An der Gersprenz zurück zur Natur

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Sie freuen sich über die Zusage des Laandes, die Renaturierung der Gersprenz in Münster zu bezuschussen (von links): Bürgermeister Walter Blank, Heinrich Hess vom Wasserband Gersprenzgebiet und Regierungspräsident Johannes Baron.

Münster - Als die Idee einer Renaturierung der Gersprenz im Bereich Münsters vor sechs Jahren geboren und vor fünf Jahren konkretisiert vorgestellt worden ist, schlugen die Wellen schnell hoch, wogten sofort die Bedenken, die Gemeinde könnte wieder unter Wasser gesetzt und in Teilbereichen überflutet werden. Von Thomas Meier

Daran erinnerte gestern Morgen Bürgermeister Walter Blank, als Regierungspräsident Johannes Baron im Rathaus ihm und dem Geschäftsführer des Wasserverbandes Gersprenzgebiet, Heinrich Hess, einen Förderbescheid in Höhe von bis zu 355 .740 Euro übergab. Dies sind 80 Prozent der Kosten für eine Maßnahme, die Gersprenz über einen Streckenabschnitt von rund 200 Metern zu renaturieren. Rund 465.000 Euro sind für das Projekt veranschlagt, davon wiederum sind 445.000 Euro vom Land als bezuschussungsfähig anerkannt und nunmehr bewilligt worden.

Regierungspräsident Baron erinnerte daran, dass im Germanischen „Ger“ für Wurfspieß stehe, die Vorsilbe „ger“ auch gern für ein wildes, raues Wesen voran gestellt wurde, also Gerda, Gertrud oder Gerhard ungestümes Gemüt bescheinigt werde. „Und einst erlebten die Menschen der Region ihr Flüsschen Gersprenz folglich auch wild und ungezügelt.“

Aus dem Gleichgewicht gebrachte Ökologie ins Lot bringen

So sei es nicht verwunderlich, dass man die Gersprenz zähmen, einschränken wollte. Und die Kanalisation zahlreicher Flüsse hätte somit einst auch gute Gründe gehabt. Gründe, die sich die Kommunen gar viel Geld kosten ließen, so dass manche heute noch daran knappsten und Flussbegradigungen noch nicht überall abgeschrieben seien.

Jetzt würden indes viele solcher Maßnahmen wieder korrigiert, um die aus dem Gleichgewicht gebrachte Ökologie wieder ins Lot zu bringen. So sei die Gersprenz auch ein Naturraum, der man natürliches Verhalten zubilligen müsse.

Andreas Bruns erklärt Landschaftsarchitektin Renate Waldschmitt von Münsters Agenda-21-Gruppe die Planung.

An der Gersprenz auf Münsterer Gemarkung liegt durch Begradigung, Ufersicherungen und einem „monotonen, kastenartigen Abflussprofil“, wie es der Wassertechniker beschreibt, ein naturferner Gewässerzustand vor. Und der entspricht heute nicht den Anforderungen der EU-Wasserrahmenrichtlinie. Zudem ist durch zwei Abstürze die Aufwärtswanderung für Fische und Kleinlebewesen nicht möglich. Darauf ging Andreas Bruns ein. Der Ingenieur für Wasserwirtschaft entwickelte das Projekt für den Wasserverband. Die zu renaturierende Strecke am Ortsausgang in Richtung Eppertshausen hat eine Länge von rund 150 Meter. Dieser in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts vom Reichsarbeitsdienst künstlich und schnurgerade angelegte Flusslauf bekommt nun einen Schwenk über eine der Gemeinde gehörende Ackerfläche. Das Gewässerprofil wird dadurch ausgeweitet, ein naturnahes Wasserbett mit unterschiedlichen Breiten und Wassertiefen wird entstehen, das sich weitgehend eigendynamisch entwickeln kann.

Fischwanderung in der Gersprenz

Auch sollen die Fische wieder besser auf und ab schwimmen können, weshalb die beiden kleinen Abstürze (Wehre) in naturnahe Fischrampen umgewandelt werden sollen. Die geplante Durchschwimmbarkeit im Bereich Münster ermöglicht laut Experten eine Fischwanderung in der Gersprenz zwischen Hergershausen und Dieburg, immerhin eine Streckenlänge von rund zwölf Kilometer. Laut Bruns ist vorgesehen, in den nächsten Jahren durch den Bau weiterer Fischaufstiegsanlagen im Raum Dieburg/Babenhausen den Wanderkorridor für Fische weiter zu vergrößern.

Einige Anregungen der Agenda-21-Gruppe wurden in die Planung eingearbeitet. An einigen Stellen soll der Zugang zur Gersprenz erleichtert werden, so dass auch die Erlebbarkeit des Gewässers für den Menschen verbessert wird. Auf zwei Informationstafeln soll die Maßnahme dem Bürger vor Ort erläutert werden.

Nachdem der Bewilligungsbescheid übergeben wurde, können die vorbereiteten Ausschreibungen rausgehen. Laut Bruns sollen die Arbeiten - rund 6 000 Kubikmeter Erde werden dabei bewegt, allein 600 Kubikmeter Material benötigt man, um das alte Flussbett zu verfüllen - im Oktober beginnen. Das „Winterprojekt“ soll spätestens Ende Februar fertig sein.

Quelle: op-online.de

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