Gesperrter Bahnübergang

Schluss mit lustig auf der L3095

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Aller Gefahr zum Trotz: Zahlreiche Fußgänger und Radler querten den geschlossenen und vielfach sichtbar gesperrten Bahnübergang auf der L 3095. Erst zwischen Altheim und Münster wurden sie der Sperre gewahr. Ein weiträumige Umleitungsausschilderung fehlte gänzlich.

Münster-Altheim - Zwischen den Jahren kann man sich ganz schön verloren vorkommen. Diese Erfahrung mussten alle  Radler, Fußgänger und Autofahrer machen, die von Heiligabend, 17 Uhr, bis gestern die Landesstraße 3095 von Münster nach Altheim oder umgekehrt nutzen wollten. Von Thomas Meier

Mitten auf der Plane, genauer: am Bahnübergang, war nämlich Schluss. Und dies völlig ohne Vorwarnung. Kein Schild, das in Münster oder am Abzweig Altheim darüber informierte, dass wegen eines technischen Defekts der Bahnübergang geschlossen ist. Erst unmittelbar an der Schrankenanlage sah man das Meer von rot-weiß: auf Warnbaken, an aufgestellter Plastikmauer, auf flatterndem Trassierband. Doch da stand man halt schon mitten in der Pampa. Wer nun Genaueres über das Warum und vor allem das Wie-lange wissen wollte, sah sich wahrer Sisyphusarbeit gegenüber.

Die Polizei in Dieburg wusste am ersten Feiertag nur zu vermelden, dass da wohl ein technischer Defekt vorliege, die Bahnpolizei jedoch informiert sei. Deren Pressestelle war nicht besetzt, vom Notfallmanagement war nach zweifacher Rückfrage zu hören, dass der Fall bekannt sei und etwas unternommen werde. Wie lange das dauere? „Herrje, wir haben Weihnachten.“

Am zweiten Feiertag hieß es seitens der Bahnpolizei, man sei nicht zuständig. Bei Defekten, die direkt vor Ort bereits abgesichert seien, wende man sich vertrauensvoll an die Pressestelle der Bahn. Wenn nicht die in Frankfurt, dann vielleicht die in Berlin... Nun, der Polizist vom Dienst in Darmstadt war so nett, in sein Wachbuch vom Vortag zu schauen, und so konnte unsere Zeitung bereits am Mittwoch vermelden, dass ein Hydraulikschaden vorliege, der jedoch erst nach den Feiertagen behoben werden könne.

Pressestelle der Bahn weiß von nichts

Nach den Feiertagen ist zwischen den Feiertagen: Die Pressestelle der Bahn in Frankfurt wusste noch nichts von der gesperrten Landesstraße zwischen Münster und Altheim („Münster in Westfalen? – Nein, bei Dieburg. – Triburg in der Pfalz?“). Schon gar nicht, warum und wie lange der Bahnübergang zu sein soll. Man mache sich aber umgehend kundig, hieß es am Morgen um 10 Uhr. Die Nachfrage um 12 Uhr brachte nur den Vorwurf, dass es schließlich „zwischen den Jahren“ sei und der Kollege, der Auskunft geben könnte, Nachtschicht gehabt hätte. Man müsse sich „zwischen den Jahren“ eben ein wenig gedulden.

Also den Pressesprecher der Polizei in Darmstadt angerufen, ob wenigstens eine weiträumigere Beschilderung auf den Dauermisstand hinweisen könnte. Doch der war beim Straßenbahnunfall in Darmstadt vor Ort, verwies auf die zuständige Polizeistation Dieburg. Dort war eine sehr hilfsbereite Polizisten am Telefon. „Worum gehts es? Beschilderung wegen der gesperrten L3095? Da sind sie heute schon der sechste oder siebte Anrufer. Ich weiß auch nicht genau, vielleicht ist die Straßenmeisterei oder Hessenmobil zuständig. Ich kümmere mich.“

„Keine Schilder mehr auf Lager“

Tatsächlich. Eine halbe Stunde später der Rückruf der Beamtin: „Also, zuständig ist wohl Hessenmobil. Aber von dort bekam ich nur die Auskunft, sie hätten keine Schilder mehr auf Lager.“ Auf Nachfrage stellte sich heraus: Sie hatte mit Schmidt, nicht etwa mit Schmidtchen telefoniert. Ihr letzter Satz ließ hoffen: „Vielleicht kann eine behelfsmäßige Ausschilderung angebracht werden.“

Nun, die war bis zum späten Nachmittag nicht angebracht, sollte auch nie kommen. Dafür der Rückruf von der Bahn-Pressestelle aus Frankfurt um 16.10 Uhr: „Also: Da ist der Säulenantrieb am Bahnübergang defekt. Ein neuer wird bestellt. Wann der aber kommt, wissen wir nicht. Solange bleibt der Übergang gesperrt.“ Die Frage nach einer weiträumigen Ausschilderung quittierte die Bahnauskunft so: „Wir haben die Sicherungspflicht direkt am Bahnübergang. Mehr nicht“.

Gestern morgen banger Anruf in Frankfurt. Gibt es was Neues? Die Kollegin, die „den Fall bearbeitet“, war im Moment nicht auf ihrem Platz. Dafür schneite der Kollege in der Redaktion herein mit der Nachricht: „Ist wieder alles offen.“ Schnell aufgelegt, die Leitung nach Frankfurt. Es ist vorbei.

Quelle: op-online.de

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