Mit Rücksicht Gassi gehen

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Bei frühlingshaftem Wetter draußen mit dem geliebten Vierbeiner herumtollen ist auch mit Leine möglich, wie dieses Bild beweist.

Münster - Der Frühling hält beharrlich Einzug in die Gemeinde. Und mit ihm erwachen auch Flora und Fauna zu neuem Leben. Auf den Feldern tummeln sich Junghasen, Vogeleltern kümmern sich um ihre Gelege und ab Mai starten Rehkitze ihre erste Erkundungstour durch den Wald. VonAlexander Kroh

Bereits im März hat hierzulande die Brut- und Setzzeit begonnen. Exakte Grenzen gibt es zwar nicht mehr für den Zeitraum, in dem Tiere brüten und ihre Jungen zur Welt bringen, aber grob erstreckt sich die Brut- und Setzzeit noch bis Ende Juli.

Grund genug für die Gemeinde, einen Appell an alle Hundehalter in Münster zu richten, denn frei umherlaufende Vierbeiner können, wenn auch teils völlig unbeabsichtigt, die Gelege oder die Aufzucht allerlei Getier in Feld und Wald erheblich stören. Es sei daher empfehlenswert, den Schützling außerhalb des eigenen Haus’ und Hofs nicht unbeaufsichtigt herumtollen zu lassen. In der städtischen Mitteilung heißt es weiter, die Hunde seien „so zu halten und zu führen, dass von ihnen keine Gefahr für Leben oder Gesundheit von Menschen oder Tieren ausgeht.“ Ebenso wird den Haltern angeraten, ihre Hunde anzuleinen.

Der Beutetrieb ist nun mal bei jedem Hund vorhanden

Der Appell stößt auf Zustimmung beim Forstamt Dieburg. Thomas Schmalenberg von der Forstamtsleitung: „Der Beutetrieb ist nun mal bei jedem Hund vorhanden.“ Und weil es der beste Freund des Menschen nicht besser wissen kann, muss der Mensch selbst in die Pflicht genommen werden.

Die meisten Hundehalter haben natürlich kein Interesse daran, dass ihr Gefährte anderen Schaden zufügt, viele wissen einfach nicht, dass andere Tiere durch den eigenen Vierbeiner in Gefahr geraten können. „Die Halter sollten derzeit einfach besonders sensibel mit dem Thema umgehen und vorsichtig sein“, sagt Schmalenberg. Denn bei den Bodenbrütern seien derzeit auch sehr seltene Arten dabei, etwa der Kiebitz oder der Wachtelkönig.

In Münster gibt es keine gesetzliche Anleinpflicht

Ein bisschen Rücksichtnahme der Hundehalter ist in der Tat nicht zu viel verlangt, andere Bundesländer gehen in der Brut- und Setzzeit deutlich rigoroser vor. In Bremen und Niedersachsen gilt in der Zeit vom 1. April bis 15. Juli grundsätzlich Leinenpflicht. In Hessen kann jede Kommune selbst entscheiden, ob sie eine Anleinpflicht verordnet. Tut sie das, muss die Kommune aber auch dafür Sorge tragen, dass die Hundebesitzer sich an die Pflicht halten.

„In Münster gibt es keine gesetzliche Anleinpflicht“, informiert Klaus Dony, Leiter der Abteilung für Öffentliche Ordnung und Bürgerservice. Man könne demnach nur Empfehlungen aussprechen und ans Gewissen der Hundehalter appellieren.

Gefährlich sind bestimmte Rassen wie Pitbull-Terrier

Sollte ein Vierbeiner im Sinne der Hundeverordnung des Landes Hessen dennoch auffällig geworden sein, droht zunächst ein Bußgeld. Weiterreichende Konsequenzen für Hund und Herrchen hätte eine Einstufung als gefährlicher Hund nach Paragraph II der Hundeverordnung. Gefährlich sind bestimmte Rassen wie Pitbull-Terrier, amerikanische Bulldoggen oder seit 2008 auch Rottweiler schon von Geburt an. Als gefährlich eingestuft werden kann ein Hund aber auch, wenn er Menschen oder andere Tiere ohne erkennbaren Grund (etwa zur Selbstverteidigung) angreift oder ein unkontrollierbares Verhalten aufweist. Das wiederum würde eine empfindliche Erhöhung der Hundesteuer nach sich ziehen. In Münster beträgt die erhöhte Abgabe pro Jahr 600 Euro.

Für Flora und Fauna, für Mitbürger und im schlimmsten aller Fälle auch für den eigenen Geldbeutel ist eine erhöhte Aufmerksamkeit und Sensibilität der Hundehalter während der Brut- und Setzzeit also durchaus förderlich - quasi eine Win-win-win-Situation.

Quelle: op-online.de

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