Gerücht sofort mit Zertifikat begegnen

„Reiner Kompost“

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Friedhard Böhm, landwirtschaftlicher Lohnunternehmer, beackert jetzt bei Altheim Flächen, die stark vernachlässigt wurden. 300 Tonnen Kompost sollen der Rekultivierung dienen. Gerüchten, da seien sicher Klärschlämme drin, tritt er gelassen mit Zertifikat in der Hand entgegen.

Altheim - 300 Tonnen Kompost lagern seit einigen Wochen auf einem Feld vor Altheim, das bis vor kurzem noch vom Münsterer Ortslandwirt bestellt wurde, der nicht nur wegen seiner vernachlässigten Rinderhaltung in Misskredit kam.

Schon machte das Gerücht die Runde, dass da sicher illegal, aber gewinnbringend Klärschlämme deponiert worden seien. Doch mitnichten: Es ist reiner, biologisch zertifizierter Kompost aus Grünschnitt. Und er soll hauptsächlich dazu dienen, vernachlässigte Felder besagten Ortslandwirtes wieder für die Landwirtschaft fit zu machen. Das Beste am riesigen Komposthaufen: „Alle Altheimer Kleingärtner und Interessierte können sich kostenfrei für den persönlichen Bedarf bedienen.“

Der das sagt, ist Friedhard Böhm, landwirtschaftlicher Lohnunternehmer aus Ober-Ramstadt und gelernter Betriebswirt. Er pachtete bereits einige der zuvor vom mittlerweile zwangsgeräumten Altheimer Bauern bewirtschafteten landwirtschaftlichen Flächen an. Und er ist nun auf der Suche nach den Eigentümern weiterer Äcker und Wiesen, die bislang an den zwangsgeräumten Bauern verpachtet waren. „Ich suche Ackerland, um es sachgerecht zu bewirtschaften“, sagt der studierte Betriebswirt, und er weiß, „dass auch viel Arbeit vonnöten ist, bis diese Flächen agrartechnisch wieder richtig genutzt werden können.“

Als er vom Gerücht um seinen zwischen Altheim und Richen gelagerten Kompost hörte, meldete er sich sofort und mit schriftlich hieb- und stichfest fixierten Argumenten: Böhm ließ sich bereits vor dem Kauf einen Prüfbericht für seinen Kompost anfertigen. Die Firma eurofins Agraranalytik bescheinigt: „Der Kompost entspricht hinsichtlich der analysierten Parameter den Anforderungen der Bioabfallverordnung.“ Gleichfalls auch der Düngemittelverordnung, und damit ist der von einem Dutzend Lastkraftwagen angefahrene Komposthaufen reiner, als es der Inhalt einer Biotonne je bescheinigt bekommen könnte.

Auf rund 30 Hektar Ackerland, überwiegend ehemals von dem Altheimer Ortslandwirt bestellte Fläche, die nun Böhm gepachtet hat, sollen die 300 Tonnen aufgebracht werden, um den Humusgehalt auf den überwiegend sandigen Böden aufzubessern. Nicht nur, dass die Erde viel Sand aufweist, die Äcker wurden auch lange stark vernachlässigt. Direkt ans Kompostlager grenzt ein Feld an, auf dem vor drei Jahren Gerste gesät wurde. Aber nie geerntet. „Dort wuchert das Unkraut ins Gigantische“, sagt Böhm. Auch giftige Pflanzen mischten sich ins Brachland. Es soll – so nach ein bis drei Jahren sachgerechter Beackerung – einmal eine landwirtschaftlich-ökologische Fläche werden, wünscht sich der Betriebswirt. „Mit dem biozertifizierten Kompost befeuern wir jetzt die Regenwürmer, die uns schon bald besten Ackerboden bereiten“, sagt Böhm, der nicht nur im heimischen Raum als Landwirtschaftsexperte ein gefragter Mann ist. In der Ukraine ist er für Großbetriebe Agrarberater in Sachen Technik, er schaut, was dort an Gerätschaften zu den jeweiligen Böden passt. Und in diesem großen Land in Osteuropa müssen zu den Riesen-Ackerflächen auch solche Gerätschaften ran. (tm)

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Quelle: op-online.de

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