Die ganze Welt auf einem Rad

Münster - Einradfahren ist wesentlich vielseitiger, als es auf den ersten Blick aussieht. Die Sparte „Freestyle“ dürfte dem einen oder anderen Laien noch ein Begriff sein - dann hört es bei den meisten auf. Von Jasmin Frank

„Wir machen aber viel mehr, wir fahren nicht nur Rennen und Staffel, sondern machen auch Hoch- und Weitsprung oder fahren Downhill“, erzählen die Dieburger Brüder Marco und Carsten Schmidt, die seit mehr als einem Jahrzehnt für den Münsterer Verein Radsport an den Start gehen. Der Verein ist sichtlich stolz auf die beiden Talente. Pressewart Anton Frank spricht von ihrem Ausnahmetalent: „Die beiden probieren einfach alles aus und sind dann darin auch immer ausgesprochen gut. “.

Unzählige Titel haben die beiden jungen Männer schon errungen, so ist der 23-jährige Marco bereits mehrfacher Deutscher Meister in verschiedenen Sprung- und Renndisziplinen, zudem Vizeeuropameister im Bereich Downhill und Vizeweltmeister im Weitsprung. Sein jüngerer Bruder Carsten steht ihm in nichts nach, sondern hat auch schon einen Weltmeistertitel im Hochsprung errungen. Zudem holte er mit der Staffel bei der Weltmeisterschaft 2006 den dritten Platz, ist in allen Renndisziplinen mehrfacher Deutscher Meister und im vergangenen Jahr Europameister im 12-Stunden-Downhill geworden.

Bilder der Einrad-Kunststücke

Meister des Einradfahrens

Mit dem Einrad querfeldein einen steilen Hang herunter rasen? Für die beiden ein Leichtes, wie sie auf der Dieburger Moret demonstrieren. „Das ist nichts anderes als mit dem Mountainbike zu fahren“, vergleicht Marco Schmidt. Stürze kämen schon vor: „Dabei passiert aber nicht viel, wir wissen ja, wie wir uns fallen lassen müssen“, erklärt der Dieburger. Generell verlagere man den Schwerpunkt beim Fahren nach hinten, so dass das Einrad seinem Fahrer beim Sturz nicht in die Quere komme.

Während sich der Jüngere der Brüder bevorzugt bei Wettrennen misst, ist Marco Schmidt derjenige, der gerne waghalsige Manöver ausprobiert und auch gerne mal auf dem Odenwälder Felsenmeer von Stein zu Stein springt.

Die Brüder beim Downhill fahren im Gelände.

Für jede Disziplin gibt es spezielle Räder, so besitzen die beiden jeweils etwa zwölf Einräder in verschiedenen Ausstattungsformen. „Für Rennen werden dünne, große Reifen und kurze Kurbeln benötigt, für Downhill fahren wir mit breiten, kleineren Reifen und langen Kurbeln - das ist an sich wie bei einem gewöhnlichen Fahrrad“, beschreibt Carsten Schmidt. Die Mutter der beiden, Renate Schmidt, steht dabei und sieht ihren Söhnen beim Training im Münsterer Gersprenzstadion zu. „Für uns war von Anfang an klar, dass wir die beiden in ihrer Begeisterung stärken und entsprechend fördern“, erzählt sie. Es sei zwar ein kostspieliger Sport, aber dafür hätte man über Jahre zu Weihnachten immer ein passendes Geschenk parat gehabt - „ein neues Einrad“, bemerkt die Mutter schmunzelnd.

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Häufig gehen die Räder zu Bruch, gerade bei den Sprüngen müssen Felgen oder Kurbeln enorme Kräfte aushalten und immer mal wieder ersetzt werden. „Wir haben immer ausreichend Ersatzteile dabei, wenn wir auf Wettkämpfe fahren und vieles entsteht ohnehin im Eigenbau“, berichten die beiden. Für ihr Umfeld ist das außergewöhnliche Hobby schon längst zur Gewohnheit geworden und auch Marco Schmidts Arbeitskollegen wundern sich nicht mehr, wenn er statt mit dem Auto oder der Bahn die zehn Kilometer zum Job lieber mit dem Einrad zurücklegt. Sogar im Privatleben spielt das Einrad bei ihm eine Rolle: So lernte er seine Freundin Jana auf einem Wettkampf kennen. Genau genommen hat sie ihn schon beim Downhill abgehängt. „Aber wir sind keine Konkurrenten, auch mein Bruder nicht. Natürlich sind wir alle ehrgeizig, aber der gemeinsame Spaß am Sport geht vor“, meint Marco Schmidt.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Frank/op-online.de

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