Fluss darf wieder etwas mäandern

+
Reiner Werner freut sich als Münsterer, als Rathausmitarbeiter und Agenda-21-Mitstreiter über die Renaturierung der Gersprenz, die in Richtung Eppertshausen bald schon wieder in einer Schleife und nicht begradigt gen Stockstadt fließen soll.

Münster - Der kleine Fluss gehört zum Ort seit es ihn gibt, doch soll die Gersprenz jetzt auch wieder stärker ins Bewusstsein der Bürger gerückt werden. Von Thomas Meier

Einen engeren Bezug sollen die Menschen zum fließenden Gewässer bekommen, das im Zuge der kommunalen Entwicklung immer mehr in den Schatten gestellt wurde. Dafür macht sich seit langem schon Münsters Agenda 21 stark, dafür setzt sich Reiner Werner als Leiter im Rathaus für Inneres und Finanzen mit ganzer Kraft ein. Und dem Bestreben, der Gersprenz wieder mehr Geltung im eigenen kommunalen Ländle zu verschaffen, wird jetzt Rechnung getragen: Der Wasserverband Gersprenzgebiet griff die Ideen auf und entwickelte eine Planung für eine Renaturierung des Flusslaufes. Zwar „nur“ auf einer Länge von rund 200 Metern, doch verspricht das ins Auge gefasste Projekt von der Gersprenzbrücke an der Landesstraße 3095 in Richtung Gersprenzhalle einiges.

Und nicht nur das: Die Planung des Verbandes wurde zur Bezuschussung beim Land eingereicht, dort gaben die Verantwortlichen ihr Okay. Den Bewilligungsbescheid der Landeszuwendung über immerhin knapp 370.000 Euro überbringt Regierungspräsident Johannes Baron kommende Woche in Münsters Rathaus an Vertreter der Gemeinde und des Wasserverbandes. Der Verband steuert nochmals 92.000 Euro bei, so dass die Renaturierung mit 460.000 Euro zu Buche schlägt.

Erst jetzt kann losgelegt werden mit dem Projekt

Die Mühlen der Behörden mahlen vielleicht nicht ganz so schnell wie die der Müller einst am Laufe der Gersprenz, aber es tut sich was. So erging die Genehmigung für die Renaturierung der Gersprenz sowie die damit verbundene Herstellung einer „ökologischen Durchgängigkeit von zwei Sohleschwellen“ bereits Ende 2009. Doch erst jetzt steht das Geld bereit und es kann losgelegt werden mit dem Projekt, das vom Hessischen Umweltministerium immerhin in die „Priorität I.“ eingestuft worden ist.

„Wir stehen in den Startlöchern“, sagt Reiner Werner, selbst aktiver Mitstreiter der Agenda 21. Bereits in der kommenden Woche werden entlang des für die Renaturierung ins Auge gefassten Gebietes Probebohrungen unternommen. Der Untergrund eines Ackers, der auf Gemeindegrund liegt, soll auf seine Beschaffenheit hin untersucht werden. Über ihn führt die geplante Gersprenzschleife, die man anzulegen gedenkt.

In den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts begradigte der Reichsarbeitsdienst die Gersprenz, verlegte gar in weiten Teilen den Flussverlauf. „Zuvor mäanderte die Gersprenz munter durch den Ort“, weiß Werner. Dort, wo heute die Heinrich-Heine-Straße verläuft, schlängelte sich früher das Flussbett. Noch heute zeugen vereinzelt Befestigungsstämme im Erdreich vom ehemaligen Flussverlauf.

Um auch kleine Wehre in der Gersprenz flussaufwärts überwinden zu können, werden sogenannte „Fischtreppen“ fürs Gewässergetier errichtet.

Die begradigte Gersprenz am Ortsrand übersieht man leicht. Das Wasser plätschert, einst „tiefer gelegt“, geradezu unbemerkt am Ort vorbei. Nur eine Uferseite ist mit einem Fuß- und Radweg versehen, der überwiegend als Hundeklo dient. Ans Gersprenzwasser heran kommt nur, wer sich durch Dickicht kämpft. Oder eben am kleinen Wehr den schmalen Zugang durchs Gras findet. „Die Bürger sollen wieder fußläufig an die Gersprenz heran gelangen und die Fische über eine sogenannte Wanderhilfe leichter flussaufwärts gelangen“, verrät Werner von den Planungen. Denn was nützt die schönste Fischtreppe den Flosslern in Dieburg, wenn für sie auf ihrem Weg von Stockstadt gen Gersprenz-Quelle in Münster schon Schluss ist. Alle Organismen in Fließgewässern sind auf die Durchwanderbarkeit der Gewässer angewiesen. „Fischpässe“ werden so an Wanderhindernissen in Gewässern angeordnet, wie in Münsters Gersprenz beispielsweise am kleinen Wasserfall.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare