Neues Belüftungssystem soll Fische retten

Der See kann wieder atmen

+
Mitarbeiter der Firma Drausy bringen die Schläuche im Teich des Freizeitzentrums aus.

Münster - Das idyllisch gelegene Gewässer am Rande des Freizeitzentrums nahe der Munastraße hat dank eines neuen Belüftungssystems namens „Drausy“ wieder genug Sauerstoff im Wasser.

Der See am Freizeitzentrum drohte, aus dem ökologischen Gleichgewicht zu geraten: Sauerstoffmangel und eine extreme Verschlammung gefährdeten das Gewässer und die darin lebenden Fische. Die Rettung heißt „Drausy“.

„Drausy“ wohnt jetzt im See am Münsterer Freizeitzentrum. In diesem Zusammenhang könnte man mutmaßen, dass es sich um ein mit dem Ungeheuer von Loch Ness verwandtes Ungetüm handelt. Aber „Drausy“ ist in Wirklichkeit etwas ganz und gar Unmystisches: Das Kürzel steht für „druckausgleichendes Schlauchsystem“. Der See am Freizeitzentrum darf sich über den neuen patentierten Dauergast freuen, dessen innovative und zugleich günstige Technologie das Ökosystem des Sees nachhaltig sanieren soll.

Im Laufe der Jahre ist der künstliche See allmählich „verlandet“. Tierexkremente, Laub, aber auch Brotstückchen von der Entenfütterungen haben dazu geführt, dass sich am Boden des Sees eine 80 Zentimeter dicke Schlammschicht gebildet hat. „Der Teich, der ausschließlich durch Regenwasser sowie etwas Grundwasser gespeist wird und außerdem keine Zu- und Abflüsse aufweist, drohte, aus dem ökologischen Gleichgewicht zu geraten und umzukippen“, informiert Bürgermeister Gerald Frank.

Durch die stetig sinkende Sauerstoffkonzentration reicherten sich immer mehr Nährstoffe an, die den Algenwuchs begünstigten, jedoch den dort hauptsächlich lebenden Fischarten Karpfen und Rotauge den Sauerstoff zum Atmen nahmen. An warmen Sommertagen lagen üble Fäulnisgerüche in der Luft. Bei den ersten Sanierungstreffen mit Angelverein und Naturschutzbund befürchtete man Kosten in siebenstelliger Höhe. Einfach Wasser ablassen, Schlamm ausbaggern und abtransportieren – damit wäre es nicht getan gewesen. Denn der in solchen Gewässern abgelagerte Schlamm gilt als kontaminiert und ist Sondermüll und somit Sache einer besonderen Entsorgung.

Der Einsatz zweier Belüftungsanlagen, deren Kreisellüfter viel Strom verbrauchten, konnte das Voranschreiten der Eutrophierung nicht stoppen. Mit der Frage, wie der See zu sanieren und weiterhin wirtschaftlich zu unterhalten sei, beauftragte die Gemeinde das Ingenieurbüro WMEC aus Bad König.

Unter den vier Lösungsvorschlägen war das Drausy-Verfahren das erfolgversprechendste und zugleich kostengünstige System. Mitarbeiter des an der südlichen Weinstraße gelegenen Unternehmens Drausy brachten jetzt acht Stränge mit jeweils 50 Meter Länge des Spezialschlauchs in den Teich ein. In Verbindung mit vier Kompressoren mit einer Gesamtleistung von 400 Watt wird eine feinblasige und gleichmäßige Belüftung über den gesamten Gewässergrund gewährleistet. Die direkte Sauerstoffzufuhr ermöglicht den aeroben Abbau des Schlamms, dessen Menge langfristig um rund 80 Prozent reduziert werden soll. „Nach einem Jahr werden wir die Seetiefe messen, um den Umfang der Schlammreduktion beurteilen zu können“, verrät Babak Rafiei, Mitarbeiter der Bauabteilung.

Danach sollen die Schläuche umgesetzt werden, um eine gleichmäßigere Sauerstoffversorgung zu gewährleisten. Ein weiterer Vorteil des Systems ist, dass der Sauerstoffgehalt des Gewässers individuell eingestellt werden kann. Nach dem maximalen Abbau des Schlamms wird eine regelmäßige minimale Belüftung das ökologische Gleichgewicht langfristig unterstützen. „Erfolgreich zum Einsatz kommt das Verfahren in unserer Region in einem See in Neu-Isenburg“, weiß Rafiei. „Mit dem Einbringen der Schläuche erhalten wir das Freizeitzentrum langfristig als wichtigen Naherholungsort für alle Münsterer und sparen darüber hinaus jährlich Stromkosten ein“, freut sich Gerald Frank. (tm)

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare