Ein Palast für den „Boijemoasder“

DJK Blau-Weiß Münster feiert Fastnacht

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Stimmungskönige: die 400 Narren in der in der DJK-Halle.

Münster - Dass die Fastnachtssitzungen der DJK Blau-Weiß Münster insbesondere wegen der extrem ausgelassenen Atmosphäre im Saal längst auch außerhalb der Gemeinde mehr als ein närrischer Geheimtipp sind, ist schon länger bekannt. Von Jens Dörr 

Allerliebst: Die Jungs und Mädels des Kinderballetts als Surfer bei der Fastnachtssitzung der DJK Blau-Weiß Münster.

Dennoch ist es bemerkenswert, wie nachdrücklich das närrische Publikum – 400 Jecken pro ausverkaufter Sitzung – seinen inoffiziellen Titel als Stimmungs- könig der Region Jahr für Jahr verteidigt. Wie auch bei der fünfstündigen Premiere am Samstagabend. „Ich weiß nicht, ob wir die bessere Sitzung haben als die Dieburger“, merkte Sitzungspräsident Achim Schledt am Samstagabend zwischenzeitlich an. Eines wisse er aber sicher: „Wir haben das bessere Publikum!“ Was sich gerade als Seitenhieb auf die beiden Dieburger Fastnachtsgranden Wolfgang Dörr und Jürgen Schaarvogel anbot, die die Premierensitzung der DJK Blau-Weiß Münster im Saal verfolgten. Und dabei ebenso gelassen blieben wie zu Beginn des Auftritts vom Männerballett, das das Dieburger Programm in Anspielung auf das Kampagnenmotto des Nachbarn („2+0+1+8 ist 11 gleich Fassenacht“) „08/15“ sei. Ansonsten indes kamen Dieburger und vor allem Eppertshäuser ziemlich glimpflich weg.

Achim Schledt durfte sich auch deshalb eine besonders kesse Lippe erlauben, weil er seine letzte Kampagne als Chef des Elferrats erlebt. Weshalb ihm auch eine Extrawurst gebraten wurde: Sandy Gerhold, mit der er gern das Bühnenduo „Herbert und Brigitte“ bildet, durfte sich die Moderation mit ihm teilen. Den Elferrat verließ sie – neben ihrem Vortrag mit dem Titel „Mann und Frau“ – vor allem dann höchst erfreut, wenn es nach einer Nummer knackige Mannsbilder zu küssen galt.

Von denen standen besonders viele im Männerballett auf den weltbedeutenden Brettern. Die Gruppe, die Trainerin Meike Östreicher zu Höchstleistungen treibt, wirbelten und alberten als Hofnarren (elfjähriges Bühnenjubiläum: Martin Trippel). Der Lautstärkepegel im Publikum nahm dabei ähnliche Stände an wie bei den anderen Tänzen: etwa den allerliebsten Jungs und Mädels des Kinderballetts von Susanne Heckwolf und Manuela Mack (Surfer), den Astronauten der Gruppe Pan i Pani (seit 22 Jahren mit Susanne Heckwolf) oder den jungen Frauen von Techtelmechtel, die zu 80er-Rhythmen schweißtreibende Aerobic betrieben.

Protokoller Jörn Müller.

Der Tanz der Präsidentengarde (Leitung: Anja Wolf und Kristin Seib; (elfjähriges Bühnenjubiläum: Sabrina Kreher) läutete einerseits das Finale mit den jubilierenden Hinnergassebuwe (bestehen seit elf Jahren) ein, schloss sich andererseits an eine Neuerung der DJK-Fastnacht an: Der Verein schickte die frisch gebackene Juniorgarde auf die Bühne, für die Annika Richter, Jenny Tetzlaff und Sabrina Kreher verantwortlich zeichnen. Dabei handelt es sich um DJK-Eigengewächse, die früher schon im Kinderballett auftraten.

Anderweitig musikalisch ging es beim Einmarsch mit dem Musikverein, in den Schunkelrunden, bei den „Beklobbden“ und den „Siebenschläfern“ zu. Die „Beklobbden“, unter denen sich mit Christian Richter und Sebastian Herd auch zwei der Hinnergassebuwe befinden, blieben ihrem Stil treu, rhythmisch fast jedes Ding – und sei’s ein Popo in Lederhose – für ihren Sound zu entfremden. Die „Siebenschläfer“ erwachten mit Brummschädel und Erinnerungslücken, wobei mit jedem Lied ein Stück der Schandtaten vergangener Nacht zurückkehrte. Erneut ein kreativer und stimmgewaltiger Gesangsvortrag der beliebten Boygroup.

DJK Blau-Weiß Münster feiert Fastnacht: Bilder

Unter den Vorträgen stachen einmal mehr insbesondere die geschliffenen Reime und genauen Beobachtungen von Protokoller Jörn Müller heraus. Wobei sich eine Sitzung wie jene in Münster vor allem dann von hochgezüchteten TV-Sitzungen abzuheben vermag, wenn Lokalkolorit Einzug in die Reden hält. Müller lieferte auch in dieser Hinsicht formidabel ab: Die Kerbmütter in Altheim und Eppertshausen berücksichtigte er ebenso wie Münsters Brückenbauwerke: „Marmor, Stein und Eisen bricht – aber unsere Brücken nicht!“ Und konstatierte mit Blick auf den geplanten Rathaus-Umbau, dass Bürgermeister Gerald Frank „mit kleinem Geld und großem Wahn“ einen regelrechten „Boijemoasder-Palast“ errichten wolle.

Zu Wort kamen in Anspielen auch Lisa Gerhold und Lukas Grießmann, der derbe „Ortssheriff“ Rainer Roßkopf, der ebenfalls in „Minsdrer“ Platt kalauernde „Super-Papa“ Matthias Mattheis sowie in Zwiegesprächen Johannes Huther und Paul Jelinek („Zwei auf Augenhöhe“) beziehungsweise Matthias Wolf und Thomas Mack („Die Liebesberater“). Nicht wenige von ihnen nutzten im DJK-Domizil nach der Sitzung noch eine der Gelegenheiten zum Weiterfeiern. Manchen dürfte man nicht nur in den nächsten drei Sitzungen, sondern auch am 8. Februar bei der großen DJK-Party anlässlich der Altweiberfastnacht wiedersehen.

Quelle: op-online.de

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