Auf der Flucht vor Taliban

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Die 17-jährige Khaterra Taymuree, die die Schule auf der Aue besucht, berichtete aus ihrer Heimat Afghanistan.

Münster ‐ Wer als kleines Kind schon Angst und Terror erleben musste, der hat viel damit zu tun, die schrecklichen Geschehnisse zu verarbeiten. Aber wie kommt ein Mädchen, das solche Dinge hinter sich hat, in einem fremden Land zurecht? Von Jasmin Frank

Diese und andere Fragen wurden am Mittwochabend auf Einladung der SPD Münster gemeinsam mit interessierten Gästen erörtert. Die Veranstaltung war eine von 40 im Landkreis Darmstadt-Dieburg, die im Rahmen der Interkulturellen Woche angeboten wurde. Neben der Münsterin Hülya Lehr, die sich sehr mit dem Thema Integration beschäftigt, sprach vor allem die 17-jährige Khaterra Taymuree, die aus ihrem Leben erzählte.

Doch zuvor begrüßte Gerald Frank die Besucher und wies darauf hin, dass gerade vor Ort eine Absage an die soziale Ausgrenzung von Nichtdeutschen erteilt werden müsse. „Beide Seiten müssen sich öffnen“, so der Münsterer SPD-Parteivorsitzende.

Hülya Lehr von der interkulturellen Friedensgruppe Münster gab einen Überblick über die Geschichte Afghanistans von der Antike bis in die Gegenwart. Ihre Einführung bereitete den Vortrag von Taymuree über ihr Land gut vor.

Eines Tages kamen die Taliban

Die Schülerin berichtete über Lage, Klima, Bevölkerung, Religion, Politik und Wirtschaft und kam zu dem Schluss, dass es in ihrer Heimat sehr schwierig sei, einen wirtschaftlichen Aufschwung zu erzielen. Nach den allgemeinen Ausführungen entschied sich die junge Frau, auch aus ihrer ganz persönlichen Lebensgeschichte zu berichten. Sie zeigte Fotos aus glücklichen Tagen ihrer Kindheit, vor allem das Hochzeitsbild ihrer strahlenden Eltern.

„Meine Mutter hat dann viele Mädchen heimlich im Nähen unterrichtet, das war nicht erlaubt. Außerdem hat sie ihnen lesen und schreiben beigebracht, was natürlich auch verboten war. Eines Tages kamen die Taliban dann einfach in unser Haus und nahmen unsere Mutter mit“, erzählte das junge Mädchen.

Ihr Vater hatte es dann bewerkstelligt, seine Frau gegen ein Lösegeld freizukaufen, aber die Taliban machten ernst: Sie ließen Mariam Taymuree ziehen, behielten den Vater aber bei sich, der bis heute verschollen ist. Die Familie ergriff in der ausweglosen Lage die Flucht und kam mit Hilfe von Schleppern nach Deutschland, wo schon ein Onkel lebte. Bald wandten sie sich an die Behörden und konnten in Münster bleiben.

Quelle: op-online.de

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