Zusammenarbeit Freiwillige Feuerwehren

„Problem wird nicht Technik sein“

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Im Interview mit der Feuerwehr Münster: Vereinsvorsitzender Josef Haus und Gemeindebrandinspektor Florian Kisling über personelle Herausforderungen, die Zusammenarbeit mit Eppertshausen und eine Fledermaus im Seniorenheim. Führungskräfte der Freiwilligen Feuerwehr Münster: Florian Kisling (links) und Josef Haus.

Münster - Seit 142 Jahren sorgt die Freiwillige Feuerwehr (FF) Münster für Hilfe und Sicherheit im Ortskern, in Breitefeld, Altheim und nicht selten auch über die Grenzen der Gemeinde hinaus.

Ein immer anspruchsvolleres, gleichwohl weiter reizvolles Ehrenamt, wie in Josef Haus (58) der Vorsitzende des Feuerwehr-Vereins und in Gemeindebrandinspektor Florian Kisling (42) der Leiter der Einsatzabteilung erläutern. Im Interview mit unserem Mitarbeiter Jens Dörr sprachen sie über personelle Herausforderungen, die Zusammenarbeit mit Eppertshausen - und eine Fledermaus im Seniorenheim.

Herr Haus, Herr Kisling, Münster hat derzeit etwa 14.000 Einwohner. Wie viele davon unterstützen derzeit aktiv oder als Förderer die wichtigen Aufgaben der Freiwilligen Feuerwehr?

Josef Haus: Derzeit hat der Verein 705 Mitglieder - so viele wie noch nie seit seiner Gründung 1872. Die Zahl schließt die 21 Mitglieder der Ehren- und Altersabteilung sowie die 60 in der Einsatzabteilung ein.

Florian Kisling: Mit der Einwohnerzahl Münsters ist erfreulicherweise auch die Zahl der Leute in der Einsatzabteilung gestiegen. In unserer Jugendfeuerwehr, der männliche und weibliche Mitglieder zwischen zehn und 17 Jahren angehören, sind es derzeit 20 Jugendliche. Hier waren es früher mal bis zu 40. Heute gibt es für Kinder und Jugendliche allerdings wesentlich mehr Möglichkeiten, die Freizeit zu verbringen, als noch vor ein paar Jahrzehnten. Überdies gibt es bei uns die Kindergruppe „Feuerzwerge“. Diese nimmt Kinder von sechs bis zehn Jahren auf - es sind zur Zeit 16 Kinder. Die Gruppe ist die logische Reaktion auf die sinkende Zahl der Jugendlichen in der Jugendfeuerwehr. Wir müssen die Kinder früher an die FF binden, mit zehn haben die meisten schon andere Vereinsaktivitäten

Wie viele Einsätze der FF Münster stehen dem jährlich gegenüber - und worum handelt es sich dabei in erster Linie?

Kisling: Im vergangenen Jahr hatten wir 148 Einsätze - aktuell sind es im laufenden Jahr schon 90. So viele wie von Januar bis August 2014 hatten wir vor zehn Jahren noch über zwölf Monate hinweg. Die Zahl der Einsätze hat in Münster mit der wachsenden Bevölkerung Schritt gehalten, sich stetig erhöht. Am häufigsten geht es um technische Hilfestellungen - sie machen zwei Drittel unserer Einsätze aus. Dazu zählen nicht nur Unfälle, sondern auch die Katze im Baum und das Auspumpen von Kellern. Neulich hat uns das Seniorendienstleistungszentrum gerufen, weil sich dort eine Fledermaus verirrt hatte. (schmunzelt)

Haus: Die steigende Zahl an Einsätzen hat viel mit dem technischen Fortschritt zu tun. Früher wurde bei so manchem Unfall das Opfer aus dem Auto gezerrt und mit dem Notarzt direkt ins Krankenhaus geschickt. Mittlerweile ist die Erstversorgung vor Ort besser und beispielsweise zum Befreien wird die Feuerwehr hinzugerufen. Außerdem enden durch bessere Sicherheitstechnik immer weniger Unfälle tödlich.

Das fordert sicher auch die Münsterer Wehr zusätzlich heraus ...

Kisling: Ja, es ist sehr wichtig, dass sich die Feuerwehr-Technik kontinuierlich weiterentwickelt, um ihren zunehmenden Aufgaben gerecht zu werden.

Wer finanziert das?

Haus: Die Gemeinde finanziert den Standard, etwa die Fahrzeuge. Wir haben derzeit ein Dutzend, sie laufen in der Regel 25 Jahre. Entsprechend benötigen wir etwa alle zwei Jahre ein neues Fahrzeug. Für unsere Zusatzwünsche, etwa in der EDV und Schulungen, die wir in Münster alle selbst durchführen, verwenden wir die Einnahmen des Fördervereins.

Manch einer denkt, mit Festen und der Geselligkeit ließen sich ebenfalls Unsummen einnehmen ...

Haus: Das war vielleicht mal. Man muss herausstellen, dass unsere Feste und Aktivitäten nicht in erster Linie dazu da sind, das große Geld zu machen, was auch kaum mehr möglich ist. Wichtiger ist, dass sich unsere Mitglieder - auch jene außerhalb der Einsatzabteilung - auf diese Weise ins Vereinsleben integrieren können, Freude an der Gemeinschaft finden.

Kisling: Generell können wir sagen, dass wir mit unserer finanziellen Situation zufrieden sind. Das Problem der Wehren wird in Zukunft auch nicht die Technik sein. Trotz der hohen Personenzahlen bei der FF Münster, die im Landkreis mit an der Spitze liegen, gibt es immer weniger Leute, die bereit sind, neben ihrem normalen Job nachts für die Einsätze aufzustehen. Mit dem Feuerwehrverein und seinen Aktivitäten halten wir die Motivation hoch.

Äußern Sie abschließend bitte noch ein paar Gedanken zur Zusammenarbeit der regionalen Wehren.

Kisling: Die interkommunale Zusammenarbeit funktioniert. Tagsüber fahren wir als FF Münster zum Beispiel nach Eppertshausen, weil dort die Einsätze sonst nicht immer gewährleistet wären. Das letzte Mal, dass wir selbst Hilfe anderer Wehren gebraucht haben, war am 21. Dezember 2013 beim Brand in der Ketteler Straße.

Kreisfeuerwehrtag in Münster (2012)

Kreisfeuerwehrtag in Münster

Quelle: op-online.de

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