Gelbe Plakette als Türöffner

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Vereinsgründer Günter Jarkowksi vor dem Einstieg in einen der teilnehmenden Wagen.

Münster ‐ Wer hat nicht schon oft auf dem Weg zur Arbeit im Stau gestanden und sich über den zähen Berufsverkehr geärgert? Und den meisten Pendlern ist dabei aufgefallen, dass in den Wagen vor und hinter dem eigenen Fahrzeug auch nur jeweils eine Person sitzt, die nicht wirklich vom Fleck kommt. Von Jasmin Frank

Dieses Dilemma zu beenden hat sich der Münsterer „Verein unabhängiger Mitfahrer“ auf die Fahnen geschrieben. „Ich hatte schon vor 20 Jahren die Idee, dass doch mehrere Personen gemeinsam fahren können. Aber erst im Jahr 2001 habe ich mit sechs Mitdenkern den Verein ins Leben gerufen“, erzählt Günter Jarkowski, der selbst als Berufschullehrer bis zu seiner Pensionierung täglich von Münster-Altheim aus nach Darmstadt zur Arbeit gefahren ist.

Eintrittskarte für die freie Fahrt ist die gelbe oder blaue Plakette.

Die Idee ist denkbar einfach: Man stelle sich den Autoverkehr wie ein großes Fließband vor, auf das man jederzeit auf- und absteigen könnte. So sollen die Mitfahrer nun die vorhandenen Kapazitäten auf den Straßen nutzen, zusteigen, direkt bis zum Ziel, möglicherweise aber auch über Etappen bis zum Wunschort mitfahren. „Ich selbst habe es schon oft probiert, entweder früher zur Berufschule oder aber heute privat. Ich werde immer mitgenommen und komme gut an“, meint der studierte Ingenieur.

Jeder Teilnehmer muss selbst einen Wagen haben

Damit das Ganze auch sicher und fair abläuft und die Teilnehmer gut erkennbar sind, gibt es für die Mitfahrer Plaketten, auf denen neben dem Motto „Wechselnd fahren - hilft sparen“ und der Vereinstelefonnummer sowie der laufenden Jahreszahl vor allem das Autokennzeichen des Nutzers vermerkt sind. „Viele Menschen schämen sich, am Straßenrand zu stehen und auf eine Mitfahrgelegenheit zu warten. Das fällt hier weg, denn jeder Teilnehmer muss selbst einen Wagen haben. Er fährt nur alle zwei Wochen mit, in der jeweils anderen sitzt er hinter dem Steuer. Mitfahren können in geraden Wochen diejenigen mit gelben Plaketten, in ungeraden sind die mit den blauen Sichtzeichen dran“, erläutert Jarkowski das System.

Es hört sich zwar etwas kompliziert an, aber es geht dabei vor allem um Sicherheit und Fairness. Zum einen möchten die Teilnehmer wissen, dass die Person, die sich zu ihnen ins Auto setzt, identifizierbar ist, zum anderen will keiner immer mit dem Fahren dran sein und so auf den Kosten sitzen bleiben. All das bedachten Jarkowski und sein Stellvertreter Hartmut Rudolph, bevor sie die Münsterer Einwohner an den Straßenrand schickten. Manch einer der Beifahrer nutzt die Möglichkeit auch in Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln und fährt etwa morgens mit Gleichgesinnten nach Frankfurt und am Nachmittag mit dem Bus zurück.

Wichtig, dass möglichst viele mitmachen

Das System funktioniert aber auch bei kleinen Strecken, also auch innerorts, oder auf dem Weg in die Nachbargemeinden. Wichtig ist für die Initiatoren, dass möglichst viele mitmachen und das Prinzip sich auch überregional durchsetzt, damit es dauerhafte ökonomische und ökologische Vorteile mit sich bringt.

Wer also noch mitmachen, oder besser mitfahren will, kann sich auf der Internetseite des Projekts informieren.

Momentan ist der Verein von einer hohen Fluktuation betroffen, da viele Teilnehmer durch das Konzept zu festen Fahrgemeinschaften gefunden haben, die sich dauerhaft bewähren. „Aber das ist natürlich auch in unserem Sinn. Je weniger gefahren wird, desto besser ist es für die Umwelt und für den Geldbeutel“, so der stolze Erfinder. Bislang ist er zwar überall auf echte Begeisterung gestoßen, aber noch haben sich keine Massen gefunden, die an dem Verein teilnehmen, obwohl die Mitgliedschaft inklusive Jahresplakette für nur zwölf Euro per anno zu haben ist.

Quelle: op-online.de

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