Bürgerinitiative Bebauung Dieburger Dreieck

Skepsis zu den Fiege-Bauplänen

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Volles Haus: 90 Frauen und Männer aus Dieburg, Münster und Altheim gründeten im Restaurant „Split“ am Montagabend die „Bürgerinitiative Bebauung Dieburger Dreieck“.

Dieburg/Münster -  Große Skepsis zu den Fiege-Bauplänen: 90 Frauen und Männer aus Dieburg, Altheim und Münster gründen die „Bürgerinitiative Bebauung Dieburger Dreieck“. Die Mitglieder machensich GEdanken über die geplante Bebauung. Von Jens Dörr

Im eigentlich geräumigen Nebensaal des Restaurant „Split“ reichten am Montagabend die Stühle nicht aus: „Das Haus ist voll“, freute sich kurz vor Beginn der Veranstaltung Anja Eikel.

Mit einigen Unterstützern zusammen hatte sich die Dieburgerin bereits seit mehreren Wochen Gedanken um die Bebauung des Dieburger Dreiecks gemacht. Dort will nach dem Beschluss der politischen Gremien Dieburgs das Logistikunternehmen Fiege ein Großlager mit 90.000 Quadratmetern Nutzfläche und auch sonst in gigantischem Ausmaß (18 Meter Gebäudehöhe, bis zu 500 LKW-Bewegungen am Tag, bis zu 500 Arbeitsplätze) bauen. Eikel und Co. hatten nach einiger Vorarbeit deshalb zur Gründungsversammlung einer „Bürgerinitiative Bebauung (BI) Dieburger Dreieck“ eingeladen.

Es geht um grundsätzliche Ablehnung

Mit der BI trafen sie offenbar einen Nerv: Rund 90 Frauen und Männer kamen am Montag, gründeten nach einer regen Diskussion die Initiative und wählten deren Spitze. Noch bemerkenswerter war derweil der Tenor zumindest eines wesentlichen Anteils der Anwesenden: Ihm geht es nicht um die erträgliche Gestaltung des Großprojekts für die Bevölkerung in Dieburg, Münster und Altheim, sondern um dessen grundsätzliche Ablehnung.

Wie eine Umfrage gleich zu Beginn des Abends ergab, waren unter den 90 Bürgern 24 aus Altheim, neun aus Münster und fast 60 aus Dieburg. Der Osten der Stadt Dieburg, der Süden Münsters und praktisch der gesamte Ortsteil Altheim sind qua geografischer Lage am stärksten von den Fiege-Plänen betroffen. Die liegen – fertig zur Umsetzung – nicht mehr in der Schublade, sondern schon auf dem Schreibtisch des Unternehmens.

Wirtschaftliche Bedeutung für die Bewohner

Dieburgs Bürgermeister Werner Thomas hatte in der Vorwoche noch einmal auf die stete Einstimmigkeit des Stadtparlaments bei den Ansiedlungsbeschlüssen hingewiesen und die aus seiner Sicht große wirtschaftliche Bedeutung für die Bewohner der Region, das örtliche Gewerbe und die Stadtkasse herausgestellt (wir berichteten). Außerdem betonte Thomas, man werde „besonnen“ mit den Themen Verkehrsführung und Umweltbelastung umgehen.

Vor allem die vielen zu erwartenden Lkw – bis zu 250 pro Tag, was bei einmaliger An- und Abfahrt 500 Bewegungen bedeutet – bereiteten den BI-Gründern Kopfzerbrechen. In dem 80-minütigen Austausch, der der eigentlichen Gründungsprozedur voranging, wurde im Besonderen eine generell ablehnende Haltung einiger deutlich. Die Versammlung machte kaum den Eindruck, sich mit der beschlossenen Sache bestmöglich arrangieren zu wollen. Vielmehr ging es einem Teil offenkundig ums Verhindern des kompletten Baus.

Es gehe auch um Lebensqualität

„Das gesamte Projekt gehört nicht zu uns“, sagte eine Altheimerin und erntete dafür einigen Applaus. Klaus Lischewski aus Münster sprach von seinem „Heimatgefühl, das mir wichtiger ist als der Moloch und die Einnahmen“. Es gehe auch um Lebensqualität. Ein Dieburger stellte die Frage, wie man das Logistikzentrum denn unabhängig vom B 26-Ausbau habe vorantreiben können. „Das Projekt passt nicht zu uns“, befand er, der bei einer Realisierung den Abschied von der „Stadt im Grünen“, wie sich Dieburg gerne nennt, eingeläutet sah. Der Altheimer Winfried Diehl, der in der Nähe des Sportzentrums wohnt, kündigte wegen der Lärmbelastung an: „Die Pläne sind eine bodenlose Frechheit. Wir werden auf die Barrikaden gehen.“

Verärgert waren viele Bürger auch darüber, dass Thomas positiv hervorgehoben hatte, Ansiedlungsgespräche seien recht geräuschlos verlaufen. Sie fühlten sich übergangen. Robert Mueller, SPD-Stadtverordneter und Gast, der wegen einer anderen Veranstaltung allerdings vorzeitig gehen musste und nicht zu den späteren BI-Gründern zählte, wies darauf hin, dass die Parlamentssitzungen öffentlich seien und die Möglichkeit bestanden habe, sich über die Fiege-Pläne zu informieren. Der zugehörige aktualisierte Flächennutzungsplan liegt derweil erst seit Montag dieser Woche im Rathaus aus. Die BI-Gründer monierten, die diskutierten Dimensionen des Lagers seien einst andere als jetzt gewesen.

Termin vor Ort

Der Dieburger Klaus Krämer, der im Semder Weg, vis-à-vis der Polizeistation und damit nahe des Dieburger Dreiecks wohnt, warnte am Montag nach einem recht emotional werdenden Austausch schließlich vor einer Verzettelung, rief zur Konzentration auf die BI-Gründung auf und sprach damit vorerst das inhaltliche Schlusswort zum Dreieck.

Am morgigen Donnerstag (15. August) trifft sich die Bürgerinitiative um 19.30 Uhr am „Haus Hubertus“, um sich vor Ort einen Eindruck vom Dieburger Dreieck zu verschaffen und die nächsten Aktivitäten zu besprechen. Am Samstag, 17. August, ab 10 Uhr ist die BI zudem mit einem Informationsstand auf dem Dieburger Marktplatz zu finden.

Quelle: op-online.de

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