Was Berlin sein Pannenflughafen...

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Schläuche und Pumpsysteme verzieren derzeit das erst geschliffenem Parkett im kleinen Saal der Gersprenzhalle.

Münster - Berlin hat seinen Problem-BER, Münster und der Landkreis die Gersprenzhalle. Wie beim neuen Flughafen in der Bundeshauptstadt läuft an der Gersprenz bei der Dauer-Sanierung maroder Sport- und Mehrzweckhalle nichts zusammen, entsteht aus einem Chaos nur noch ein größeres, teureres. Von Thomas Meier

Mit dem neuen Jahr gehen die Kalamitäten gerade so weiter. Jetzt sind es alte Wasserrohre, die neuen Verdruss bereiten.

Am 22. Januar 2010 berichtete diese Zeitung unter der Überschrift „Neue Fassade für Gersprenzhalle“ über den „reichlich mitgenommenen Zustand“ mittlerweile fast 30 Jahre alter Halle, die nicht nur dem Vereinssport ein Heim bietet, sondern auch als Schulsporthalle dient. Denn eine Besonderheit bei der Gesprenzhalle sind die geteilten Eigentumsverhältnisse. Während der Kreis Eigentümer der Sporthalle ist, gehören das Foyer und der kleine Versammlungsraum der Gemeinde Münster.

Ungeahnter Teuerungsmarathon

Und wie hieß es zu Beginn des damals ungeahnten Teuerungsmarathons: „Rund 1,4 Millionen Euro stecken Kreis und Gemeinde in die Sanierung der Gersprenzhalle.“ Sie werde „energetisch und brandschutztechnisch saniert und in ihrer Funktionalität neu gestaltet“, so damals das Presseamt des Kreises.

Die Liste der anstehenden Arbeiten war bereits lang: Die Dachhaut erneuern, eine Photovoltaikanlage auf dem Dach des Foyers installieren, die Blechfassade einschließlich Dämmung austauschen, zwei Drittel der Pfosten-Riegelfassade auswechseln. „Das sind nur die Arbeiten, die für die Dämmung und die energetische Optimierung notwendig sind“, hieß es aus dem Kreis. Ahnte man schon, dass da noch soviel nachkommen sollte?

Startschuss für die Generalüberholung

Der Startschuss für die Generalüberholung der Fassade fiel in der dritten Februarwoche 2010. Und schon am 20. April des Startjahres stand fest: „Es wird 40 Prozent teurer“. Die Kostenexplosion bei Brandschutz und energetischer Sanierung wurde offenbar. Am 8. September 2010 hieß es dann folgerichtig: „Kein Silvester in der Gersprenzhalle“. Obwohl doch zugesichert worden war, spätestens im Dezember seien die Sanierungsarbeiten abgeschlossen.

2,6 Millionen Euro standen Ende Speptember 2010 bereits im Raum. Die Kommune, die anteilig ein Drittel der Kosten zu tragen hätte, wurde ebenfalls immer höher belastet. Wenigstens stand die Nachricht im Raum, Februar, März 2011 solle die Halle wieder betriebsbereit sein.

„Fortwährend neue Mängel“

Das Foyer der Gersprenzhalle wurde vom Bodenbelag befreit, um den Wasserschaden aus alten Rohren im Estrich wieder trocken zu legen. Es dient derzeit außerdem wegen der Arbeiten in der Dreifelderhalle als Lager für Sportgeräte.

Doch was titelt die OP am 11. März 2011: „Fortwährend neue Mängel“. Dies betraf hauptsächlich Foyer, Küche und kleinen Saal der Gersprenzhalle. Mithin jenen Teil, der von den Vereinen der Kommune so stark frequentiert und genutzt wird. Die Situation wuchs sich für die betroffenen Institutionen zum großen Problem aus. Zahlreiche Turniere, Treffen, Vorträge und anderweitige Veranstaltungen mussten abgesagt werden. Den Nutzern der verschiedenen Vereine wollte nicht einleuchten, weshalb sich die Baumaßnahmen derart in die Länge ziehen können. Sie murrten langsam auf gegen die weiteren Vertröstungen und Versprechen, bald habe es ein Ende mit der hallenlosen Zeit.

Aber: „Abläufe nicht optimal koordiniert“ lautet die Schlagzeile am 7. Oktober 2011. Und weiter heißt es: Dieser Zustand ist von Dauer, ein Ende scheint erneut in weite Ferne gerückt - für die Sommerferien des kommenden Jahres ist die Fertigstellung des zweiten Bauabschnitts geplant.“ Unsere Mitarbeiterin Jasmin Frank schrieb: „Immer lauter werden die Vorwürfe seitens der Vereine, auch die Verwaltung Münster sieht sich mittlerweile mehrfach getäuscht und allein gelassen von den Verantwortlichen.“

Die Bauabschnitte

Für den ersten Bauabschnitt (Foyerflächen und Außenhaut der Halle) wurden bereits laut Kreis zu diesem Zeitpunkt 2,6 Millionen Euro investiert. Der zweite Bauabschnitt sollte laut Schätzung aus August 2011 nochmals 1,2 Millionen Euro kosten. „Die Gemeinde trägt ein Drittel der Investitionskosten“, verlautbarte die Kreispressestelle. Bis Ende 2012, so hieß es nun, benötigten Münsters Schüler und Vereine Ausweichquartiere.

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Doch auch die weiteren Termine wurden nicht gehalten. Lange schon sind die Sommerferien vorbei, doch noch immer gleicht die Schulsporthalle einer Großbaustelle. Und bis auf ein kurzes Intermezzo können nun schon wieder die Vereine nicht Foyer oder kleinen Saal nutzen. Diesmal sind es alte Rohre, die unter teilsanierter Fassade geborsten sein sollen. Das Ende des Jahres, es war hallentechnisch gesehen ein trauriges. Wie lange sich dies Trauerspiel wohl noch fortsetzt? Das fragt sich nicht nur unser Leserbriefschreiber.

Quelle: op-online.de

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