Nicht in allen Ohren

Im Bücherei-Festzelt ist’s für Autoren zu laut

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Im Storchenschulhaus nahmen viele Kinder den Tag der Literatur bei Vorlesungen und Bastelangeboten sehr gut an.

Münster - Es braucht Ideen und Engagement, um eine Sache nach vorne zu bringen. Beides vereint Jasmin Frank, die der Bücherei im Storchenschulhaus seit einem Jahr vorsteht. Der jüngste Coup: Die Verbindung vom hessenweiten Tag der Literatur mit dem 100. Von Michael Just

Geburtstag der Bücherei 2013. Beides wurde am Sonntag mit großem Programm gefeiert. Sowohl im Storchenschulhaus als auch in einem extra neben dem Gebäude aufgestellten Festzelt ließen sich eine ganze Reihe von Angeboten wahrnehmen.

„Wir haben Lesungen, Vorträge, Musik, Gesang und Kreatives“, fasste Jasmin Frank das breite Spektrum zusammen. In den Räumen der Bücherei lasen in einem Literatur-Marathon den ganzen Nachmittag lokale Autoren vor. Dazu wartete im Dachgeschoss ein Bastelangbot.

Mundart-Fans kaufen mehr als 300.000 Babbel-Gallier-Exemplare

Für das Festzelt wurde der Kinderchor der John-F.-Kennedy-Schule, der Kirchenchor Cäcilia und die Big-Band des TV Münster engagiert. Margarete Elster vom Heimat- und Geschichtsverein beleuchtete die historische Entwicklung der Bücherei, die 1913 als katholische Volksbücherei erstmals Erwähnung fand. Als Höhepunkt sollte Jürgen Leber, der bereits in mehreren Bänden Asterix und Obelix einen hessischen Dialekt in die Sprechblasen geschoben hat, das Wort bekommen. Mehr als 300.000 Babbel-Gallier-Exemplare wurden von Mundart-Fans bereits gekauft.

Das ausgewachsene Programm am Sonntag sprach für den derzeit hohen Anspruch der Bücherei, die von der Gemeinde Münster und der katholischen Pfarrei St. Michael zusammen betrieben wird. Zudem waren damit Fördergelder vom Land Hessen möglich.

Bücher verändern Leben

Die Vorbereitung des Festes verschlang reichlich Zeit. Der Dank von Jasmin Frank ging deshalb an verschiedene Adressen, darunter den Bauhof oder die Lesepaten. Die Begrüßung für die Gemeinde übernahm Norbert Schewe, Pfarrer Bernhard Schüpke sprach für die katholische Kirche. Schüpke erinnerte an die Bedeutung von Büchern: „Oft sind sie eine Brücke in eine andere Welt“, sagte er. Dazu hätten Bücher das Zeug, das Leben von Menschen zu verändern. In diesem Kontext hob er die Bibel heraus.

Eine gute Resonanz erfuhr das Bastelangebot im Storchenschulhaus und die dortigen Autoren-Lesungen. Das Festzelt zeigte sich zur Eröffnung ebenfalls als gut gefüllt, wozu die vielen Kinder des JFK-Schulchors und deren Eltern beitrugen. Nach deren Auftritt wurde es merklich leerer. Das lag nicht zuletzt am Dauerregen, der viele Münsterer fern hielt.

Besucher babbelten lieber mit ihrem Nachbarn

Der Kinderchor der John-F.-Kennedy-Schule zeigte personell und gesanglich Stärke.

Jene, die kamen, fühlten sich zwar wohl, bewiesen aber ein Phänomen, das heutzutage immer öfter auftritt: Viele Menschen können nicht mehr zuhören. So sprach Margarete Elster in ihrem Vortrag gegen einen stets hohen Geräuschpegel an, der trotz der Aufforderung für mehr Ruhe nicht abflachte. Die Kaffee- und Kuchentheke, die nur wenige Meter von der Bühne entfernt war, tat ihr übriges und sorgte fast permanent für klirrendes Geschirr und Orderwünsche.

Die Hoffnung, dass sich die Situation bei Jürgen Lebers „Asterix babbelt hessisch“ im wahrsten Sinne des Wortes „beruhigt“, erfüllte sich nicht. Die meisten Besucher babbelten lieber mit ihrem Nachbarn. Das war schon deshalb unverständlich, da Leber im ersten Teil seines Auftritts nicht vorlas, sondern mit kabarettistischen Zügen ziemlich viel Heiteres über die Hessen verbreitete. Dabei persiflierte er die hessische Seele von Goethe bis Fußballmimöschen Andreas Möller.

Asterix-Übersetzer Jürgen Leber bricht sein Programm ab

Die fast schmerzliche Quintessenz des Tages: In einem Festzelt lässt sich kein Programm umsetzen, bei dem anhaltende Aufmerksamkeit vonnöten ist. Das Desinteresse führte sogar dazu, dass Leber frustriert auf den zweiten Teil seines Auftritts verzichtete und abreiste.

Diesen Verlauf hatte Büchereileiterin Jasmin Frank aufgrund der organisatorischen Mühe im Vorfeld nicht verdient. Trost erhielt sie von vielen Seiten, darunter auch von Asterix-Übersetzer Jürgen Leber. Der will demnächst nochmal nach Münster für einen hessischen Abend kommen. Mit nur einem Thema auf dem Radar erhofft er sich dann Gäste, die ein wirkliches Interesse an seinen Ausführungen haben und die – wenn auch gegen den Trend der Zeit – mal länger als ein paar Minuten zuhören können. Trotzdem endete der Tag noch versöhnlich und begeisternd. Wegen des Wetters verlegte man die restlichen Stunden des Festzelt-Programms ins Storchenschulhaus. Alle noch anwesenden Besucher lauschten in warmer Umgebung den Rhythmen der TV Big-Band, die erneut eindrucksvoll ihr Können bewies.

Quelle: op-online.de

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