Grillordnung schafft Grabesruhe

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Ein Bild aus vergangenen Zeiten: Dass sich in Münster Gesellschaten zu Grillfesten treffen, bis vor einem Jahr bei schönem Wetter gewohnter Anblick, wird durch die neuen Regeln unterbunden. „Weltfremde Ordnung“, kritisieren Verprellte. - Foto:

Münster - Vor einem Jahr schlugen die Wellen in der Gemeindevertretung hoch: Zuviele Anhänger des Open-Air-Grillens bevölkerten die Freizeitzentren, darunter viele Nicht-Münsterer mit Migrationshintergrund. Von Michael Just

Eine neue Verordnung für das Brutzeln auf öffentlichen Freizeitgeländen wurde verabschiedet. Wie wirkt sich die Neuerung aus? Am Pfingstmontag herrscht um die Mittags- und damit zur besten Grillzeit im Freizeitzentrum eine fast unheimliche Stille vor. Auf dem riesigen Areal lassen sich gerademal sieben Menschen ausmachen: Drei Angler, ein Pärchen auf einer Kuscheldecke sowie ein weiteres junges Paar am mitgebrachten Grill. „Letztes Jahr war´s hier proppenvoll, überall Menschen die picknickten“, erzählen die Grillfreunde verwundert über die wundersame Leere des Platzes.

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Zwist um Ordnung in Freizeitzentren

Wie sie vermuten, liegt das wohl an der neuen Grillordnung, die die Menschen trotz des Feiertags und Kaiserwetters fernhält. An den Einfahrten ins Zentrum sind die neuen Regeln in deutscher, englischer und türkischer Sprache ausgehängt: „Achtung Änderung!“ heißt es da. „Grillen auf mitgebrachten Grills ist ab sofort verboten. Grillen ist nur auf den ausgewiesenen Grillstellen mit Genehmigung erlaubt.“

„Das gilt seit 1. Januar für die Freizeitzentren in Münster und Altheim“, erzählt Volker Gilbert von der Gemeinde Münsterer. Vor allem wegen des Brandschutzes sei man hier tätig geworden. Für die Anmietung der Grills ist eine Gebühr von 20 Euro sowie eine Kaution von 50 Euro zu bezahlen.

Alternative Lösungen außerhalb der „Beamtenzeiten“

Am Pfingstmontag schien es so, dass die Verordnung dazu führt, dass nun gar nicht mehr brutzelt oder lieber woanders gegrillt wird. Zumindest blinkte an allen drei Grillstationen in Münster das große Vorhängeschloss in der Sonne.

Die ausgehängten, neuen Regeln scheinen sich bereits rumgesprochen zu haben.

Nur am mitgebrachten Grill des deutschen Pärchens aus Reinheim, das noch auf die Familie wartet, werden Steaks gewendet. Allerdings mit schlechtem Gewissen: „Wir wollen keinen Äger“, sagen die jungen Akademiker. „Aber am Samstag, als wir uns zum Grillen entschieden haben, erreichten wir im Rathaus keinen.“ Der 28-Jährige plante sogar, nach Pfingsten auf die Gemeinde zu gehen und die Situation zu erläutern. Den Hinweis, das Grillen im besten Fall zwei Wochen vorher anzumelden, findet er aber alles andere als sinnig: „Grillen ist eine spontane Sache und oft wetterabhängig. Das kann man doch nicht so einfach bürokratisieren und mit einer Kaution und einer Reihe von Behördengängen verbinden.“ Für ihn müssten alternative Lösungen außerhalb der „Beamtenzeiten“ her, beispielsweise dergestalt, dass man den Schlüssel privat oder an einer Tanksstelle hinterlegt.

Laut Volker Gilbert soll sich die Situation ab 1. Juni ändern, wenn der Kiosk-Pächter im Freizeitzentrum öffnet. Dann würden Schlüssel und Kaution unkompliziert gehandhabt werden können.

„Müllproblem im Griff - Freizeitzentrum tot“

Für das Altheimer Freizeitzentrum sei man derzeit ebenfalls daran, eine Rufbereitschaft und einen Mitarbeiter zu rekrutieren. Das scheint nötig, denn dort herrschte über Pfingsten ebenfalls gähnende Leere vor. Wo sonst acht bis zehn südländische Großfamilien verweilten, war am Pfingstmontag nur ein Mann im roten T-Shirt und ein türkischer Vater, der mit vier Kindern Tee trank, auszumachen. „Wir kommen seit Jahren. Die neue Verordnung ist uns mit der Kaution zu aufwendig. Meine Frau kocht zuhause und bringt das Essen dann her“, sagt der Familienvater. Dass kleinere Gruppen bereit sind, 20 Euro fürs Grillen zu bezahlen, glaubt er nicht. Der Mann im roten T-Shirt entpuppt sich als Mitarbeiter einer Security-Firma, die die Gemeinde engagiert hat, um das wilde Grillen zu verhindern. Von 10 bis 19 Uhr lässt es sich die Verwaltung etwas kosten, auf die Einhaltung der Verordnung zu drängen.

„Das ganze Pfingstwochenende wars hier sehr ruhig“, erzählt der Mann. Einige wollten die Kaution an ihn bezahlen: „Dazu bin ich aber nicht befugt, weshalb sie wieder wegfuhren.“ Wie der Wachmann heraushebt, verstehe er die Gemeinde mit ihrer Kaution. Er selbst habe hier schon „Sauereien“ mit Glasscherben, massig Kot im Gebüsch und Müllbergen allenthalben erlebt. Das müsse doch alles gereinigt werden und koste Geld.

„Müllproblem im Griff - Freizeitzentrum tot“, bilanzieren zwei Mountainbiker, die zufällig vorbeikommen. Danach diskutieren sie die schwierige Frage, ob das Geld besser bei einer Sicherheitsfirma oder der Müllentsorgung mit einem belebten Freizeitzentrum angelegt ist. Der türkische Familienvater wundert sich wenige Meter weiter immer noch über die Einsamkeit: „Es ist Feiertag und keine Leute sind da“, führt er schmunzelnd an. „Für mich ist das besser“, ergänzt er überraschend, während er sich zurücklehnt und die Ruhe genießt.

Quelle: op-online.de

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