Sitzung der FSV Münster

Voller Protokoller ohne Angst

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Zuschauer Heinz Kropp sorgte mit Rassel für Stimmung.

Münster - Ob er wirklich wusste, was er da tat? „Mit Leuten wie dem Thomas Winter, da erschreckt man kleine Kinder“, lallte am Freitagabend Kersten Grimm. Von Jens Dörr 

Voller Protokoller: Kersten Grimm, auch wieder als Sitzungspräsident im Einsatz.

Der Präsident der bunten Narretei der Freien Sportvereinigung (FSV) Münster schlüpfte bei der Sitzung nicht nur in die Rolle des Ansagers, sondern auch des „Proto-Vollers“. Richtig gelesen: Ein voller Protokoller war der erste Wortvortrag des rund fünfstündigen Programms, für das im Schlussspurt auch die letzten der 400 Tickets an Clowns, Cowboys und Eskimos gebracht worden waren. Grimm beleidigte und pöbelte in der Rolle des kurzfristig aus der Sitzung gestrichenen – und angeblich „so gar nicht“ betrunkenen – Protokollers, wer ihm gerade einfiel. Das hatte viel konkreten Bezug zur FSV, war meist spaßig gemeint, stellenweise aber auch einen Tick sozialkritisch. Etwa, als Grimm die heutige Gewohnheit des recht schnellen Vereinsaustritts aufgriff. Und auch vor körperlich weit überlegenen Kolossen wie Winter – immerhin ein ehemaliger Schwergewichtsringer – nicht stoppte.

Geraden Schrittes und nicht torkelnd war Grimm mit Elferrat und Musikverein Münster, der unter der Leitung von Piotr Konczewski einheizte, in die gut gelaunte Runde der vier Hundertschaften Verkleideter einmarschiert. Ehe er den „Proto-Voller“ gab, der lediglich dem Publikum etwas Positives zugestand, lieferten die FSV-Fireballs ihren inzwischen achten Gardetanz ab. Voller Elan kaschierten sie auch einen Moment der Unachtsamkeit locker und lächelnd, als die Beine mal nicht zeitgleich in die Luft gingen. Nach Grimms Auftritt, für den der FSV-Vorsitzende Peter Samoschkoff kurzfristig den Sitzungspräsidenten mimte, wurde es erneut schwungvoll: Die FSV-Kids zeigten als „Tarzan und Jane“, was sie für ihren nun schon dritten Tanz einstudiert hatten. Dass der Freien Sportvereinigung beim Nachwuchs nicht bange sein muss, ist das Verdienst der Trainerinnen Christiane Grimm und Melanie Ellermann.

Teuflisch guter Engel

Zuschauer Heinz Kropp sorgte mit Rassel für Stimmung.

Auch ein „eigener“ Mann aus Münster - hier wohnt er jedenfalls - ist Sänger Patrick Engel, den Grimm allerdings ebenfalls korrekt zusätzlich in der Dreieichenhainer Fastnacht verankerte. Dorthin musste Engel am Freitagabend gleich zum nächsten Auftritt ziehen. Nach Schlagern, bei denen sich die Stimmungskanone unter die Zuschauer gemischt hatte, fand der teuflisch gute Engel nichtsdestotrotz Zeit und Energie für eine Zugabe. Schon der erste Hit - „Joana“ - hatte die Narrenschar bereits von den Stühlen gerissen. Geht es nach der Lautstärke des Publikumsjohlens, so geriet zudem der Auftritt des FSV-Männerballetts zu einem der Höhepunkte. Angeleitet von Viola Schickedanz, auf der Bühne derweil auch mutterseelenallein der Choreografie mächtig, mutierte der unter anderem aus Altherren-Fußballern bestehende Trupp zu „Rockigen Bayern“. Die hatten auch den Schuhplattler drauf.

Urgestein Lutz Murmann, auf den Eppertshäuser Veranstaltungen in diesem Jahr im Zweierpack auf den weltbedeutenden Brettern, legte in Münster solo das „Eppertshäuser Settchen“ hin. Die Hinnergassebuwe begleiteten das Publikum in die Pause. Nach der wurde prompt weitergesungen. Das Duo Sunshine Music läutete die Schunkelrunde ein. Die FSV-Dancing-Divas (Leitung: Lena Schwarzer und Yvonne Wudonig) „lieferten“ den Showtanz „Rock me Amadeus“ und ernteten ihrerseits großen Applaus. Jochen Ries und Reiner Sperl feierten gemeinsames närrisches Bühnenjubiläum, waren zusammen zum elften Mal dabei. „Zu fett fürs Ballett“ hieß ihr Angriff aufs Münsterer Zwerchfell.

Das FSV-Damenballett (Leitung: Viola Schickedanz) leitete den Schlussspurt ein, den Andreas Kraus mit seinem Vortrag übers „Grillen“ und aufs Neue die Fireballs als „Cowboys“ veredelten. Die letzten Anreger fürs „Münster Helau!“ gaben die Guggemusik Hochstädter Lärmbelustigung und alle Mitwirkenden beim großen Finale. Nach dem wurde in guter Tradition noch lange in der Bar weitergefeiert. Hier mussten die 30 Bewirtungshelfer noch einmal die letzten Kräfte mobilisieren. Nicht überliefert ist unterdessen, ob Ringer Thomas Winter den vorlauten Kersten Grimm noch am selben Abend schulterte.

Quelle: op-online.de

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