Wo Gebetsfahnen brennen...

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Zwei steinerne Buddha-Statuen wurden Hüyal Lehr bereits komplett zerstört, bei der jüngsten Attacke gegen eine solche religiöse Statue riss der Kopf ab. Jetzt brannten vor dem Geschäft auch noch tibetische Gebetsfahnen.

Münster ‐ Der jüngste Anschlag auf ihr Geschäft, ihre Ware, aber viel wichtiger noch, ihre tiefste Überzeugung stank ihr „bis zum Himmel“, und dies im wahren Sinne des Wortes, denn die Brand-Attacke galt einer fünf Meter langen tibetischen Gebetsfahne. Von Thomas Meier

Hülya Lehr ist sauer. Angesteckt das dünne flatterhafte Tuch direkt vor ihrem Geschäft „Darmadi Arts“ am Rathausplatz in der Leibnizstraße 11 war dies nur eine Freveltat von zahlreichen vorangegangenen, die sich in den letzten drei Jahren im Zentrum Münsters ereigneten. „Eine balinesische Fahne, etwa fünf Meter hoch, wurde mir bereits gestohlen. Dreimal schlugen Unbekannte von großen Buddha-Statuen die Köpfe ab. Ein Kraftakt sondergleichen, denn die Figuren waren aus Beton. Und schließlich stahlen Diebe im Dezember einen mit Handarbeiten ausländischer Kinder geschmückten Weihnachtsbaum direkt vor dem Eingang meines Geschäftes“, berichtet die 44-jährige Türkin, die seit 27 Jahren in Deutschland lebt, vor fünf Jahren nach Münster zog und hier am Rathausplatz vor drei Jahren ihr Geschäft für fernöstliche Kleinkunst und Wohneinrichtung eröffnete.

Die Gebetsfahne hängte Lehr am Mittwochnachmittag, dem 10. März, auf. Dies ist der Gedenktag an die Aufstände in Tibet von 1959, und aus Solidarität mit den unterdrückten Tibetern wollte sie ein Zeichen setzen. „Auf den Stoffstreifen waren buddhistische Gebete auf Sanskrit sowie Mantras abgebildet. Alles Friedensbotschaften“, sagt die gelernte Bankkauffrau, die einmal Germanistik und Islamwissenschaften studiert hat.

Vandalismus und Rassismus in Münster stoppen

Es ist nicht der ihr materiell entstandene Schaden, der sie erbost. Vielmehr sind es „die deutlichen Anzeichen von Rassismus“, die sie hinter den Taten erkennt und die sie traurig machen. „Ich werde es nicht weiter dulden, dass Religions- und Kulturgegenstände in Münster aus Wut, Intoleranz, Unkenntnis oder sonst was für Gründen zerstört oder respektlos behandelt werden.“

Und so sieht sie ihren Feldzug gegen solche „bodenlos dummen und uneinsichtigen Handlungen“ auch als kleinen Beitrag zum interkulturellen Dialog sowie zur Integrationspolitik in der Gemeinde. In einem Schreiben fordert sie Bürgermeister Walter Blank auf, umgehend Vandalismus und Rassismus in Münster zu stoppen. Der Islam, Buddhismus und Hinduismus seien sicher für einige Bürger von Vorurteilen beseelte Themen, jedoch lebe man im Zeitalter der Globalisierung und Deutschland sei mehr als Schwarz-Rot-Gold, nämlich kunterbunt.

Bürgermeister Blank wird die Angelegenheit keinesfalls auf sich beruhen lassen, schaltete bereits das Ordnungsamt ein. Vandalismus komme leider immer wieder einmal auch in Münster vor, doch rassistische Umtriebe könne er nicht ausmachen, erklärt er auf Anfrage. Er unterstütze wie Lehr die Integrationsarbeit in Münster.

Quelle: op-online.de

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