24-Stunden-Übung der Freiwilligen Feuerwehr Münster / Ehrenamt ist viel mehr als nur ein Hobby

Geprobt werden kann nicht genug

Aus den Flammen gerettet: Die Feuerwehrleute müssen sich auch um Verletzte kümmern.

Münster -  24 Stunden Anspannung: Die Freiwillige Feuerwehr Münster probt mit verschiedenen Szenarien den Ernstfall. Von Michael Just

Schlafsäcke und Matratzen werden ins Gebäude getragen. „Eine 24-Stunden-Übung heißt für uns eben wirklich 24 Stunden am Stück. Da sollte keiner zu Hause schlafen“, erzählt Pressesprecher Michael Sühl. „Neben den Übungen steht gleichbedeutend die Kameradschaftspflege an“, ergänzt er.

Und es geht los: Bei der Bewegungsfahrt werden die Einsatzfahrzeuge an möglichst vielen Stellen durch die Gemeinde bewegt. Das dient der Ortskenntnis, aber auch dazu, dass die Lenker ihr Fahrzeuge besser kennenlernen. ,,Kaum einer von uns sitzt beruflich regelmäßig in einem Lkw“, verdeutlicht Sühl. Insgesamt sieht die 24-Stunden-Übung, die von 12 Uhr am Samstag bis 12 Uhr am Sonntag dauert, vier Übungen vor. Die jeweiligen Szenarien, die sich der stellvertretende Gemeindebrandinspektor Timo Kreher, Michael Sühl und Alex Müller, Berufsfeuerwehrmann aus Wiesbaden, ausgedacht haben, sind vielseitig: sie reichen von einem Brand im JUZ und einem Chlorgasunfall im Hallenbad, über eine technische Hilfeleistung an einem Unfallauto bis hin zu einer Türöffnung mit einer leblosen Person in der Albert-Einstein-Straße. In allen Fällen sind zusätzlich verletzte Personen zu versorgen. Alle Übungen – sie bleiben bis zum Einsatz geheim – finden dicht hintereinander statt. Die technische Hilfeleistung kommt zuletzt und muss aufgrund der Dunkelheit mit Scheinwerfern ausgeleuchtet werden.

Zu den vier Übungen kommen für die 24 Mann und eine Frau – die Teilnahme ist freiwillig – noch zwei Blöcke Stationsausbildung dazu. Mit dabei sind auch zwei Sanitäter des DRK, die einen Rettungswagen mitbringen. Die Koordination zwischen Feuerwehr und den Rettungsdiensten ist beim Einsatz wichtig, etwa beim Einrichten einer Verletztensammelstelle. „Die Rettungsdienste haben ihre Sicht, wir haben unsere. Beide gilt es zusammenzubringen“, erklärt Sühl.

Wie diffizil die Arbeit der Feuerwehr sein kann, wird beim angenommen Brand im Bastelraum des JUZ deutlich. Im obersten Stock gibt es aufgrund der Nutzung als Kindergarten neuerdings vergitterte Fenster, damit kein unachtsamer Dreikäsehoch aus dem zweiten Stock in die Tiefe fällt. Bei der Übung gelingt es den Feuerwehrleuten auf dem Mast über Minuten erst einmal nicht, die Vergitterungen zu lösen. Mühselig wird probiert, die Schrauben aufzudrehen, während die Nebelmaschine ganze Arbeit leistet und die Floriansjünger in dichte Rauchschwaden hüllt. Bei der Einsatzbesprechung wird klar: Mit einem gezielten Ruck von unten lassen sich die Gitter aushebeln und nach vorne umlegen.

Die Personenrettung in der Albert-Einstein-Straße verdeutlicht, was Sühl meinte, als er zu Übungsbeginn von „kleinen, eingebauten Spezialitäten“ sprach. So geht das Szenario von einer Kohlenmonoxid-Vergiftung der zu rettenden Person durch einen Kamin oder vom Grillen in der Wohnung aus. Das entstandene Gas könnte auch die Retter gefährden. An das Atemgift wird bei einer Türöffnung oft nicht gedacht, da solche Fälle nur höchst selten vorkommen. „Wenn die Kameraden alles richtig machen, verwenden sie beim Öffnen der Tür einen kleinen Kohlenmonoxid-Warner. Er zeigt das Atemgift an“, sagt Sühl. Zu seiner Freude machen die Kameraden alles richtig.

Die anschließende Einsatzbesprechung führt vor Augen, wie groß das Feld zum Umgang mit Gefahrenstoffen ist – und dass bei der Feuerwehr eigentlich nicht genug geprobt werden kann. So hat Kreher immer wieder kleine Anmerkungen und Verbesserungen parat – sei es zur perfekten Ausrichtung der Einsatzfahrzeuge oder wie beim Angriff Zeit gespart werden kann. Auch das „gescheite“ Erkunden der Lage, um Kräfte und Mittel richtig einzusetzen oder die Kommunikation untereinander sind immer wieder Thema. „Ich will den Kollegen vor 50 Jahren nicht zu nahe treten. Aber die Ausbildung heute ist weitaus komplexer und jede Menge Fachwissen ist dazugekommen“, hebt Sühl heraus. Nicht zu vergessen sei die Verantwortung, die beispielsweise ein Gruppenführer für die Gesundheit und das Leben seiner acht Kameraden im Auto übernimmt. „Das zählt umso mehr, da die freiwillige Feuerwehr im Grunde ein Ehrenamt darstellt und immer wieder lapidar als Hobby umschrieben wird“, sagt der Pressesprecher.

Quelle: op-online.de

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