Gelbe Kraft verdrängt böses Grün

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Der sechsjährige Eliano erklärt Künstler Hans-Peter Schmücker, was er sich bei seinem Bild so gedacht hat.

Münster ‐ Kunstausstellungen sind in Münster schon lange keine Seltenheit mehr, doch wenn eine Gemäldeschau der Anlass dafür ist, sich inspirieren zu lassen und eine Folgedarbietung zu konzeptionieren, dann ist das schon etwas Besonderes. Von Jasmin Frank

„Ich bin sehr stolz darauf, dass diese vielen kleinen Künstler hier in meiner Ausstellung ‚Die letzten sieben Worte Jesu am Kreuz‘ waren und nun ihre ganz eigenen Vorstellungen zu dem Thema entwickelt haben“, freut sich Maler Hans-Peter Schmücker.

Er war im katholischen Kindergarten Sankt Michael zu Gast, denn die Vorschulkinder der Einrichtung hatten zur Vernissage geladen: Sie waren in Schmückers Ausstellung in der Kirche, hatten ihm Fragen gestellt und dann zurück im Kindergarten gleich zu Pinsel und Papier gegriffen.

Die Idee zu diesem kreativen Projekt hatte Leiterin Marietta Geist gemeinsam mit Brigitte Ganz vom Pfarrgemeinderat, die schmunzelnd bemerkte: „Eigentlich bin ich ja für die Erwachsenenbildung zuständig und habe deshalb auch die Ausstellung von Herrn Schmücker organisiert. Da wir aber sehr eng mit dem Kindergarten kooperieren, war es nahe liegend, diesen in das Projekt einzubeziehen.“

Die Jungen und Mädchen sind auf jeden Fall ganz begeistert von der Kunst und stehen vor ihren Bildern, um diese den Gästen zu erklären. Alle haben sich, wie es sich für eine Ausstellungseröffnung gehört, fein angezogen und trinken ihren Orangensaft aus stilvollen Gläsern. „Ihr seid alle, jeder für sich, richtige Künstler und da gebührt es der Respekt, dass wir auch für einen entsprechenden Rahmen für die Werke sorgen“, sagte Leiterin Geist bei ihrer Ansprache zu den Kindern, die ehrfürchtig und stolz den Applaus entgegennahmen.

Obwohl sich die Bilder mit dem Tod Jesu beschäftigen, sind sie alle sehr farbenfroh, hell und voller Fröhlichkeit. „Ich habe das Kreuz mit viel gelb ummalt. Das ist die Kraft von Jesus. Das Grüne hier ist böse und wird von der Hoffnung verdrängt“, erklärt der sechsjährige Eliano. Er war das erste Mal auf einer Ausstellung, als er die Werke des Münsterer Künstlers gesehen hatte und fand es sehr spannend. „Wir konnten ihm ganz viele Fragen stellen, über die Farben und warum er etwas so gemalt hat, wie es eben da ist“, meinte der kleine Junge, der gerne mit seinem erwachsenen Kollegen fachsimpelt. Die Fragen der Kinder waren für Schmücker zunächst nicht ganz einfach zu beantworten: „Es ging hier ja um das Thema Tod, das nun wirklich nicht so einfach kindgerecht behandelt werden kann. Aber die Erzieherinnen haben mitgeholfen“, so der Künstler.

Er kann den Kindern vor allem einen Rat mit auf den Weg geben: „Oft muss man das Malen einfach laufen lassen und gar nicht viel überlegen, was konkret gestaltet werden soll. Ein tieferer Sinn ergibt sich häufig erst später.“

Weil die Ausstellung sehr viel Anklang findet, soll sie nun einem größeren Publikum zugeführt werden. Wie schon die Bilder von Hans-Peter Schmücker, so werden nun auch die Gemälde der Kinder ab Donnerstag in der katholischen Kirche Sankt Michael zu sehen sein. Und wer weiß, vielleicht fühlt sich ja davon dann der ein oder andere Erwachsene inspiriert und beginnt wiederum selbst mit Stift oder Pinsel seine Impressionen zu Papier zu bringen. Dann wären in Münster noch einige Ausstellungen zu erwarten.

Quelle: op-online.de

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