Mit Faust auf der Suche nach Glück

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Mit Goethes Faust und der Nerd-Brille auf der Suche nach dem großen Glück: Regenbogenschüler im Theater-Element.

Münster - Mandy sieht erleichtert und glücklich aus. „Das war schon ganz schön aufregend, als ich alle Leute gesehen habe, die uns zuschauten“, sagt die Achtjährige nach der Aufführung des Theaterstücks „Faust sucht das große Glück“ in der Münsterer Kulturhalle. Von Ellen Jöckel

Sie ist eine von 17 Theaterforschern aus der Altheimer Regenbogenschule in weißen Kitteln und mit schwarzen, viel zu großen Brillen auf der Nase, die ihnen das Aussehen von zerstreuten Professoren verleihen.

Mandy hat das Schauspielern sichtlich Spaß gemacht. Sie hat heute ihr Glück im Auftritt gefunden. Im Laufe des Schuljahres hat die Theater-AG der Altheimer Grundschule das Glück erforscht und ist dabei auf Goethes „Faust“ gestoßen. Eine kindgerechte Nacherzählung der Autorin Barbara Kindermann verhalf den AG-Leitern Max Petermann und Angela Müth, ihren Schülern die berühmteste Tragödie der deutschen Literatur näher zu bringen.

„Wir hatten aber nicht den Anspruch, ihnen das ganze Geschehen des Dramas zu vermitteln. Uns hat nur der unglückliche Faust interessiert und Mephisto, der ihm den Pakt anbietet, um auf diese Weise vielleicht wieder glücklich zu werden. Das war unseres Erachtens die Ebene, mit der die Kinder auch etwas anfangen können“, erläutert Petermann.

Im Stück erzählen die Schüler nach, wie sie im Theaterlabor dem Glück auf die Spur kommen wollten: Mit Experimenten, bei denen es brodelt und zischt oder mit Hilfe moderner Technik: Da wird das Wort „Glück“ im Internet „gegoogelt“ oder eine Lernsoftware in ein Glückscomputerspiel umgewandelt. Das ganze Geschehen halten Darsteller mit einer Videokamera fest.

„Das Filmen hat mir am meisten Spaß gemacht“, meint der neunjährige Nick. „Die Kinder gehen mit dieser Technik selbstverständlich um. Ich fand es interessant, diese Mittel einzusetzen und zu sehen, wie die Kinder darauf reagieren. Das war Teil des Experiments“, erzählt Petermann, für den Theater immer ein Versuch sei, bei dem niemand wisse, was am Ende herauskommt.

Neben der Nutzung von Technik haben sich die kleinen Theaterforscher auch auf klassische Art Gedanken zum Glück gemacht: In selbst gereimten Gedichten drücken sie ihre Vorstellungen von Glück aus. „Einmal König sein“ ist eine davon. Passend dazu singen die weißbekittelten Forscherkinder das Lied „König von Deutschland“ von Rio Reiser. Vom Unglück in der Liebe handelt das Lied „Heideröslein“ von Schubert, dessen Text aus der Feder Goethes stammt und im Stück immer wieder gesungen wird. Auch das Berechnen von Glück ist für die Nachwuchswissenschaflter kein Ding der Unmöglichkeit. Ein Beispiel: Freunde plus Spielen plus Würfeln gleich Glück. Auf der Bühne werden diese Gleichungen aufgeschrieben und für die Zuschauer an die Wand projiziert. Zwischen allen Versuchen bilden zahlreiche Zitate aus Faust den roten Faden. „Wir haben den Kindern die Texte, die sie nicht verstanden haben, erklärt“, sagt Petermann. In erster Linie gehe es aber nicht darum, alles genau zu verstehen, sondern die Klangfarbe der Sprache mit dem Auswendiglernen aufzunehmen. „Wenn die Kinder später in den höheren Klassen dem Faust wieder begegnen, können sie sagen: ‘Den kenne ich’. Das alleine ist schon großartig. Sie verbinden jetzt mit Faust einen unglücklichen Menschen, der etwas mit dem Teufel ausmacht und experimentiert. Dieser Bezug wird nachhaltig bestehen bleiben“, begeistert sich der Grundschullehrer.

Neben den Eltern, die zur Nachmittagsaufführung gekommen waren, hatten auch die Schüler der Regenbogenschule bei einer weiteren Vorstellung der Theater-AG Gelegenheit, Faust im schuleigenen Theaterlabor kennenzulernen.

Quelle: op-online.de

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