Schöne Gedanken dreier mahnwachender Doaschde

Fest für Münster und nicht den Kommerz

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Die Drei von der Mahnwache: Gerhard Dahms, Norbert Hartmann und Friedel Seib.

Münster - Die einen bedauern mit einem fünften Lichterfest den Zustand des scheinbar nicht so einfach wiederzubelebenden Rathausplatz, andere trauern dem Tod des Doaschdefestes nach. Von Thomas Meier 

In beiden Fällen sind es jeweils wenige Münsterer, die sich da für ein Stück ihrer Heimatgemeinde engagieren. Im Falle der Feste-Nachtrauerer waren es nur deren drei, die sich zu einer einsamen Mahnwache am Rande des Rathausplatzes zusammenfanden. Dabei tauschten Gerhard Dahms, Norbert Hartmann und Friedel Seib Erinnerungen an bessere Fest-Zeiten aus. „Dunkle Wolken am Himmel, Regenschauer und starker Wind, doch die Münsterer genossen ihr Doaschdefest dennoch in vollen Zügen.“ So stieg Jasmin Frank in den Bericht über das letzte Doaschdefest in Münster ein, das am letzten Augustwochenende 2011 das Volk begeisterte. 23 Stände und 19 Vereine mit dabei, sogar das Haus der Kinder war in diesem Jahr vertreten. Lange ist es her, und nun war es die dritte Mahnwache, die an den Traditionsschwund erinnern sollte. Entstanden ist das beklagte Doaschdefest, das im Namen schon den Begriff für die Münsterer „Gemüsestrunke“ in sich trägt, aus dem Altstadtfest heraus.

Dies wurde erstmals 1979 von der Hintergasse aus in den Ort getragen und erfreute sich rasch großer Beliebtheit. Innerhalb kurzer Zeit beteiligte sich ganz Münster am gesellig-urigen Treiben. Es hatte wahrlich integrative Kräfte freigesetzt. Und weil es so allumfassend wurde, sich viele Vereine beteiligten, suchte man nach neuem Austragungsort und fand ihn 2008 zwischen Rathausplatz und Bahnhof. Das Doaschdefest war geboren, hatte allerdings unübersehbar gleich etliche Kinderkrankheiten. „Zuletzt haben nur noch die großen Vereine richtig daran verdient“, meint Friedel Seib. Die kleineren Vereine hätten kaum noch Chancen gehabt, das Altstadtfest sei mit neuem Namen auch viel zu kommerziell geworden.

Der Aufwand zu hoch, die Erträge zu niedrig

Vor allem letzterem Argument stimmen die beiden Mit-Mahner zu. Und richtig – auch in unserer Zeitung ist nachzulesen, dass es vor allem wohl monetäre Überlegungen waren, die zum letztlich gar nicht so überraschenden Festtod führten. Am 11. Dezember 2011, gut drei Monate nach dem letzten Doaschdefest, stand bei uns geschrieben: Doch so groß die Begeisterung der Besucher und einzelner Teilnehmer ist, auf der Gemeinde sieht man die Veranstaltung mit gemischten Gefühlen, wie Organisatorin Nicole Uhrich betätigt: „Wir haben eine sehr aktive Vereinslandschaft in Münster und unterstützen unsere Vereine so gerne in ihrem Tun. Deshalb stellen wir auch 10.000 Euro pro Jahr aus dem Haushalt für das Doaschdefest bereit. Aber die Vereine müssen natürlich auch mitmachen, sonst hat das Ganze wenig Sinn.“

„Die Vereine zogen nicht mehr richtig mit, zu hoch der Aufwand, zu niedrig die Erträge“, sagt Dahms heute. Und Seib redet den beiden anderen aus der Seele: „Aber unser Münsterer Fest darf doch nicht dazu dienen, das ein jeder nur daran verdienen möchte.“ Das Fest sei wohl einfach zu groß geworden, glauben die Mahnwacher. Hohe Nebenkosten für Bühne, Musikgruppen und Werbung seien ausgerechnet genau zu jenem Moment ausgeufert, als auch die Gemeindeverwaltung in Zeiten knapper Haushaltsmittel ein Haushaltskonsolidierungskonzept übergestülpt bekommen habe. „Mit der Doppik kam auch das Aus für die kostenfreie Unterstützung durch Gemeindemitarbeiter, die mal eben mit bei Aufbau halfen“, weiß Dahms. Von 24 eingeplanten Ständen waren beim letzten Fest weniger als zehn von Vereinen besetzt, für 2012 gab es sogar noch weitere Absagen, so dass Ende 2011 nur fünf teilnehmende Vereine feststanden. „Als Gemeinde kommen bei der Planung und Organisation des Festes ja noch viele weitere Kosten hinzu, wir beziffern den Aufwand an internen Kosten auf etwa 15.000 Euro.

Kerb in Münster (2013)

Kerb in Münster

Diesen Beitrag wollen wir nur leisten, wenn die Vereine in ausreichender Form mitmachen. Deshalb haben wir ein Treffen einberufen, bei dem es um die Zukunft des Doaschdefests geht“, informierte Bürgermeister Walter Blank unsere Zeitung im Dezember 2011. Nach dem Treffen stand fest: das Doaschdefest, es war einmal. Ein bodenständiges Fest zu installieren, an dem ganz Münster beteiligt ist, sich jeder Verein, jeder Bürger einbringen kann, bei dem nicht der Gewinn Maxime ist, solch ein Fest wünschen sich die Mahnenden zurück. Bei 60 Vereinen im Ort, die untereinander prima vernetzt seien, schauen sie optimistisch in die Zukunft. Allein: „Dass aus den Zeitungen eigentlich alle wussten, dass wir eine Mahnwache machen, aber außer uns dreien keine hinzustieß, das stimmt dann schon bedenklich“, brachte es Norbert Hartmann auf den Nenner.

Quelle: op-online.de

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