Friedhof in Altheim

Brückentag und Grabesruhe

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Dieses Grab stand in Altheim für eine Beisetzung über sechs Tage offen. Da darin bereits eine andere Person beerdigt ist, rief dies zum Teil deutliches Missfallen bei Friedhofsbesuchern als auch bei Pfarrer Ulrich Möbus hervor.

Altheim - Friedhofsbesucher in Altheim kritisieren lange Offenlegung letzter Ruhestätte. Von Michael Just 

Brückentage sind bei Arbeitnehmern gerne gesehen. Wer Feiertage mit Urlaubstagen geschickt kombiniert, kann auf diese Weise mehr Freizeit an einem Stück genießen. Auf dem Altheimer Friedhof rief dieser vermeintliche Umstand nun jedoch Kopfschütteln hervor. Für eine Beerdigung an diesem Montag wurde das Grab schon am Mittwoch vergangener Woche ausgehoben, da am Freitag nach dem 1. Mai kein Bauhofmitarbeiter verfügbar war. Besonders bedenklich: Das Grab dient bereits als Ruhestätte.

Ein Teil der Friedhofsbesucher, die hier vorbeiliefen, quittierten den Anblick mit Kopfschütteln. Vereinzelt wurden sogar deutliche Worte gefunden, die bis zur „Störung der Totenruhe“ reichten. Andere Passanten nahmen diese Tatsache eher unbeteiligt zur Kenntnis, dass der Bauhof hier „vorgearbeitet“ hat.

Auch wenn der sich in dem Grab bereits befindliche Sarg nicht zu sehen war: Für Pfarrer Ulrich Möbus, der am Montag die Beerdigung auf dem Altheimer Friedhof vornahm, ist die Offenlegung eines bereits genutzten Grab über diesen langen Zeitraum nicht akzeptabel. Im Gegenteil: Er findet es regelrecht pietätlos. „Von Mittwoch bis Montag sind es sechs Tage“, rechnet er vor. Der Norm entspreche es, wenn ein Tag vorher ausgehoben werde. Laut Möbus könne man geteilter Meinung sein, wenn es sich um ein frisches Grab handelt - und selbst dann wäre dieser Umstand „nicht allzu schön.“

Bestattung auf Britisch

Bestattung auf Britisch

In dem besagten Grab wurde bereits vor rund zehn Jahren die Ehefrau des nun Verstorbenen beigesetzt. Für die Erweiterung war eine stufenförmige Anordnung der Särge vorgesehen. Hingewiesen auf die viel zu frühe Offenlegung des Grabes wurde der Pfarrer von den Angehörigen, die sich auch damit abfinden mussten, Pflanzen und Grabschmuck relativ schnell abzuräumen, um damit die Aushubarbeiten vor dem Feiertag zu gewährleisten.

Eine Nachfrage von Pfarrer Ulrich Möbus auf dem Friedhofsamt der Gemeinde ergab, dass man die Arbeiten „betriebsbedingt“ schon am Mittwoch erledigen musste - auch wenn die Verwaltung am Freitag ganz „normal“ geöffnet hatte.

Für den Pfarrer stellt sich nun die Frage, ob „betriebsbedingt“ vor Pietät geht. „Es gibt doch auf dem Bauhof sicherlich nicht nur einen Mitarbeiter, der eine solche Arbeit machen kann“, sagt er. Hier müsse und sollte man in der Lage sein, aus Respekt vor der Totenruhe eine andere, verträglichere Lösungen zu finden.

Quelle: op-online.de

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