Ghana-Hilfe-Tag

Afrika in die Kulturhalle getrommelt

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Afrikanische Holzschnitzer zeigten ihre Handwerk. Nach wenigen Axthieben waren bereits Figuren zu erkennen

Münster - Ein Schritt in die Kulturhalle, und man konnte es riechen. Und es war nicht zu überhören. Die Treppe hinauf, und es war zu sehen. Von Thomas Meier 

Greifbar lag dem Besucher am Samstag Afrika zu Füßen, ließ er sich auf ein farbenprächtiges Erlebnis mit einem Feuerwerk an abwechslungsreichen Programmpunkten ein. Der sechste Ghana-Hilfe-Tag des bundesweit wirkenden Vereins Nima mit Sitz in Münster nahm dabei noch mehr Raum in der Halle ein als zuvor. Begann vor sechs Jahren der Reigen im Foyer, so nahm man schnell die Halle in Beschlag, dann ging es bis vor die Bühne, die jetzt auch trefflich mit ins Geschehen integriert wurde.

Gut so, denn bereits vor dem Start um 14 Uhr hatten sich die Plätze in der Halle schon gut gefüllt und bis zum Ende in der späten Nacht waren „sicherlich über 1000 Besucher da“, wie Nima-Vorsitzende Anna Zaaki strahlend berichtet. Über 60 Helfer hatte der Ausrichter rekrutiert, die Afrika-Fete nach dem Plan der acht Ideengeber aus dem Organisationsteam auf die Beine zu stellen. Wie viele Akteure sich an den vielen Programmpunkten beteiligten, weiß niemand genau zu beziffern.

Elefanten, Giraffen und Landschaft

Tanee war in ihrem Element: Zu den Trommeln von Akrowa hielt sie nichts am Platz, zu diesem Sound musste sie tanzen.

Schon der Schulchor der John-F.-Kennedy-Schule kam in Kompaniestärke auf die Bühne vor das sonnenüberflutete Bühnenbild mit Elefanten, Giraffen und Landschaft, um aus dem Afrika-Musical Kwela Kwela einige für deutsche Zungen schwer aussprechbare Lieder zu intonieren. Auch der Musikverein Münster ließ sich nicht lange bitten und kam mit Orchester, etliche afrikanische Titel zu interpretieren, mit denen es bereits im vergangenen Jahr im Konzert brillierte. Totos „Afrika“ begeisterte am Samstag das Publikum, bevor es etwas weniger aufmerksam den Worten des Schirmherren, Bürgermeister Walter Blank, und Kreisbeigeordneter Rosemarie Lück lauschte. Beide versicherten, gern diesen Termin im Jahreskalender Münsters wahrzunehmen, weil er eben etwas ganz Besonderes und auch noch karitativ sei. Und weil es dieses Bürgermeisters letzte Schirmherrschaft in der Funktion war – er geht dieses Jahr in den Ruhestand – wurde er auch mit einer afrikanischen Schnitzerei bedacht.

Sie war wohl schon vorher vorbereitet worden. Doch ein Grund des Publikums, anderweitig orientiert zu sein als auf die Bühne, waren die beiden afrikanischen Schnitzer, die im Foyer die Späne fliegen ließen, um mit Axt und Messer typische Handwerks-kunst entstehen zu lassen. Auch diese Hack- und Schnitzgeräusche gehören mittlerweile unverwechselbar zum Ghana-Tag hinzu. Durchs Programm führte in bewährter Manier Günter Frey, Vater der Nima-Vorsitzenden. Er empfahl den Besuchern auch den Weg hinter die Bühne, wo der Geschichtenerzähler und Schriftsteller Prof. Dr. Michael Tonfeld mehrfach ein interaktives Erzähltheater mit seiner Riesenachatschnecke Wabibio nicht nur für Kinder bot.

Wer kann am lautesten trompeten? Münsters Musikverein jedenfalls intonierte Totos „Afrika“ sehr sensibel.

Fester Bestandteil des Ghana-Tages ist David Arthur Hagan, Tänzer und Trommler aus Afrika, der mittlerweile in Finnland lebt, aber nicht fehlen möchte, „weil die Stimmung in Münster immer fantastisch gut ist“. Mit seiner afrikanischen Tanz-Choreographie begeistert der farbenfroh gekleidete Charming-Boy nicht nur die kleinen Gäste. Genau diese animiert er allerdings stets zum begeisterten Mittanzen. Und den ganzen Saal zum rhythmischen Abheben brachten die Trommelkünstler von Akrowa. Sie ließen Afrika phonetisch Einzug halten in auch die letzte Hallenritze. Ihr Sound of drums übertönte selbst das letzte Kindergeschrei oder muntere Geplaudere an Tisch und Bänken in der Halle. Die Trommler und ihre Instrumente gaben ihr Bestes und Lautestes.

Ghana-Hilfe-Tag in Münster

Ghana-Hilfe-Tag in Münster

Zwischen all den exotischen Programmpunkten tummelten sich allerlei weitere Attraktionen. Der Weltladen Eppertshausen stellte eine Auswahl aus seinen Fair-Trade-Produkten vor, eine Tombola lockte mit schönen Preisen, die Kuchen- und Kaffeetheke war stets umlagert, das später angelieferte afrikanische Essen fand sich hinter einer nicht enden wollenden Schlange Anstehender, in der Kinderschminkecke wurde Farbe pfundweise verarbeitet, eine Bildermalmaschine war umlagert, Infostände zogen Blicke an, eine afrikanische Modenschau zeigte exotische Bekleidung und noch viel mehr.

Und war der Nachmittag überwiegend von Familien besucht, so änderte sich das Publikum zum Abend hin, als erstmals „Capoeira Sao Salvador“ eine Kunst-Kampfsport-Performance inszenierte und sich eine rauschende Afro-Reggae-Party anschloss. Die Kinder träumten von Riesenschnecken und Elefanten, die Jugend übernahm die Tanzfläche und viele Erwachsene konnten sich überhaupt nicht trennen von Afrika.

Quelle: op-online.de

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