Front gegen B26-Ausbau

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Schreckgespenst B 26-Ausbau: Die Überflug-Simulation zeigt die riesigen Ausmaße der vierspurigen Andienung nebst höhergelegtem Brückenbau auf künstlichem Damm.

Altheim ‐ Der Widerstand gegen den jüngst vorgestellten Ausbau der Bundesstraße 26 zwischen Dieburg und Babenhausen formiert sich in einem ehemaligen Klassenzimmer im Gustav-Schoeltzke-Haus. Von Thomas Meier

Und er nimmt Formen an, die sich die Vordenker für eine interkommunale Zusammenarbeit so sicher nicht gedacht haben, denn der Protest kommt von unten und weitet sich über Gemeindegrenzen rasch aus. Rund 30 Bürger kamen zur jüngsten öffentlichen Fraktionssitzung der Alternativen Liste Münster und Altheim (ALMA), die wegen der Dringlichkeit und der zu erwartenden Besucher vom Rathaus Münster direkt an den Ort des Geschehens in den Ortsteil eingeladen hatte.

„Wir sind hier zusammen gekommen, um richtig gute Argumente gegen ein Projekt zu sammeln, das für Altheim und Münster sicher nichts Gutes bringen wird“, sagte ALMA-Fraktionsvorsitzender Gerhard Bonifer-Dörr. Er sollte sogleich Schützenhilfe von Frank Ludwig Diehl, Fraktionsvorsitzendem der Grünen in Babenhausen, bekommen. Er begrüßte nicht nur den Anfangsprotest gegen die Planungen, sondern regte auch an, eine die Gemeinden übergreifende Bürgerinitiative zu gründen. Dies Ansinnen stieß auf Beifall.

Bonifer-Dörr rekapitulierte die ASV-Planung

ALMA-Vorsitzender Thomas Lay freute sich über den regen Zuspruch zur themengebundenen Sitzung, bedauerte auch gleichfalls, keine offiziellen Planungsunterlagen zum Ausbau präsentieren zu können, da diese vom Amt für Straßen- und Verkehrswesen Darmstadt (ASV) unter Verschluss gehalten würden. Über die gesamte Versammlung hinweg dienten deshalb Fotos von Karten und dreidimensionalen Überflugsimulationen, die bei der Bürgerversammlung vom ASV gezeigt und von unserer Zeitung abfotografiert wurden, als Diskussionsgrundlage.

Bonifer-Dörr rekapitulierte die ASV-Planung und stellte fest, die jetzt vorgelegte Ausbauvariante sei „mindestens so schädlich wie eine erste bereits vor 15 Jahren vorgestellte“. Vor allem Altheim werde schmerzlich betroffen, führe doch die neue Bundesstraße mit ihren An- und Abfahrten in vierspurigem Ausbau direkt an der Ortslage vorbei. Vor allem der Brückenbau über die Münsterer Straße mit seinem dort sechseinhalb Meter hohen Damm sei nicht hinnehmbar.

„Ist überhaupt eine Veränderung nötig?“

Bevor der Fraktionschef auf den Lärm einging, der mit dem Ausbau der B 26 einhergehe, auf der man einmal 100 statt der derzeitigen 70 km/h fahren dürfe, stellte er die Gretchenfrage des Abends: „Ist überhaupt eine Veränderung nötig?“ Schließlich staue sich der Verkehr auf der Bundesstraße ja erst ab Babenhausen; Münster und Altheim seien nicht betroffen. Mit dem vorgestellten Ausbau jedoch kämen erst die Probleme, Landschaftszersiedlung, optische Verschmutzung durch Lärmschutzwände sowie lauter, schneller Durchgangsverkehr einher.

Dies war das Stichwort für den Babenhäuser Gast. Diehl erklärte, um Babenhausen aus dem Verkehrsdilemma zu befreien, das mit der derzeitigen B 26 in die Stadt hineingetragen werde, bedürfe es im Vorfeld einer Südumgehung. Ohne sie mache jedwede Umgestaltung für Babenhausen keinen Sinn.

Ohne Entzerrung in Babenhausen, schlussfolgerte Bonifer-Dörr, staue sich der Verkehr also ab Sickenhofen zurück: „Und wenn dann schnell gefahren werden darf, ist dann sicher auch schnell Schluss mit dem Weiterfahren und wir haben die Schlange an Altheim stehen.“

Aus den Besucherreihen stellte sich die Frage, ob die Kommunen und ihre Bürger überhaupt etwas gegen den Ausbau der Bundesstraße ausrichten könnten, da ja schließlich der Bund das Sagen habe. Thomas Lay befand: „Wir werden ja vom ASV befragt. Und wenn wir unsere Meinung jetzt nicht festklopfen, dann nie. Mag sein, dass die Planung jetzt wieder in die Schublade wandert, weil kein Geld da ist. Aber irgendwann kommt sie wieder auf den Tisch, und wenn kein Protest da ist, wird auch umgesetzt, was für viel Geld geplant wurde.“

Nicht nur die Bürger hofften auf Unterstützung durch ALMA, die Fraktion müsse auch die Bürger hinter sich wissen, mahnten Lay und Bonifer-Dörr an. So umfassend wie möglich gelte es, jetzt den Widerstand zu formieren. Ein Schulterschluss mit Babenhausen komme da gerade recht.

Quelle: op-online.de

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