Premiere närrischen Spektakels

Tanz ist Trumpf auf der DJK-Sitzung

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Im Showtanz von Pan i Pani überboten sich Boy- und Girlband abwechselnd.

Münster – Fünf Stunden beste Unterhaltung, ein von der ersten Minute mitgerissenes Publikum und jede Menge Tanz als größter Trumpf: In der mit 400 Narren restlos ausverkauften Vereinshalle hat die DJK Blau-Weiß Münster am Samstag die Premiere ihrer Fastnachtssitzung über die Bühne gebracht. Von Jens Dörr 

Weitere heitere Abende zwischen Wortwitz, Mitmachstimmung und schwungvollen Choreografien folgen am 16. , 22. und 23. Februar. Das größte Geheimnis lüftete der für seine ausgelassenen Kampagnen über die Ortsgrenzen hinaus bekannte Mehrspartenverein (Tischtennis, Kegeln, Gymnastik, Hobbyfußball, Wintersport und fünfte Jahreszeit) bereits im Prolog: Rainer Roßkopf und Michael Bonifer sind die neuen Sitzungspräsidenten, treten als Duo die Nachfolge von Achim Schledt an. Im Elferrat, bei der DJK Münster keine reine Herrenrunde, nahmen sie in Reihe eins die Mitte ein und spielten sich gekonnt die Bälle zu, ohne in überzogenes Palaver zu verfallen.

Das Prädikat „gelungen“ durfte man indes auch allen anderen Protagonisten verpassen, manchem mit dem Zusatz „besonders“. Wobei vieles Geschmackssache ist: Darf es bei den Tänzen etwa der klassische Gardetanz der Juniorgarde (Leitung: Annika Richter, Jenny Tetzlaff, Sabrina Kreher) oder lieber die modernere Variante der neu formierten Präsidentengarde (Anja Wolf, Kristin Seib) sein? Der Showtanz von Pan i Pani, in dem sich Boy- und Girlband abwechselnd überbieten, oder jener der neuen Showtanz-AG (Lukas Grießmann, Sabrina Kreher), bei der freilich bekannte Tanzgrößen aus der früheren Präsidentengarde mitwirken? Oder doch die rockige Variante von Techtelmechtel (Nadine Ries) beziehungsweise der nicht zu übertreffende Sex-Appeal des Männerballetts (Meike Östreicher) im knappen Cheerleader-Outfit?

Dem subjektiven Dezibel-Empfinden nach machten auch diesmal die Jungs und Mädels des Kinderballetts das Rennen in der Gunst des im Schnitt ziemlich jungen Sitzungspublikums. Mit in Sprünge und Drehungen kanalisierter Energie zum Thema „Bibi & Tina“ holten die Kids die feierwütige Menge beileibe nicht das einzige Mal aus den Sitzen.

So tobte die Halle auch beim Auftritt der Hinnergassebuwe, die diesmal den Bogen von Ernst-Neger-Songs bis hin zu Titelmelodien aus Zeichentrick („Die Gummibären-Bande“, „Das Dschungelbuch“) spannten. Einen Rhythmus, bei dem man mitmuss, verströmte unter dem Motto „Samba de DJK“ mal wieder die Trommlergruppe „Die Bekloppden“, und schon beim Einmarsch am frühen Abend der Musikverein. Das Duo Sunshine als Miniversion einer Saalkapelle musste nicht lang zu den Schunkelrunden bitten. Die Siebenschläfer läuteten das Finale mit allen Mitwirkenden ein. Darin erinnerten sie an mittlerweile 30 Jahre Bühnenpräsenz und entführten in eine Zeit, in der die Akkorde noch von Kassette oder Vinyl wiedergegeben wurden.

Ihren närrischen Job erledigt hatten bis dato auch die Wortgewandten aus der DJK-Riege, die ausschließlich Talente aus den eigenen Reihe ins Rampenlicht schickt. Johannes Huther als Student lehnte sich mit der radikalen Religion der „Thermomixizisten“ an und konstatierte perplex nicht nur gen persönlichem Fanclub: „Der Thermomix kostet nackt 1 200 Euro – ohne Alufelgen! Das ist nur mit Religion zu erklären ...“

Hinterfragen, doch trotz scharfer Beobachtung und geschliffener Reime auch nicht alles erklären vermochte Protokoller Jörn Müller. Er prognostizierte Münster für die Bürgermeister-Wahl 2020 ein Politcomeback à la Friedrich Merz: DJK-Kümmerer Peter Waldmann, freilich auch bekannter Christdemokrat im Ort, werde dann wohl Rathaus-Chef Gerald Frank (SPD) herausfordern. Die Schwarzen und die Roten – und ein bisschen auch die grüne ALMA – bekamen ihr Fett vor allem für ihre nicht immer haargenau den Tatsachen verpflichteten Pressemitteilungs-Schlachten weg.

Buchstäblich um Leben und Tod ging es bei Paul Jelinek, der die Rolle „Der Tod“ einnahm. Obgleich man sich dabei (und auch bei einigen Pointen) stark an die Darbietungen von TV-Comedian Nico Semsrott in eben dieser Aufmachung erinnert fühlte, saßen die Witze wie dieser: „Tod kann auch Erlösung sein – Verheiratete wissen, wovon ich rede!“ In diesem Sinne gelte: „Don’t worry –die happy!“

Bilder: DJK Blau-Weiß Münster liefert fünf Stunden beste Unterhaltung

Durch wüste Rauch- und Saufgelage verkürzte derweil Sandy Gerhold („Laster der Menschheit“) recht genussvoll ihr Erdendasein. Lisa Gerhold und Lukas Grießmann waren im Zwiegespräch hingegen „frisch verliebte Gegensätze“ und feierten zudem ihr elfjähriges Bühnenjubiläum.

Auch bei Matthias Wolf und Thomas Mack („Der Ritter und sein Knappe“) waren die komischen Rollen klar verteilt. Das Urteil der Narrenschar war da längst gefällt: Die Fastnachtssitzung der DJK darf man sich nicht entgehen lassen.

Quelle: op-online.de

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