Große Überraschung bei SPD-Vortrag

Gelassen-freundlicher Aktivposten

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Elke Müller ist Vorbild für ein vielfältiges, ehrenamtliches Engagement. Am Dienstag bekam sie den Landesehrenbrief von Landrat Schellhaas verliehen.

Münster - Die Verleihung eines Landesehrenbriefes ist eigentlich immer als eine Überraschung gedacht. Doch oft dringt ein Wink schon im Vorfeld an die Geehrten durch, auch weil die Vereine selbst die Auszeichnung vorschlagen und begründen. Von Michael Just

Am Dienstagabend im Kaisersaal war das „semi-offene Geheimnis“ im Vorfeld noch nicht raus. Ins alte Lichtspielhaus hatte der SPD-Ortsverein zu einem Vortrag über August Bebel geladen, der im vorletzten Jahrhundert die Entwicklung der Sozialdemokratie in Deutschland maßgeblich mitbestimmte. Diese Woche jährte sich sein Todestag zum 100. Mal. Doch mit dem Vortrag über Bebel nicht genug: Im Anschluss bekam Elke Müller den Ehrenbrief des Landes Hessen von Landrat Klaus Peter Schellhaas überreicht. Die Überraschung zeigte sich schon deshalb geglückt, weil Elke Müller humorvoll mit einem Satz reagierte, wie er wohl von vielen Frauen in diesem Moment gekommen wäre: „Hätte ich’s gewusst, hätte ich was anderes angezogen“. So nahm die 61-Jährige eine der höchsten Auszeichnungen für gesellschaftliches Engagement mit T-Shirt und Jeansjacke entgegen, was nach Meinung vieler Gäste ohnehin besser zu ihrer umkomplizierten und sympathischen Art passte.

Heidemarie Wieczorek-Zeul sprach über Bebels Frauenbild.

Für den Vortrag über August Bebel war es dem SPD-Ortsverein gelungen, die bekannte SPD-Politikerin Heidemarie Wieczorek-Zeul in die Heimatgemeinde zu holen. Unter der Überschrift „August Bebel und die Frauen“ stellte die ehemalige Entwicklungsministerin dessen Wirken vor. Zu seinen Leistungen gehört unter anderem das Buch „Die Frauen des Sozialismus“, das ihn zum Wegbereiter für das Wahlrecht der Frauen 1919 in Deutschland machte. Wieczorek-Zeul beleuchtete die Errungenschaften Bebels und den langen Weg der Frauenrechte von der Vergangenheit bis zur Gegenwart mit Themen wie Entgeltgleichheit und Quotenforderungen. Im Anschluss stand die Ehrung von Elke Müller an. Die Laudatio hielt SPD-Ortsvereinsvorsitzender Gerald Frank, die Ehrung nahm Landrat Klaus Peter Schellhaas vor. Er war zusammen mit Vize-Landrätin Rosemarie Lück gekommen. Des Weiteren ergänzte die Direktkandidatin für Berlin, Brigitte Zypries, die Runde. Die Verleihung des Landesehrenbriefs an die Genossin passte schon deshalb ins Programm, da Elke Müller sich seit Beginn ihres politischen Wirkens für Frauen einsetzt.

Seit 20 Jahren Mitglied

1984, im Alter von 32 Jahren, trat die Mutter eines Sohnes in die SPD ein. Seit 20 Jahren ist die Steuerfachangestellte Mitglied in der Gemeindevertretung. Von ihrem fachlichen Wissen profitiert der Haushalts- und Finanzausschuss. Im Vorstand ihrer Partei engagierte sich Müller über viele Jahre, auch mit dem Vorsitz (1997 bis 2009). 1985 gründete sie den „AKUPO“ (Arbeitskreis Kultur und Politik der SPD), der das kulturelle und politische Kulturangebot in Münster ergänzen will. In der Münsterer Agenda 21-Gruppe ist sie seit Bestehen 1999 engagiert. Dazu gehört sie dem Vorstand der Arbeiterwohlfahrt als Rechnerin an. „Elke Müller hat das Erscheinungsbild der SPD in der Öffentlichkeit über viele Jahre geprägt. Mit ihrem leidenschaftlichen und sozialen Engagement ist sie ein kaum zu überbietendes Vorbild für die parlamentarische Demokratie“, lobte Frank. Ihr Engagement für Frauen zeigte Elke Müller als Gründungsmitglied des Vereins „Frauen helfen Frauen“. An der Suche für ein Frauenhaus im Landkreis war sie entscheidend beteiligt. Seit zwei Jahrzehnten ist sie bereits Delegierte für die Konferenzen der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen in der SPD Hessen Süd. Damit gehört sie zu den wichtigen Köpfen der Frauenpolitik im Landkreis.

„Elke Müller ist einer der Aktivposten im Ortsverein“, lobte Gerald Frank. In ihrer Arbeit vertrete sie soziale Gerechtigkeit und die Hilfe für Benachteiligte. Sie habe der Partei ein Gesicht nach außen gegeben und sei als „informelle Ansprechpartnerin bei den Bürgern beliebt“. Durch viele Kontakte kenne sie deren Probleme und Nöte. In seiner längeren Laudatio ließ Frank kaum noch Fakten für den Landrat übrig. Schellhaas hob hervor, dass Müller Demokratie ehrenamtlich lebe. „Deine Gelassenheit und Freundlichkeit ist ansteckend“, ging Schellhaas kurz darauf auf das Menschliche über. Sie habe ein Herz für Bedürftige. Das zeige sie für eine alte Frau im Altenwohnheim, für die sie einkauft und deren Wohnung sie in Ordnung hält.

Norbert Schewe schloss sich den Glückwünschen im Namen der Gemeinde Münster an. Er lobte Müllers Einsatz zum Wohl der Bürger. In ihrer Dankesrede zeigte sich die Geehrte bescheiden: Als Motor hätte sie zwar vieles angestoßen, aber selten alles alleine umgesetzt. Dazu seien nicht wenige Dinge schon ein paar Tage her. Die Verleihung des Landesehrenbriefs an Elke Müller zeigte nun, dass die Auszeichnung nicht nur für eine Überraschung gut ist, sondern sämtliche Leistungen in einem engagierten Leben nicht vergisst.

Quelle: op-online.de

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