Gegen schlechte Noten

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Die Kinder überreichten Bürgermeister Walter Blank eine Girlande selbst gemalter Bilder. Darüber freuten sich auch Koordinationslehrerin Madalena da Silva Rebolo, Schulleiterin Nicole Sabais sowie Anneliese Kreher von „Kolping hilft“.

Münster (jas) ‐ Die Ergebnisse hessischer Schüler im neuen Bildungsvergleich der Länder werden derzeit allenthalben heiß diskutiert. Hessens Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) sieht sich durch das wesentlich positivere Abschneiden im Vergleich zu früheren Tests in ihrem Kurs bestätigt, Opposition und Lehrer bemängeln, dass Schulbildung immer noch von der sozialen Herkunft abhänge.

Dass im Kleinen die Problemlage nicht nur schon längst erkannt wurde, sondern auch auf ehrenamtlicher Basis versucht wird, dagegen zu steuern, belegt die Hausaufgabenbetreuung an der John-F.-Kennedy-Schule in Münster.

„Ich bin hier, weil ich so viel besser lernen kann. In der Gruppe machen Hausaufgaben einfach viel mehr Spaß, als alleine zu Hause“, erzählt die quirlige Burcu. Sie ist in der zweiten Klasse und weiß das Angebot der John-F.-Kennedy-Grundschule sehr zu schätzen. Auch zwei ihrer Mitschüler, Dogan und Sipan findet das Münsterer Angebot toll. „Meine Eltern wollten, dass ich hierher gehe, weil die Schule dann für mich leichter wird. Manchmal, wenn wir schon alles erledigt haben, spielen wir sogar Karten“, freut sich Sipan. Dogan ergänzt: „Seit ich hier bin, sind meine Noten viel besser geworden, vor allem im Deutschunterricht.“

Kinder haben sich sehr viel Mühe gegeben

Aber dass es so ein Angebot gibt, ist nicht selbstverständlich, sind damit doch immer auch Kosten verbunden, selbst wenn die Betreuerinnen weitestgehend ehrenamtlich tätig sind. „Deshalb haben wir auch zu unserem Sommerfest den Bürgermeister eingeladen. Wir wollen uns bei ihm für die Übernahme der Kosten von Seiten der Gemeinde bedanken“, erläutert Koordinationslehrerin Madalena da Silva Rebolo, die für die Organisation der Hausaufgabenbetreuung und der Kommunikation zwischen dieser und der Grundschule zuständig ist.

Die Kinder haben sich sehr viel Mühe gegeben und dem Rathauschef eine Girlande gebastelt, zu der alle Jungen und Mädchen ein Bild beigesteuert haben. In der Mitte hängt ein Schild mit der Aufschrift „Herzlichen Dank für 16 Jahre Hausaufgabenhilfe“.

Walter Blank war überrascht und sichtlich begeistert: „Ich hatte gedacht, dass ich hier als Gast zu einem Geburtstag eingeladen wäre und nicht, dass ich etwas geschenkt bekommen würde. Ich freue mich sehr und habe euch natürlich auch etwas mitgebracht.“ Während er einen bunten Umschlag überreichte, entdeckte Lehrerin da Silva Rebolo noch einen wichtigen Gast: Anneliese Kreher von der Münsterer Initiative „Kolping hilft“ , die jedes Jahr 100 Euro beisteuert. Dass das Geld gut angelegt ist, wissen vor allem die Betreuerinnen. „Die Arbeit hier ist unheimlich wichtig. Viele der Kinder hätten sonst große Schwierigkeiten. Da wir sehr kleine Gruppen sind, auf jede von uns kommen fünf Kinder, ist die Betreuung sehr intensiv und auch sehr ergiebig. Häufig spiegelt sich das auch in den Noten wieder“, sind sich Renate Coulibaly, Isolde Franz und Claudia Krause vom Betreuungsteam sicher. Immer wieder müssen sie während der Arbeit von einem Thema zum anderen springen, sind doch Kinder von der ersten bis zur vierten Klasse in den Gruppen und haben die unterschiedlichsten Fragen. „Das Wichtigste ist es, eine familiäre Atmosphäre zu schaffen. Fühlen sich die Kinder wohl, dann lernen sie auch leichter“, so das Fazit der drei engagierten Frauen, die mit ihren beiden Kolleginnen den Münsterer Kindern hoffentlich noch weitere 16 Jahre helfen.

Quelle: op-online.de

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