Die unberührte Natur erleben

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Eine Unterschriftenaktion gegen das neue Industriegebiet fand großen Zuspruch.

Münster - Die Bürger-Initiative Bebauung Dieburger Dreieck „BIBDD“ nutzte den Gemarkungsrundgang der Gemeinde Münster am Donnerstag, um den Protest mit Bürgern aus Altheim und Münster weiter anzukurbeln. Von Michael Just

Soweit das Auge reicht – das ließ sich am Tag der Deutschen Einheit über die vier großen, roten Ballons sagen, die in luftiger Höhe das Areal des sogenannten „Dieburger Dreiecks“ markierten. Die Ballons hatte die BIBDD gesetzt, um die Eckpunkte des 160 000 Quadratmeter großen Areals hervorzuheben, wo bald ein Mega-Logistikzentrum entstehen soll. Gegen dessen Bau an der Gemarkungsgrenze zu Münster bezieht die Bürgerinitiative seit Wochen Stellung. Sie befürchtet eine extreme Beeinträchtigung der Lebensqualität, vor allem durch mehr Lkw-Verkehr.

Der Gemarkungsrundgang findet abwechselnd in Münster sowie in Altheim statt. In diesem Jahr war wieder der kleinere Ortsteil an der Reihe. Beim Treffpunkt an der Sport- und Kulturhalle trauten viele Teilnehmer ihren Augen nicht: Über 300 Bürger sorgten für ein rekordverdächtiges Interesse an der Veranstaltung. Dazu mag das schöne Wetter ebenso beigetragen haben wie die Gulaschsuppe inklusive Freigetränk, die die Gemeinde allen Teilnehmern am Ende der Tour spendierte. „Da der Germarkungsrundgang stets eine gute Resonanz erfährt, hat sich die Gemeinde schon darauf eingestellt“, sagte Bürgermeister Walter Blank. Über die Lautsprecher eines Feuerwehrwagens begrüßte er die Teilnehmer, dazu wurden auf extra gedruckten Flyern Informationen über die Route verteilt. Los ging es auf dem Fahrradweg Richtung Dieburg. Danach wurde die B26 überquert und entlang der Groß-Umstädter Gemarkung wieder der Weg Richtung Heimat eingeschlagen. Mit sechs Kilometern war die Tour für Teilnehmer jeglichen Alters machbar.

Zu Beginn stellte Blank die Altheimer Sport- und Kulturhalle in den Mittelpunkt. Zu einem Festpreis von 506.000 Mark sei die einst von 1971 bis 73 gebaut worden. Bereits zehn Jahre später erfolgte die Erweiterung, für die weitere 300 000 Mark investiert wurden. Heute nimmt die Halle laut Blank für die Altheimer Grundschule sowie die Sport- und Kulturvereine eine wichtige Rolle ein, koste aber auch nicht gerade wenig Geld in der Unterhaltung.

Laut Blank habe man aus aktuellem Anlass reagiert und das Thema Fiege-Gelände in den Rundgang aufgenommen. So könnten sich die Bürger direkt vor Ort ein Bild über die Diskussion machen. Er wies darauf hin, dass die Entscheidung über den Bau in den Händen der Dieburger Stadtverordneten liegt. Münster habe die Möglichkeit zu einer Stellungnahme gehabt und diese auch genutzt. „Wir machten klar, dass Arbeitsplätze gut sind, aber nicht um jeden Preis“, so Blank. Interessierte könnten im Münsterer Rathaus die Stellungnahme einsehen. Wie Blank ergänzte, liege derzeit der Bebauungsplan offen. Jeder könne sich an der Diskussion beteiligen. Bis 30. Oktober wären Einsprüche, auch von Bürgerseite, möglich.

Mit Plakaten wie „Grün statt Beton“ oder „Vogelgezwitscher statt Verkehrslärm“ empfing BIBDD die Wanderer und bat um Unterschriften, dass die Natur und die Äcker unberührt bleiben. Dazu wurde Info-Material verteilt und in kurzen Gesprächen der Sachverhalt dargelegt. Vor allem für Altheim rechnet BIBDD mit einem erhöhten LKW-Fluss durch die B26. „Lärm, Feinstaub und Gestank nehmen drastisch zu“, malte Michaele Krumbach aus. Den Nutzen der Gewerbesteuer und der neuen Arbeitsplätze teilt sie nicht und bezeichnet solche Hoffnungen als „Augenwischerei“. „Die meiste Arbeit dürfte automatisiert sein, die ergänzenden Jobs werden im Billiglohnsektor mit Leiharbeitern entstehen“, glaubt sie. So wären die meisten Arbeiter auch weiterhin auf staatliche Unterstützung angewiesen.

Auch ein Ehepaar aus Münster trug sich in die Unterschriften-Liste ein. Die beiden wohnen zwar im Ortskern der Gemeinde, befürchtet aber trotzdem Auswirkungen. „Wir haben früher in Groß-Bieberau gewohnt“, erzählen sie. Das dortige Hartsteinwerk sei zwar in beträchtlicher Entfernung gewesen, trotzdem hätte der Wind, je nach Wetterlage, die Schallwellen bis zu ihnen getragen. „Die Erschütterungen von Fiege dürften auch nach Münster ziehen“, befürchten sie.

Derzeit hat BIBDD bereits rund 1 000 Unterschriften gesammelt. Je zur Hälfte kommen die aus Dieburg und aus Münster. Was damit gemacht wird ist noch nicht ganz klar. Vermutlich werden sie Dieburgs Bürgermeister Dr. Werner Thomas übergeben. Der Erfolg bleibt abzuwarten, da bei den Dieburger Stadtverordneten weitestgehend Einigkeit herrscht, dass Fiege gut für Dieburg ist. Totzdem will BIBDD auch weiterhin nichts unversucht lassen, das neue Gewerbegebiet zu verhindern. „Wir werden wieder und wieder hier rauskommen“, kündigte Krumbach an. Zum einen um die ablehnende Haltung zu demonstrieren, zum anderen um die Natur an dieser Stelle zu genießen - solange sie noch da ist.

Quelle: op-online.de

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