Finanzierung „nicht genehmigungsfähig“

Neue Sportanlage eher Luftschloss

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Wo jetzt SVM-Vereinsheim und Bolzplätze sind, könnten auch 65 Häuser stehen.

Münster - Die Gemeinde plant seit geraumer Zeit, im Gebiet „An der Altheimer Straße“ ein über acht Hektar großes Wohn- und Gewerbegebiet auszuweisen und zu erschließen. Von Thomas Meier

Zeitgleich hat der Sportverein Münster mit Sitz seiner Sportstätten „Am Mäusberg“ Expansionsgelüste und trägt sich mit der Absicht, ein Kunstrasenfeld für seine Fußballer zu errichten. Und weil der Vorsitzende des SV-Münster auch finanzpolitischer Sprecher der Mehrheitsfraktion ist, andere Vereine auch Interesse am Kunstrasenprojekt bekundeten und die Oppositionsparteien wissen wollten, ob denn im Ortsinneren auf dem Sportgelände nicht auch eine urbane Entwicklung möglich wäre, trachteten die Gemeindevertreter, sich genauer zu informieren. 10. 000 Euro ließ sich die Kommune eine Machbarkeitsstudie zur Verlagerung des SV-Geländes vom Mäusberg und Errichtung eines neuen, rund vier Hektar großen Sportzentrums im geplanten Gewerbe- und Wohngebiet „Auf der Beune“ an der Altheimer Straße kosten. Sie wurde jetzt im Gemeindeparlament vorgestellt.

Projekt dürfte an Kosten scheitern

Thilo Mayer und Berit Ötinger von der mit der Studie beauftragten LBBW – Immobilien Kommunalentwicklung GmbH (Stuttgart), stellten sowohl die Möglichkeiten einer Nachnutzung auf dem Mäusberg vor als auch ein erstes Flächenlayout für eine komplette neue Sportanlage an der Beune. Das Fazit vorab: Auf dem Mäusberg 65 Grundstücke für Reihen, Ketten- und Einzelhäuser sowie einige Mietobjekte auszuweisen und die rund 2,5 Hektar Sportfläche schnell zu vermarkten, ist einfach. Und machbar wäre auch, ein neues Sportzentrum mit Vereinsheim, Rasen- und Kunstrasenplätzen, Beach-Soccer-Feld, Fußballhalle, Tribüne und 140 Pkw-Stellplätzen auf rund vier Hektar Grund an die Beune zu stellen. Doch dürfte der Bau solch sportlichen Wolkenkuckucksheims an den Kosten von geschätzten 14 Millionen Euro brutto scheitern.

Die Vermarktung der Wohnbauflächen auf einem von Sportplatz und seinen Gebäuden befreiten Mäusberg ist aus Marktsicht laut Studie innerhalb von vier bis sechs Jahren problemlos möglich. Bei einem angenommenen Quadratmeterpreis von etwa 280 Euro könnten – Puffer und Freiflächen vom Gesamtgrund abgezogen – aktuell etwa 2,5 Millionen Euro erlöst werden. Doch steht in der Studie: „Die Erlöse der Maßnahme werden zur Deckung der Finanzierungslücke bei der Errichtung der neuen Sportstätten keinen wesentlichen Beitrag leisten.“

Nicht nur monetäre Bedenken

Und beim Sportstättenbau sind es nicht nur die monetären Bedenken, die beachtet werden wollen. Hier ist laut Experten der Grunderwerb schwierig, da Kaufverhandlungen mit mehreren privaten Eigentümern zu führen seien. Bei einem Kostenaufwand von 14 Millionen Euro bestünde für die klamme Gemeinde ein hoher Finanzierungsbedarf. Und weil die neue Anlage stehen muss, bevor die alte am Mäusberg plattgemacht werden kann, gibt es immense Deckungslücken. Außerdem werden die Unterhaltungs- und Betriebskosten der neuen Anlage wesentlich höher sein. Fazit der Prüfer: Selbst bei Förderung durch Kreis, Land und Bund und mit den Erlösen des Mäusbergverkaufs stünden als rein freiwillige Leistungen im Gemeindehaushalt acht bis zehn Millionen an. „Kommunalaufsichtsrechtlich nicht genehmigungsfähig!“ heißt es im Bericht. Mit Ausrufezeichen!

Die Studienmacher bescheinigen Münster auch für die Zukunft aufstrebende Tendenz. Sowohl Bedarf an Wohn- als auch an Gewerbefläche bestünde für den Ort. Und weil im Flächennutzungsplan das Okay für die 8,2 Hektar Erweiterung an der Beune bereits festgeschrieben ist, lautet die Empfehlung: „Einleitung und Entwicklung der Altheimer Straße zum Wohn- und Gewerbegebiet gem. der aktuellen regionalplanerischen Vorgaben und Festlegungen.“ Die Neuausweisungspotenziale sollten genutzt werden zum Erhalt der mittelfristigen Konkurrenzfähigkeit der Gemeinde, rieten Meyer und Ötinger. Also: Das Gebiet „Auf der Beune“ direkt für Gewerbe und Wohnen umwandeln und längerfristig über eine Umwandlung des Mäusbergs in ein Wohnviertel nachdenken. Man müsste sich dann eben nach einem Alternativstandort für die Sportanlage umschauen.

Die vielseitige Studie wird jetzt im Bau-, Planungs- und Umweltausschuss beraten.

Quelle: op-online.de

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