Gewerbeverein geht in Offensive

Ein Blumenverkauf postierte sich auf dem Franz-Gruber-Platz. -  Fotos (2): Just

EPPERTSHAUSEN - Ein Gespräch am Samstag auf dem Franz-Gruber-Platz (FGP): „Manchmal sieht man hier minutenlang keinen Menschen. Dann fühlt man sich an einen Westernfilm erinnert, wenn diese Grasbüschel vorbeirollen. “ – „Das ist doch wie überall. Von Michael Just

Die Zentren sterben aus und die Geschäfte gehen in die Stadt oder auf die Grüne Wiese. “ Dass Eppertshausen dabei keine Ausnahme macht, ist schon seit Längerem sichtbar: Von den rund 15 Geschäften auf dem FGP stand kürzlich noch fast die Hälfte leer.

Am Wochenende ging der Gewerbeverein (GV) mit „Erlebnistagen“ in die Offensive: Ziel war es, das Herz der Gemeinde mit Leben zu erfüllen. In den leeren Läden fanden Aktionen statt, dazu wurden sie mit Auslagen bestehender Geschäfte bestückt. Im ehemaligen Schlecker ließen sich auf diese Weise Schuhe und Spielsachen kaufen, dazu mehr über eine Klangschalen-Massage oder eine lokale Schreinerei erfahren. Auf dem FGP präsentierten sich ein KfZ-Service, eine Motorsport-Firma und ein Blumenverkauf.

„Ansässige Geschäfte sollen ihr Angebot zeigen und parallel wollen wir neue Ladeninhaber werben“, erzählt GV-Schriftführerin Gerlinde Kronawitter. Sie weiß um die Probleme vor dem Rathaus: „Es gibt zu wenig Laufkundschaft. Die meisten Leute gehen gezielt zur Postagentur oder ins Restaurant.“

Für Kronawitter müssen neue Ladeninhaber deshalb Durchhaltevermögen und Selbstbewusstsein mitbringen. Für den Vorsitzenden des GV, Michael Wildhirt, liegt die Problematik bei den Vermietern. Hier würde zu wenig Werbung für die Läden betrieben. Der Politik oder der Gemeinde macht er keinen Vorwurf: „Die können keine Mieter suchen. Das ist nicht deren Aufgabe.“ Das sei auch nicht die Aufgabe des GV. „Wir sind Netzwerker“, hebt Kronawitter dazu hervor und ergänzt, dass GV und Gemeinde jeden Interessenten mit Rat und Tat unterstützen. Viel eher sieht sie die Bürger in der Pflicht, beim lokalen Gewerbe zu kaufen.

Den Spielraum der Gemeinde zur Belebung des FGP betrachtet Bürgermeister Carsten Helfmann als eingeschränkt: „Die Geschäfte befinden sich nicht in der Hand der Gemeinde. So bleibt bei den Mieten kein Spielraum.“ Subventionen seien ebenfalls problematisch: „Dann müssten alle Gewerbetreibenden in Eppertshausen davon profitieren und nicht nur der FGP.“

Das Absenken des Gewerbehebesatzes wirft für den Verwaltungschef die Problematik einer Gegenfinanzierung auf. „Wir können als Mittler und beim Kontakt zu den Vermietern helfen. Dazu werden wir alles unterstützen, was den Platz attraktiver macht“, so Helfmann.

Dass die Lage sich bessert, zeigt die jüngste Vermietung von zwei Läden. Klaus Karach und Helga Schäfer gehören zu den Neuen. Als Physiognomiker und damit als Gesichtsleser wollen sie Krankheiten durch Gesicht- und Charakterlesen heilen. Der Malermeister, der eine schwere Krankheit überwunden hat, ist im Ort als ehemaliger GV-Vorsitzender bekannt. Er weiß um die Probleme auf dem FGP. Angst, dass in seinem Laden nichts los sein wird, hat er nicht: „Die Laufkundschaft interessiert uns weniger. Wir arbeiten vorwiegend nach Terminvereinbarung.“ Dazu sei die Miete günstig.

Das wird auch im neuen Rundfunkladen nebenan bestätigt. Der kam aus dem Rodgau. „Dort wuchs mir die Miete über den Kopf. Hier bezahle ich zwei Drittel weniger“, sagt der 71-jährige Inhaber. Dass der FGP als verwaist gilt, stört ihn nicht: „Aufgrund meines Alters will ich ohnehin ein bisschen weniger machen.“

Einen besonderen Fortschritt sehen GV und Bürgermeister darin, dass nun einmal pro Woche Markt ist. Die Kundenzahl bewegt sich zwischen stattlichen 150 und 200 Käufern. Der Gemüsehändler soll bald weitere Verstärkung bekommen.

„Das ist klasse“, freut sich Helfmann, dass dieses seit Jahren verfolgte Ziel zur Belebung des FGP nun Früchte trägt. Wie Kronawitter ankündigt, will der Gewerbeverein künftig mit geänderten Strukturen verstärkt neue Ideen und Konzepte präsentieren und aufzeigen, dass er neben seinen Mitgliedern für ganz Eppertshausen da ist. „Man wird öfter von uns hören“, kündigt der Vorstand an.

Quelle: op-online.de

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