"Man braucht sehr großen Mut“

Elfjährige Leni Ries steigt am 1. März bei der FSV-Sitzung in die Bütt

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Leni Ries – hier 2018 als Eintracht-Fan in der Bütt der FKK-Fastnacht – debütiert am 1. März als Vortragende auf der großen FSV-Sitzung in der Kulturhalle.

Münster – Um an Fastnacht hunderte erwartungsvolle Narren in der Bütt zu belustigen, braucht’s ein gerüttelt Maß an Selbstbewusstsein. Von Jens Dörr  

Umso bemerkenswerter ist jenes Solo-Debüt, das es am 1. März auf der FSV-Sitzung in der Kulturhalle geben wird: Mit gerade mal elf Jahren witzelt im Rampenlicht dann Leni Ries. Wobei: Eigentlich wollte die junge Münstererin, die einer absolut närrischen Familie entstammt, schon als Zehnjährige für Lacher sorgen.

Zumindest auf der großen Bühne der Münsterer Kulturhalle blieb ihr das 2018 aber verwehrt: Lenis erster Auftritt als Nachwuchsrednerin sollte damals deshalb nicht zustande kommen, weil sich eine Reihe Erwachsener mal wieder nicht einig wurde. Es ist die bekannte und auserzählte Geschichte des Streits über die Bewirtung bei der FSV-Sitzung in Münsters guter Bürgerstube, den Verein und Bürgermeister im Vorjahr nicht rechtzeitig zu beenden vermochten. Leni traf die Sitzungsabsage in der vergangenen Kampagne besonders hart: „Meine Enttäuschung war sehr groß“, erinnert sie sich. „Danach habe ich den ganzen Abend weinen müssen. Keiner konnte mich in diesem Augenblick trösten.“

Ganz für die Katz’ war die Vorbereitung der Aue-Schülerin, die abseits der fünften Jahreszeit Fußball im FSV-Mädchenteam und zudem Klarinette spielt, damals jedoch nicht: „Meinen ersten Auftritt hatte ich letztes Jahr bei der VDK-Fastnacht in Eppertshausen. Dann kam ein Anruf von Anneliese Kreher, die mich fragte, ob ich auch an der FFK-Sitzung der Kolpingsfamilie in Münster auftreten könnte. Das war für mich natürlich super, da ich für meinen Vortrag sehr viel gelernt hatte.“ So schnupperte sie mit damals zehn Jahren zunächst vor kleinerem Publikum rein, meisterte als Eintracht-Frankfurt-Fan – der Leni auch wirklich ist – ihre lustige Premiere mit Bravour, Timing und dem sichtbaren Schalk im Nacken.

Dem sei, trotz der Erfahrung aus Tanzauftritten mit den „FSV-Minis“, schon einiges an Überwindung vorangegangen, gibt sie zu: „Man braucht sehr großen Mut, um sich an Fastnacht auf die Bühne zu stellen. Mir macht es aber auch sehr viel Spaß, dem Publikum Freude zu bereiten.“ Weshalb Leni in diesem Jahr nicht nur aufs Neue die Tanzbeine schwingen, sondern auch wortgewaltig für Erheiterung sorgen will.

Als Rolle wurde für Leni diesmal die „goldisch Grott“ ersonnen, die sie freilich auch im „wirklich wahren Leben“ ist. Geschrieben wird der Vortrag von „Eppertshausens schönstem Kerl, Reiner Sperl“, wie Leni gleich ein bisschen ins Reimen verfällt. Sperl tritt mit ihrem Vater Jochen Ries regelmäßig als Duo auf Fastnachtssitzungen in Münster (FSV) und Eppertshausen (FVCA) auf. Opa Richard und Oma Rosi Ries gehörten zu den Gründern der FSV-Fastnacht, die Mama tanzt im FVCA-Damenballett in „Ebbedei“, Bruder Felix wirbelt ebenfalls bei den „FSV-Minis“. Tante Yvonne Wudonig zu guter letzt gehört dem Fastnachtsausschuss der FSV Münster an.

Die größte „Tournee“ aber absolviert in dieser jecken Saison Leni: Ihren Vortrag hält sie wieder beim Eppertshäuser VDK und der Münsterer FKK-Fastnacht, vor allem eben aber auch auf der FSV-Sitzung am 1. März. Mit den „FSV-Minis“ ist sie für die (2018 ebenfalls abgesagte) Münsterer Seniorenfastnacht sowie Auftritte bei der FKK-Fastnacht, beim Kräppelnachmittag des MGV Altheim und dem FSV-Spektakel in der Kulturhalle „gebucht“.

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Bis dahin wird sie ihre Rede „mehrmals am Tag“ durchgegangen sein, damit auch jede Pointe sitzt. Nur ihre Eltern müssen noch schwitzen, wie Leni Ries ganz trocken erzählt: „Mein Papa war kürzlich bei der Vorverkaufsstelle und wollte für sich und Mama Karten kaufen. Er hatte Pech, die FSV-Sitzung ist komplett ausverkauft. Da hab’ ich zu ihm gesagt, hast du halt Pech gehabt, wenn die dich nicht rechtzeitig um Karten kümmerst. Musst du halt stehen oder mal fragen, ob noch ein Platz im Elferrat frei ist.“

Sie selbst finde die hohe Nachfrage im Jahr eins nach dem GAU 2018 jedenfalls „total geil: Wochen vor der Sitzung schon ausverkauft – da macht das Auftreten noch mehr Spaß!“

Quelle: op-online.de

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