Wanderer stimmen für den Austritt

Frisch-Auf verlässt Spessartbund

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Eine lebhafte Diskussion zum Austritt der Wandergesellschaft Frisch-Auf aus dem Spessartbund blieb aus. Fast alle der anwesenden Mitglieder entschieden sich bei der außerordentlichen Versammlung unter Leitung der Vorsitzenden Karin Mathy dafür, autark weiterzumachen.

Münster - Die Entscheidung war deutlich: 51 der 53 anwesenden und stimmberechtigten Mitglieder der Wandergesellschaft Frisch-Auf Münster entschieden sich am Freitagabend dafür, den Spessartbund zu verlassen. Damit gehört der Verein künftig keinem Dachverband mehr an. Von Michael Just

Im Anschluss an die außerordentliche Versammlung stand Vorsitzende Karin Mathy im Interview Rede und Antwort.

Frau Mathy, das Thema, den Spessartbund zu verlassen, ist nicht neu...

Ein Austritt wurde in der Vergangenheit schon öfters mal angesprochen und diskutiert. Eine Befragung der Mitglieder ergab dabei, dass eine Mehrheit für ein autarkes Weitermachen ist. Grund sind in erster Linie die hohen Abgaben, die wir pro Mitglied an den Bund abführen müssen.

Dem Spessartbund gehören zwischen Frankfurt und Würzburg etwa 100 Ortsgruppen mit rund 15 000 Mitgliedern an. Welche Angebote und Vorteile werden geboten?

Der Spessartbund liefert viele Informationen, hilft beim Generieren von Fördergeldern und dem Austausch der Mitgliedsvereine untereinander. Er hält eine günstige Gemeinschaftsversicherung parat, kümmert sich um die Wegemarkierung oder offeriert Fortbildungen, die allerdings nicht kostenfrei sind. Zudem werden Wanderungen angeboten. Auf die sind wir aber nicht angewiesen, da unser Verein eigene Wanderführer besitzt. Insgesamt sind die Leistungen des Spessartbundes gut, für unser Bestehen aber nicht unbedingt notwendig.

Was war letztlich der Grund für den Austritt?

Es ist die geplante Abgabenerhöhung, die recht deutlich ausfällt. Sie klettert pro Person in den 100 Mitgliedsvereinen von 6,50 Euro auf zehn Euro im Jahr. Bei unserem Jahresbeitrag von 24 Euro müssten wir dann fast die Hälfte nach Aschaffenburg weiterleiten.

Was steckt hinter der Erhöhung?

Der Vorstand des Spessartbundes kann nach seinen Bekundungen die verwalterischen Aufgaben nicht mehr ehrenamtlich leisten. Deshalb soll eine hauptamtliche Geschäftsführerin auf Basis einer halben Stelle angestellt werden. Deren Gehalt beläuft sich auf 24.000 Euro pro Jahr, mit den Lohn-Nebenkosten fallen 36.000 Euro an. Dieser Betrag wird nun auf die Mitgliedsvereine umgelegt.

Kann die Wandergesellschaft die neuen Kosten für den Spessartbund unter keinen Umständen stemmen?

Nur sehr schwer. Mit Blick auf unsere 300 Mitglieder wären das zusätzliche Kosten von 1000 Euro im Jahr. Das ist für einen Verein mit den Herausforderungen der Gegenwart sehr viel Geld. Wir müssten dies über eine Beitragserhöhung kompensieren. Die birgt die Gefahr, dass wir passive Mitglieder durch Austritt verlieren.

Wie steht die Wandergesellschaft finanziell da?

Wir haben feste Kosten von 10.000 Euro pro Jahr, wovon ein Großteil für unser Vereinsheim ist. Dazu kommen weitere Aufwendungen für Reparaturen oder Anschaffungen. Das macht bei einem Kühlschrank oder Rasenmäher, welche bei einem Verein immer etwas größer ausfallen, gleich ein paar hundert Euro aus. Dem stehen Einnahmen durch Mitgliedsbeiträge von 7000 Euro gegenüber. Durch die Erlöse von unseren Festen, darunter das 2017 zum ersten Mal sehr erfolgreich initiierte Erdbeerfest, oder die Vereinsförderung der Gemeinde liegen wir trotzdem Jahr für Jahr bei den Finanzen im grünen Bereich. Die Beitragserhöhung durch den Spessartbund würde dieses Gefüge kräftig durcheinanderwirbeln.

Mit dem Austritt aus dem Dachverband stehen sie nicht alleine da. Andere Vereine haben sich ebenfalls zu diesem Schritt entschieden.

Auch Dudenhofen, Kahl oder Klein-Welzheim gehen diesen Weg. Bei Dettingen fiel die Entscheidung ebenfalls pro Verlassen aus. Wegen eines Formfehlers muss allerdings noch einmal abgestimmt werden.

Wie groß schmerzt in Münster der Austritt?

Es war eine schöne Sache im Spessartbund zu sein. Besonders angenehm waren der Kontakt und das Treffen mit den anderen Vereinen. Diese Gemeinschaft kann aber auch ohne Mitgliedschaft im Bund aufrecht erhalten werden. Da befreundete Vereine ebenfalls ausgetreten sind, lässt sich vielleicht eine neue Gemeinschaftsversicherung, die etwas niedrigere Beiträge bedeuten, bewerkstelligen. Fakt ist, dass wir als autarker Verein höhere Versicherungsabgaben ohne ein Anheben der Mitgliedsbeiträge stemmen können. Das wäre bei den neuen Abgaben für den Spessartbund nicht der Fall.

Ab wann wird der Austritt wirksam?

Zum Jahresende. Bis dahin haben wir auch die Aufgabe, ein neues Vereinslogo für die Wandergesellschaft zu konzipieren. Das zierte bisher den Specht des Spessartbunds. Ab sofort ist jeder im Verein dazu aufgerufen, sich über das neue Aussehen Gedanken zu machen und Ideen beim Vorstand einzureichen.

Quelle: op-online.de

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