Laienspielgruppe Spectaculum

Wo „frau“ Mann und Leich’ mimt

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Mit einer Krimi-Komödie wartet in diesem Jahr die Theatergruppe Spectaculum auf. Wer länger leben will sollte im Stück vom Whisky-Schwenker Abstand nehmen.

Münster - Die rein weiblichen Laienspielgruppe Spectaculum überzeugt bei ihrer 15. Aufführung mit Christine Steinwassers spannendem Krimi „Meine Leiche, Deine Leiche“. Von Michael Just

Auf manche Rollen müssen Schauspieler etwas länger warten: „Das ist das erste Mal, dass ich eine Leiche spiele“, sagt Inge Fiedler und setzt dabei einen Blick auf, der zwischen heiter und mulmig rangiert. 18 Jahre hat die Mitbegründerin der Laienschauspielgruppe Spectaculum viele Rollen inne gehabt, eine Leiche war bisher noch nie dabei.

Das ist in diesem Jahr anders: Im neuen Stück „Meine Leiche, Deine Leiche“ von Christine Steinwasser spielt sie den Industriellen Albrecht Greifenbrecht, einen ausgewiesenen Fiesling, der alle Menschen spüren lässt, dass er Macht und Geld hat. So ist es nicht verwunderlich, dass der Despot im Lauf der Handlung „ins Gras beißen“ muss.

In der Krimi-Komödie versuchen sich sowohl Ehefrau, Tochter, Buchhalter oder Kompagnon daran, den Unhold um die Ecke zu bringen. Mit dem Vergiften seines Whiskys nutzen zahlreiche Personen fast gleichzeitig die sich bietende Möglichkeit. Nur zwei sind wirklich unschuldig - und ausgerechnet auf die fällt der Verdacht. So hat es Kommissarin Ingebirg Irre (gespielt von Gaby Peußer) nicht leicht, die Wahrheit ans Licht zu bringen.

18 Jahre gibt es Spectaculum mittlerweile, im November bringt die Gruppe ihr 15. Stück zur Aufführung. Die Riege besteht durchweg aus Schauspielerinnen, denn Männer sucht man in der Gruppe vergeblich. Das wird sich wohl auch nicht ändern, denn die Miminnen aus Münster, Dieburg und Groß-Zimmern kommen bei ihrem Hobby ganz gut ohne das starke Geschlecht aus. Der Spass und der Erfolg gibt ihnen recht, dass sich das auch in absehbarer Zukunft nicht ändern muss.

Doch haben die Frauen kein Problem damit, die anfallenden Männerrollen selbst zu besetzen. Inge Fiedler gehört mit ihren kurzen Haaren zu denen, die regelmäßig auf der Bühne das Geschlecht wechseln und sich dabei einen Schnurrbart aufmalen oder eine Krawatte umbinden. Bei Brigitte Wagner verhält es sich noch extremer: Seit Bestehen von Spectaculum hat sie nur Männerrollen gespielt. In diesem Jahr steht für sie eine Premiere an, denn dann füllt sie zum ersten Mal eine weibliche Rolle aus. Das ist einer Änderung im Drehbuch zu verdanken, als sich die Gruppe dazu entschieden hat, den bayrischen Hausmeister in eine italienische Putzfrau zu verwandeln.

Wie die Proben verraten, fühlt sich Wagner mit Wisch-mopp und Stirntuch sichtlich wohl in ihrer Bestimmung. Birgit Wagner gehört mit Inge Fiedler, Jasmin Weber und Christiane Otten zu den vier Frauen, die seit der ersten Stunde dabei sind. Vor 18 Jahren erwuchs Spectaculum aus den Sommerfesten des evangelischen Kindergartens, als die aufgeführten Sketche die Beteiligten zu mehr animierten.

In diesem Jahr gewann die Gruppe zwei neue Schauspielerinnen dazu: Zum einen Renate Fröhlich, zum anderen Maria Kinast. Renate Fröhlich ist nicht ganz neu: die Rentnerin füllte in der Vergangeheit bereits den Part als Souffleuse aus. Maria Kinast wurde gefragt, ob sie nicht mal auf den Brettern stehen will, die angeblich die Welt bedeuten. Die 32-Jährige sagte ja und bereichert seitdem das Team, dessen Altersspanne sich zwischen 32 und 72 Jahren bewegt. Zu Beginn des Jahres wurde das Stück ausgesucht und die Rollen verteilt. Im Sommer begannen die Proben. Die finden einmal die Woche jeweils am Mittwochabend im evangelischen Kindergarten in Münster statt. Geht es auf die beiden Aufführungen zu, wird zusätzlich am Wochenende und an weiteren Tagen geübt.

Seit Jahren ist es die Fangemeinde von Spectaculum gewohnt, dass die Gruppe jährlich ein neues Stück aus dem Hut zaubert. Andere Laientheater agieren oft nur alle zwei Jahre. Das käme für Spectaculum nicht in die Tüte: „Das ist ein Rhythmus, an den wir uns gewöhnt haben. Da würde etwas fehlen, wenn wir nicht in der zweiten Jahreshälfte unsere Rollen lernen müssen“, sagt Anneliese Kreher.

Derzeit sind die zehn Schauspielerinnen von Spectaculum passioniert bei der Sache, ihre Charaktere möglicht authentisch auszufüllen. Und auch nach 18 Jahren werden immer noch überraschende Erfahrungen gemacht. Die können auch im Zusammenhang mit einer Leiche stehen: „Ich versuche mich leicht und locker zu machen, dass mich meine Kolleginnen leichter wegtragen können. Trotzdem haben wir festgestellt, dass es außerordentlich schwierig ist, eine Leiche zu transportieren und wegzuschaffen“, sagt Inge Fiedler und kommt damit auf eine Erkenntnis, die eine Krimi-Komödie schon mal mit sich bringen kann.

„Meine Leiche, Deine Leiche“ wird am Freitag (8.) und Samstag (9.) November in der Kulturhalle Münster aufgeführt. Karten kosten an der Abendkasse acht, im Vorverkauf sieben Euro. Vorverkaufsstellen sind die Metzgerei Löbig und Schreibwaren Haus in Münster, dazu die Geschäftsstelle des Dieburger Anzeigers, Mühlgasse 3, in Dieburg, sowie die Bücherinsel auf dem Marktplatz in Dieburg.

Quelle: op-online.de

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