FSV Münster stemmt ausverkaufte Sitzung

Narren lieben das Rudelsingen

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Die „FSV-Kids“ entführten die Zuschauer mit einer mitreißenden Show in den Wilden Westen.

Münster – Nach der tristen Kampagne 2018 mit kurzfristiger Absage der Sitzung hat die Freie Sportvereinigung (FSV) Münster jetzt ein fulminantes Comeback gefeiert: In der schon seit ein paar Wochen mit 400 Jecken ausverkauften Kulturhalle boten die „Freien“ ein fünfstündiges Spektakel – Debüts, Jubiläen und Neuerungen inklusive. Von Jens Dörr

Rund um die Bewirtung hatte der Münsterer Verein in der gemeindeeigenen Halle diesmal wieder freie Hand. Dies war im Vorjahr, als noch ein Pächter das inzwischen leer stehende Kulturhallen-Lokal betrieben hatte, der Knackpunkt für den Streit mit dem Rathaus gewesen. Für die daraus resultierende Absage war im Ort vor allem Bürgermeister Gerald Frank verantwortlich gemacht worden. Der Genosse saß während der Sitzung am Nebentisch der CDU-Bundestags-Abgeordneten Astrid Mannes und erhielt bei seiner namentlichen Begrüßung durch den Sitzungspräsidenten Kersten Grimm zunächst freundlichen Applaus.

Nach der Pause nahm sich Grimm der Thematik (auch der Absage der Münsterer Seniorenfastnacht) mit Galgenhumor und unter dem Gejohle des Saals noch einmal höchstselbst an. Womit Frank die Schelte überstanden hatte und der Vorfall wohl zu den Akten kann.

FSV-Eigengewächs Leni Ries meisterte ihr Debüt mit Bravour - unter anderem Blümchen von Brüderchen Felix waren der Dank.

Alles andere als für die kommenden Jahre abgehakt sein dürfte indes eine neue Idee der FSV, die erstmals ein halbstündiges Rudelsingen in ihre Sitzung integrierte. Dafür hatte der Verein Tom Jet aus Obertshausen engagiert, der nichts als eine verstärkte Gitarre, ein Mikro und die Projektion der Liedtexte an der Wand benötigte, um die Zuschauer durch die Bank zu mobilisieren. Von Hits wie „Country Roads“ über „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ bis zur unvermeidlichen „Cordula Grün“ reichte das Repertoire. Das im Trend liegende Rudelsingen, bei dem die Narren gar nicht anders können, als zum Mitmach-Publikum zu werden, dürfte als simple wie perfekte Ergänzung auch in den kommenden Jahren Einzug in die FSV-Sitzungen finden.

Ob das bei der erstmals nach Münster geholten Nieder-Röderin Sonja Zabolitzki, die eigentlich Hundefriseurin ist und sich mehrmals unter die Gürtellinie begab, der Fall sein wird, sei dahingestellt. Keine Debatte ob des Unterhaltungswerts und -niveaus lässt derweil der Offenbacher Andreas Kraus zu, der im selbst verfassten Vortrag „Stau“ genüsslich in ebendiesen abtauchte. Stau zieht sich immer – Kraus’ Reime tun es nie. Bei ihm sitzen Gestik, Mimik und Timing perfekt, die Sprache ist auf den Punkt.

Entdeckt Kraus im Stau einen Nasenpopler, freut er sich mit: „Sieht zwar echt nach Arbeit aus, doch der Kerl holt echt was raus!“ Für die Münsterer Fastnachter packte er bereits zum elften Mal ein verbales Schätzchen aus.

Ein närrisches Jubiläum feierten die „FSV-Fireballs“ mit ihrem elften Gardetanz. Überhaupt: Bei den Rednern setzten die „Freien“ fast durchweg auf Externe, wie auch den Eppertshäuser Stammgast Reiner Sperl sowie Petra Giesel. Die Ausnahme bildete die elfjährige Leni Ries, die schon 2018 auf der FSV-Bühne hätte debütieren sollen, nun aber eine schon bemerkenswert ausdrucksstarke Premiere hinlegte. Der Dank war unter anderem ein Blümchen von Bruder Felix, den sie zuvor eifrig durch den Kakao gezogen hatte.

Bilder der Fastnachtssitzung der FSV Münster

Die Geschwister tanzten später bei den „FSV-Kids“ mit, die in den Wilden Westen entführten. Die Tänze – so auch vom Männerballett („Moralapostel“), den „Dancing Divas“ („Rockstars“) und den neben einem Garde- auch einen Showtanz vollführenden „Dancing Divas“ sind und bleiben in Münsterer Hand. Ebenso wie die Playback-Show von Jörg Anders.

Klangvolle Unterstützung holte sich die Freie Sportvereinigung vom Musikverein Münster, der zum 15. Mal den Einmarsch des Elferrats flankierte. Die „Hinnergassebuwe“ präsentierten die schon aus den Sitzungen der DJK Münster bekannte Show zwischen Ernst-Neger-Songs und Melodien aus Kinderserien. Die Saalkapelle „Sunshine Music“ war „tuschend“ zur Stelle, wenn sie gebraucht wurde, die Guggemusiker der Hochstädter Lärmbelustigung gaben zum Finale Vollgas. Bis dahin hatten sich die 400 Gäste, die 130 Mitwirkenden auf und hinter der Bühne sowie die 20 Dienstpersonen in der Bewirtung (im Saal unterstützt von professionellen Kräften der Kellnervereinigung) voll verausgabt. Wer noch Energie besaß, feierte anschließend im Foyer weiter. Auf den Heimweg mit nahmen alle das schöne Gefühl: Die FSV-Fastnacht ist wieder da!

Quelle: op-online.de

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