Gemütlich oder sportlich

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Die „Piraten“ beim Bierkastenlauf: Die gute Laune stand im Vordergrund, was nicht zuletzt an der Kostümierung sichtbar wurde.

Münster - Die ersten warmen Sommertage hinterlassen eindeutig ihre Spuren im Gefühlshaushalt der Menschen: Lebensfreude und Bewegungsdrang steigen spürbar an. Bei der alljährlichen „Summer begins Party“ der beiden Münsterer Stammtische „Weizekiller“ und „Nachtschwärmer“ ließ sich diese Tatsache beobachten. Von Michael Just

Zwei Tage lang wurde über Pfingsten auf dem Vereinsgelände des FSV Münster bis spät in die Nacht gefeiert, am Samstagabend sorgte die Münsterer Band X-Pins für Stimmung. Humorvoller Höhepunkt war der dritte Bierkastenlauf am Sonntagnachmittag: Über eine Runde von zehn Kilometern, die am Freizeitzentrum vorbei bis in die Dieburger Gemarkung führte, galt es einen Bierkasten in Dreier-Teams zu tragen. Ziel war es natürlich auch, diesen zwecks Gewichtsreduzierung unterwegs zu leeren. Damit nichts weggeschüttet wurde, konnte das Trinken nur unter kontrollierter Aufsicht an insgesamt acht Stationen erfolgen. Das Interesse am Bierkastenlauf hätte kaum größer sein können: „Wir haben diesmal 20 Teams. Mitmachen wollten noch mehr, aber aus Organisationsgründen haben wir die Sache begrenzt“, sagt Tobias Wade vom Veranstalter. Anmeldungen kamen unter anderem aus Urberach, Eppertshausen, Reinheim, Otzberg und Darmstadt.

Für zehn Euro Teilnahmegebühr und Kastenpfand als Schutz gegen jene, die einen schnellen Euro im Getränkemarkt witterten, ging´s los. Wer am Start nur trinkfeste Stammtischgrößen vermutete, lag falsch: Auch rund ein halbes Dutzend Frauen ging auf die Strecke, darunter Isabel (26). Wie sie heißt, wollte die Darmstädter Studentin zu Beginn nicht verraten: „Wir möchten alle noch Lehrer werden“, sagte sie lachend. Als Frau fehl am Platz fühlte sie sich aber durch die Erfüllung von Teilvoraussetzungen nicht: „Durch Studentenpartys ist man auch als Frau das eine oder andere Bierchen gewöhnt. Für mich steht die Gaudi im Vordergrund.“ Dafür sprach auch, dass sie sich mit ihren Kommilitonen Wolfgang (26) und Alex (25) als Piraten verkleidete. „Eigentlich sind wir „Bier-Raten“, sagen die drei mit Spaß.

Auffallend war, dass Wolfgang seinen Arm in einer Schiene trug, nachdem er sich vor einer Woche im Schwimmbad unglücklich die Schulter auskugelte. Trotz dieses Handicaps wollten die drei auf die Teilnahme nicht verzichten. Der Ehrgeiz, als erster im Ziel zu sein, hielt sich aber in Grenzen: Eher gemütlich liefen die drei von Station zu Station.

Andere gingen da in Sportmontur schon ehrgeiziger ans Werk: Wie Thomas Seitel vom Veranstalter sagt, gab es sogar ein Team, das sich ärztlichen Rat holte, wie das Rennen am besten zu meistern ist. Der Ratschlag des hilfsbereiten Mediziners lautete, erst bei der dritten Station mit dem Trinken zu beginnen, und dies dann gleichmäßig fortzuführen. Ab der vorletzten Station sollte kein Bier mehr geöffnet werden. Dass man Menschen beim Bierkastenlauf zum übermäßigen Alkoholgenuss verführt, sieht man bei den Organisatoren nicht: „Beschwerden oder öffentliche Kritik gab es noch nicht“, sagt Wade. Wie er heraushebt, stehe der sportliche Charakter im Vordergrund, dazu übertreibe man die Sache nicht: So habe man es im letzten Jahr, als der Bierkastenlauf bei fast 30 Grad stattfand, ermöglicht, dass das Bier gegen Wasser getauscht werden durfte. Wasser gab es diesmal nicht, dafür aber wie in den Vorjahren jede Menge Gaudi. Der erste Platz ging an „Oben-ohne-ins-Ziel“ mit einer Siegerzeit von rund einer Stunde. Auf Platz zwei und drei folgten „Ein Sommerbierchen“ und „Skasa“. Das Piraten-Team kehrte nach dreieinhalb Stunden zurück. Mit einem anderen „Gute-Laune-Team“ teilte es sich den letzten Platz. Kein Problem für die Studenten, denn auch beim Bierkastenlauf zählt vor allem „dabei sein ist alles.“

Quelle: op-online.de

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