weiß Münster (20. Februar in der DJK-Halle) ersonnene Motto schon mal vorgelebt ist: „#fastnachtverbindet“.

VON JENS DÖRR

Quelle: op-online.de

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