Frisch vom Altheimer Fitnessrind

+
Familie Müller verkauft aus dem Wagen alles, was des Altheimers „Fleischeslust“ befriedigt. Vielleicht wächst sich dies Unternehmen gar zum Hoflädchen aus.

Altheim - Einen kleinen Dorfladen hat Münsters kleiner Ortsteil schon länger, doch so ein Metzger fehlt doch noch manchem Bewohner arg. Zumindest mit einer Tages-Fleischerei wartet jetzt ein findiger Caterer an zwei Tagen in der Woche auf. Von Ellen Jöckel

Vielleicht wird bald schon mehr daraus. Reges Treiben herrscht am sonnigen Samstagvormittag vor dem Verkaufswagen der Familie Müller im Altheimer Neubauviertel. Kinder spielen auf der Straße „Im Leithersheim“ Fußball, während die ältere Generation sich mit Grillfleisch und Wurst für das Wochenende eindeckt. Dabei werden Schwätzchen gehalten und auf dem gemütlichen Bänkchen davor in der Sonne mal alle Fünfe gerade sein gelassen. So entspannend kann Einkaufen sein.

Seit Kurzem verkauft Metzger Holger Müller alles, was die „Fleischeslust“ befriedigt: Vom Schinken über diverse Wurstsorten, eingelegtem Grillfleisch bis hin zu fertigen Gerichten wie Saftgulasch oder Hackbraten in Zwiebelsoße. Tatkräftig unterstützt wird er dabei von seiner Familie: Gattin Dunja und seinen drei Söhnen Luis (12), Bastian (9) und Nils (6). Aber auch Antipasti, Honig aus Kleestadt, Altheimer Nudeln, Salatsauce aus Großost-heim und Babenhäuser Essig-Gurken sind im Angebot.

Kälber laufen mit den Mutterkühen frei auf der Weide

Holger Müller achtet sehr darauf, dass seine Produkte aus der Region, bestenfalls sogar aus dem eigenen Ort stammen. So genießen die Rindviecher, deren Fleisch er bezieht, das saftige Grün der Altheimer Wiesen: „Der Bauer betreibt eine Ammenhaltung. Das heißt, die Kälber laufen mit den Mutterkühen frei auf der Weide herum und trinken, wenn sie es möchten, bei der Mutter. Sie sind nicht, wie normalerweise, in einem Stall eingesperrt und werden getrennt von der Mutter mit Milch versorgt“, erklärt der Metzger.

Bei den Altheimer Rindern handele es sich um die Rasse „Blond d‘Aquitaine“, die hierzulande eher selten zu finden sei und besonders mageres und zugleich zartes Fleisch hervorbringe. „Wenn man die Tiere anschaut, meint man, die wären im Fitnessstudio gewesen“, scherzt Müller.

Und auch das Schweinefleisch stammt aus nächster Nähe: aus dem Nachbardorf Richen. Damit das Grillfleisch die richtige Würze bekommt, legt es der Altheimer Fleischer zwei bis drei Tage zuvor ein. Alle Köstlichkeiten bereitet Müller in seiner Küche zu, die sich direkt neben dem Kühlhaus hinter seinem Wohnhaus befindet. Denn nicht nur beim Einkauf des Fleisches ist der Metzger für kurze Wege.

Catering-Service

Das ist auch der ausschlaggebende Grund dafür gewesen, den Verkaufswagen zu einem feststehenden Hoflädchen mit festen Öffnungszeiten umzufunktionieren. Freitags zwischen 15 und 18 Uhr sowie samstags von 8 bis 13 Uhr können die Waren erstanden oder Aufträge für fertige Speisen vergeben werden.

Müller betreibt bereits seit sieben Jahren einen Catering-Service. Arbeit und Wohnstätte an einem Fleck zu haben sei Segen, aber zugleich auch Fluch, meint Ehefrau Dunja: „Es kam schon öfter mal vor, dass Leute auch in unserer freien Zeit Bedarf an Fleisch oder Wurst anmeldeten. Das war generell kein Problem. Aber mit den festen Öffnungszeiten des Hoflädchens hoffen wir, dies ein wenig eindämmen zu können,“ ist sie überzeugt.

Über Mangel an Anfragen für Catering könne sich das Paar derzeit nicht beklagen. Ziel sei es daher, sich in die komplette Selbstständigkeit zu begeben, meint der Altheimer, der seit 20 Jahren in einer Metzgerei in Langstadt angestellt sei. Aber ohne Fleiß kein Preis: Seinen Bekanntheitsgrad hat Müller durch seinen unermüdlichen Einsatz bei Veranstaltungen der Altheimer Schule und Kindergarten gesteigert. Hier verkauft er ehrenamtlich Bratwürste, Fleischkäse und Gulaschsuppe zum Einkaufspreis.

Schon durch seine Familie bekannt

„Viele Leute haben mir erzählt, sie kämen zum Kindersachenbasar nur wegen der Bratwürstchen“, erzählt seine Frau schmunzelnd. Die Geräte und das Geschirr hierfür stellt Müller kostenfrei zur Verfügung. „Da kommen mindestens drei Stunden Vor- und Nacharbeit mit Geräte säubern und so weiter noch dazu“, betont er. Leider würden die meisten Festbesucher das gar nicht wissen. „Die meinen, ich mache damit einen Reibach.“ Dabei wolle er mit diesem Einsatz die Einrichtungen, die seine Kinder besuchten, unterstützen.

Bei den alteingesessenen Altheimern ist Müller schon durch seine Familie bekannt. Sein Opa ist Schuster in der Ringstraße gewesen. Die Leidenschaft für das Kochen ist Holger Müller zwar nicht in die Wiege gelegt worden, dennoch habe er schon als kleiner Junge beim Altheimer Bauern Fiedler bei Schlachtung und Wurstherstellung geholfen: „Das hat mich immer schon interessiert“, sagt der Vierzigjährige.

Bei der Frage wer seiner drei Söhne den Familienbetrieb denn übernehmen könnte, fällt sein Blick auf den Jüngsten. Und der geht auch gleich mit in die Wurstküche, um seinem Papa beim Schinkenschneiden zu helfen. Denn im Hoflädchen wird Nachschub benötigt.

Quelle: op-online.de

Kommentare