Männer im Traditionschor

Feuerwerk kreativer Chorideen

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Die 84 Sänger des Chorprojekts „Men around the world“ traten in signalfarbenen, scharlachroten Hemden auf.

Münster - Singende Männer im Traditionschor sind eine ausstrebende Spezies. Mit einigen Ausnahmen: Das MGV-Experiment „Men around the world“ untermauert seine Erfolgsstrategie mit einem fulminantem Finale. Von Ursula Friedrich

Sind singende Männer im Traditionschor eine aussterbende Spezies? Bundesweit legen Negativtrends diese Befürchtung nahe. Nicht so in Münster, wo einer der ältesten Vereine ganz neue Wege ging: „Men around the world“ ist Titel eines geglückten musikalischen Experiments des MGV 1845 Münster. Beim fulminanten Finale entfachten rund 90 Männer am Wochenende in der vollbesetzten Kulturhalle ein musikalisches Feuerwerk.

Die Spannung war greifbar. 562 Gäste harrten mucksmäuschenstill in Erwartungshaltung auf ihren Plätzen. Dann lüftete sich der Vorhang in der Kulturhalle und enthüllte die Protagonisten eines ungewöhnliches Experiments: die 84 Sänger des Chorprojekts „Men around the world“. In signalfarbenen, scharlachroten Hemden intonierte mit geballter Sangeskraft das Ensemble sogleich ein kraftvolles Werk, das einst die Top-Ten der Popszene beherrschte: Dschingis Khan. Unter Leitung von Gerd Zellmann wurde das Publikum mit auf eine erfrischende, musikalische Reise genommen.

Phil Collins, die Beach Boys und die Ärzte

Mit dem traditionellen Chorrepertoire hatte dieses Programm dann auch nichts gemein: Harry Belafonte und Phil Collins, Katja Ebstein und die Beach Boys, ja selbst die Ärzte, Simon & Garfunkel und die Toten Hosen lieferten mit ihren Erfolgsstücken die Grundlage für das facettenreiche Abendprogramm.

In vollbesetzter Kulturhalle brandete immer wieder Applaus auf.

In mehrfacher Hinsicht hatten die Gastgeber, der Männergesangverein Münster, der das Männerchorprojekt vor neun Monaten aus der Taufe hob, moderne Element in das Konzert einfließen lassen. Mit traditionellen Begrüßungsreden wurde ebenso gebrochen, wie mit Ansprachen von Vereinsvertretern oder offiziellen Gemeindevertretern. Stattdessen führte in Gestalt des HR-Moderators Heinz Günter Heygen ein Profi durch das Programm.
Auf einer Großleinwand lieferten Natur- und Tieraufnahmen zu den entsprechenden Liedern stimmungsvolle Eindrücke. Und im Foyer waren lokale Gastronomen mit ihren Leckereien für das leibliche Wohl der Gäste zuständig. Rund 1 000 Menschen genossen das rundum gelungene Kulturereignis, das am Sonntag fortgesetzt wurde. Die Premiere am Samstag Abend war bereits Wochen zuvor ausverkauft.

Kreative Projekte

Im Rampenlicht standen an zwei Tagen 32 Neulinge der Chorszene ebenso wie langjährige MGV-Sänger, die ihr Hobby teilweise seit einem halben Jahrhundert pflegen. Geeint wurde die Truppe von der Freude, in diesem Projekt etwas Neues auf die Beine zu stellen. In 37 Proben, darunter zwei ganztägige, wurden Talente gebündelt und Stimmen geschliffen.

„Mut, Kreativität und Innovationsfreude“, bescheinigte der Moderator dem Projekt, dessen Erfolg sich sicherlich aus neuen gesellschaftlichen Herausforderungen ableitet. Menschen, teilweise stark in den Beruf eingebunden, projektbezogen auf ein Ereignis zu konzentrieren, mag hier stärker gezogen haben, als das traditionelle Vereinswesen.

Und doch waren bewährte Komponenten ebenso Erfolgsgaranten. So das Mitwirken Gerd Zellmanns, seit fast 25 Jahren Leiter des MGV, der die unterschiedlichen Stimmen zu einem klangvollen Ensemble bündelte, langjährige Vereinsmitglieder, die sich für ein neues Projekt begeisterten. Und nicht zuletzt viele Ehrenamtliche die hinter den Kulissen zum Gelingen des Abends beitrugen.

Quelle: op-online.de

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