Grabanlage für Urnengemeinschaft dient anonymen Beisetzungen

Friedhofsamt geht neue Wege

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Bereits kurz nach der Fertigstellung machten sich Tatjana Maier von der Friedhofsverwaltung und Bürgermeister Gerald Frank (rechts) ein Bild vom neu angelegten Weg.

Münster - Auf dem Friedhof in Münster hat sich in den vergangenen Monaten viel getan: Ein neuer, befestigter Weg bietet jetzt sicheren Halt auch für Menschen mit Geheinschränkungen. Mit einer neuen Urnengemeinschaftsgrabanlage reagiert die Gemeinde zudem auf die gestiegene Nachfrage nach anonymen Urnenbeisetzungen.

Dort, wo ein unbefestigter, naturbelassener Pfad durch wucherndes Wurzelwerk vor einiger Zeit noch so manche Stolperfalle auf dem Münsterer Friedhof bot, zieht sich jetzt ein 230 Meter langer und etwa zwei Meter breiter, neu gepflasterter Weg vom hinteren Friedhofseingang Am Mäusberg bis zum Hauptweg. „Die Umsetzung dieser dringend notwendigen Baumaßnahme war mir sehr wichtig“, erklärt Bürgermeister Gerald Frank.

Der Weg ermöglicht es jetzt auch Menschen mit Geheinschränkungen, Rollatoren, Rollstühlen oder Kinderwagen, einfacher und sicherer zu den Grabstätten ihrer Angehörigen zu kommen. Vorher war das vor allem bei schlechten Witterungsbedingungen oft schwierig. „Von der Bevölkerung – gerade von Älteren – haben wir für den neuen Weg schon viel positives Feedback bekommen“, freut sich Tatjana Maier von der Friedhofsverwaltung der Gemeinde.

In einer zweiten wesentlichen Neuerung spiegelt sich ein Wandel in der Bestattungskultur wider, der derzeit überall zu beobachten ist: Die Nachfrage nach Urnenbeisetzungen, auch nach anonymen Urnengräbern, steigt. „Wir müssen als Gemeinde diesem Wunsch nachkommen“, betont Maier. Die neue Urnengemeinschaftsgrabanlage – hinter dem Haupteingang links und dann zwei Stufen abwärts – bietet die Möglichkeit einer anonymen, aber dennoch würdevollen Beisetzung, die den Angehörigen einen festen Ort zum Trauern bietet. „Das ist eine gute Alternative zur anonymen Bestattung im Friedwald. Ein Friedwald liegt oft weit außerhalb, unser Friedhof aber mitten im Ort“, sagt Maier.

Diese Bestattungsart hat sogar noch eine weitere Besonderheit: „Es handelt sich dabei um das einzige ewige Grab in Münster“, weiß Maier. Da es hier keine Ruhefristen gibt und kein Grab erworben werden muss, bleibe dieser Ort über Generationen hinweg die allerletzte Ruhestätte. Bestattet werden dürften ausschließlich biologisch abbaubare Urnen.

Eine besondere Würde erhält das neue Urnengemeinschaftsgrab auch durch einen historischen Grabstein, der im Denkmalschutzbuch des Landkreises Darmstadt-Dieburg aufgeführt ist. Enkel in dritter Generation hatten den Wunsch, das Grab in Münster aufzulösen. Der historische Grabstein jedoch durfte den Friedhof nach der Räumung nicht mehr verlassen.

Gemeinsam mit den Angehörigen einigte sich die Friedhofsverwaltung darauf, den Stein professionell nach den Denkmalvorschriften aufarbeiten zu lassen. Mit der Inschrift „Ein ewig‘ Rätsel ist das Leben, und ein Geheimnis ist der Tod“ (ein Zitat des Lyrikers Emanuel August Geibel) ist der Stein nun ein symbolisches Grabmal für alle Menschen, die dort ihre letzte Ruhe finden. Die Grabstätte wird in diesen Tagen noch begrünt und künftig um zwei Bänke ergänzt. Für Bestattungen freigegeben ist das Grabfeld bereits jetzt. (tm)

Quelle: op-online.de

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