Auch nach zehn Jahren:

Zukunft des Altheimer Lädchen über Ostern hinaus offen

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Seit zehn Jahren betreibt Felicitas Lauszat (hier hinter der Bedienungstheke mit den Backwaren) das Altheimer Lädchen. Noch ist offen, ob es nach Ostern weitergeht.

Am Montag feierte das Altheimer Lädchen sein zehnjähriges Bestehen unter der Leitung von Felicitas Lauszat. Zum ausgelassenen Feiern zumute war der beliebten wie engagierten Betreiberin zu Wochenbeginn allerdings nicht – und das nicht wegen der Erkältung, die sie sich in den Vortagen eingehandelt hatte:

Altheim – Noch immer ist die Zukunft des letzten Lebensmittel-Geschäfts im Münsterer Ortsteil ungewiss, die Perspektive über Ostern hinaus offen. Lauszat aber kämpft um ihren Verbleib und setzt dabei auch auf externe Hilfe.

„In den nächsten 14 Tagen dürfte noch einiges passieren“, blickt sie voraus und erläutert, weshalb sie einen Monat vor den Osterferien noch nicht sicher sei, ob sie das Lädchen in der Kirchstraße über diesen Termin hinaus fortführen oder aber schließen werde. Vor allem auf Crowdfunding, EU-Fördermittel und die Beratung der IHK baut Lauszat – und natürlich auf die Altheimer Kunden.

Denn bei aller Anstrengung, die die Unternehmerin derzeit hinter den Kulissen unternimmt, betont sie immer wieder: Auf Sicht stehe und falle alles mit dem Zuspruch der Einkäufer. In Zahlen: „Derzeit habe ich am Abend meist 1 200 Euro in der Kasse. Es müsste aber fast das Doppelte sein.“ Bleibe die Zahl der Kunden gleich, müssten die im Durchschnitt für zehn bis zwölf Euro einkaufen. „Derzeit stehen bei mir auf einem durchschnittlichen Bon sechs bis acht Euro.“ Gerade Einkäufe in größerer Dimension würden ihr helfen. Die Mehrheit der Kunden kaufe aber nur für wenige Euro ein, meist Grundzutaten wie Zucker oder Milch. Wobei es auch einige Altheimer gebe, die zum Beispiel ihren kompletten Monatsbedarf an Getränken bei ihr vorbestellten – was größere Beträge und die einfachere Kalkulation auch der Zwischenlagerung bedeute. Allein: Die Zahl dieser besonders entgegenkommenden Kunden müsste größer sein.

Lauszat also räumt auf mit der Erwartung, allein durch Einsparungen etwa im Energiesektor könne das Altheimer Lädchen dauerhaft so rentabel werden, dass sie sich selbst wieder ein akzeptables und auskömmliches Gehalt auszahlen und das Angebot somit weitere Jahre aufrecht erhalten könne. Die konkreten Verbesserungen auf der Betriebskosten-Seite seien aber zumindest noch nicht ausgeschöpft: „Ich zahle monatlich 1000 Euro für Strom, unter anderem für die Kühlung.“ Modernere Kühltruhen und Kühlregale könnten ein paar hundert Euro einsparen. Selbst investieren kann Lauszat aber nicht mehr, sie hofft hierbei auf Fördermittel aus dem Leader-Programm der EU. Auf dem Weg zu eben jenen Mitteln unterstützt sie das Regionalmanagement des Landkreises Darmstadt-Dieburg, „die sind wirklich sehr aktiv und hinterher“.

Auch Bürgermeister Gerald Frank bringt sich mit Ideen ein. Vorige Woche waren der Rathaus-Chef sowie auch ein Mitglied der Arbeitsgruppe, die sich im Sommer 2018 im Anschluss an eine Infoveranstaltung zur Zukunft des Altheimer Lädchens formiert hatte, bei einem Treffen von Lauszat mit der Handelskammer dabei. Die IHK könnte etwa dabei behilflich werden, die Produktpalette näher unter die Lupe zu nehmen und zu optimieren. „Ich nehme die Hilfestellung gern an“, sagt Lauszat. Allerdings koste sie der Einsatz über das ohnehin schon extrem anstrengende Tagesgeschäft hinaus „zusätzliche Zeit, die ich eigentlich gar nicht habe“.

Dennoch ackert Lauszat nicht nur Tag für Tag im Laden, sondern auch für dessen Verbleib über die nächsten Wochen hinaus. Auch weil immer wieder Kunden ihre Hilfe anböten, teils sogar mit Geldspenden. „Ich wusste erst mal gar nicht, wie ich mit solchen Angeboten umgehen soll.“

Die ganz neue Idee sei nun, eine einmalige oder regelmäßige Beteiligungsmöglichkeit über Crowdfunding zu schaffen. Womit vielleicht sogar Investitionen möglich würden, an die die Betreiberin aktuell kaum zu denken wagt. Beispielsweise könnte das einfach verglaste Schaufenster („Im Sommer geht man hier drin ein, im Winter arbeiten meine Mitarbeiterin und ich bei acht Grad“) durch eine fürs Binnenklima freundlichere Variante ersetzen.

Ein bisschen Zeit werde unter dem Strich erst noch vergehen, ehe sie in manchen Punkten klarer sehe und dann eine Entscheidung pro oder kontra Fortführung des Altheimer Lädchens treffen werde, sagt Felicitas Lauszat in diesen Tagen.

An einem Standpunkt – dass sich die Gemeinde Münster bei einer direkteren Unterstützung des Altheimer Lädchens zurückhalten müsse, weil es sich in erste Linie um ein Unternehmen des freien Markts handele –, stört sich die Betreiberin indes massiv: „Bei aller Liebe: Wenn das hier keine soziale Geschichte ist, dann weiß ich nicht, was sonst. Es geht hier nicht nur ums Einkaufen, sondern auch um einen sozialen Treffpunkt. Wenn wir hier zu machen, dann sitzen meine Omis und alle, die nicht mobil sind, künftig nur noch daheim und kommen gar nicht mehr raus.“

Quelle: op-online.de

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