Fotoausstellung in Münster

Blicke voller Angst und Hoffnung

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Wie schlimm es Kindern und Frauen in armen Ländern geht, zeigt eine Fotoausstellung. Hülya Lehr hat die Eindrücke auf ihren Reisen in Fotografien festgehalten.

Münster - Ein Beduine mit sonnengegerbtem Gesicht starrt ausdruckslos ins Leere, ein Paar sitzt am Strand und sieht zu, wie die Wellen sich tosend brechen, ein buddhistischer Mönch steht vor den Toren seines Tempels. Von Corinna Hiss 

All das sind Menschen, denen Hülya Lehr auf ihren vielen Reisen begegnet ist. Die Münsterin zieht es nicht dorthin, wo viele Touristen sind, wo Luxus herrscht und ein Leben, das dem der westlichen Welt ähnelt. Die 48-Jährige gebürtige Türkin dringt in Welten ein, die zum Teil unvorstellbar sind. Sie hat Armut gesehen, Verzweiflung und Lebenswillen. All das hat sie in Fotografien festgehalten, die nun im Foyer des Rathauses zu sehen sind. „Obwohl diese Menschen von Sorgen geplagt sind, lieben sie ihre Heimat und wollen sie nicht verlassen. Das sollten wir beachten, wenn wir Flüchtlinge aufnehmen“, sagt die Hobbyfotografin.

Immer wieder ist sie auf ihren Reisen in Nepal, Sri Lanka, Indonesien, Syrien, Ägypten oder Jordanien entsetzt über die Lebensverhältnisse. So zeigt eines ihrer Bilder einen Jugendlichen, der am Flussufer sitzt und eine Zigarette raucht. Dieser Junge steht sinnbildlich für alle Jugendlichen in Nepal, die süchtig sind, sei es nach Zigaretten oder nach Kleber. „Immer wieder zieht es sie zurück auf die Straße“, erzählt sie bewegt.

„Die Universalsprache“

„Die Universalsprache“ nennt sie ihre Sammlung an Fotografien. Obwohl es verschiedene Sprachen auf der Welt gibt, sei eine überall gleich: die der Herzen. „Ich sehe in den Blicken der Menschen, was sie bewegt und das will ich weitergeben“, sagt die Künstlerin. Weitergeben will sie auch die schlimmen Verhältnisse der Frauen in Dritte-Welt-Ländern. Auf einem Bild sind welche zu sehen, die schwere Steine schleppen. „Diese Frauen tragen täglich bis zu 50 Kilogramm auf ihren Schultern. Und daheim dürfen sie erst zu essen anfangen, wenn der Mann fertig ist“, entrüstet sich Lehr über diese Ungerechtigkeit.

Verkehrte Welt herrscht auch bei den Kindern, die arbeiten, um ihre Eltern zu versorgen. Lehr hat einen Jungen fotografiert, der am Straßenrand die Schuhe der Reichen putzt. Es sind einfache Menschen, die auf den Fotos im Rathausfoyer zu sehen sind. Bauern, Fischer, Handwerker – sie alle leisten jeden Tag körperliche Arbeit ohne motorisierte Hilfe. Sie lieben ihr Land, sind aber oft gezwungen, es zu verlassen. „Ein Junge hat mich besonders berührt“, erzählt Lehr. Zu sehen ist auf dem Foto ein syrischer Junge, der vor dem Straßenkiosk seines Vaters steht. Mit ängstlichen Augen blickt er in die Kamera, er weiß, dass seine Zukunft in seinem Heimatland ungewiss ist.

Über all diese Missstände will Hülya Lehr aufklären. „Jeder kann etwas tun“ ist ihre Devise. Sie selbst verbreitet ihre Fotos und hat auch praktische Hilfe geleistet. Aus eigener Tasche finanzierte sie die Restaurierung einer maroden Brücke auf Sri Lanka, damit 150 Kinder wieder der einzige Weg zur Schule ermöglicht wird.

Quelle: op-online.de

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