An Halle ist viel im Eimer

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Hässlicher Blickfang in schmucker Kulturhalle: Ohne den Putzeimer fürs von der Decke tropfende Wasser wären die Schäden noch viel größer, weiß Hausmeister Udo Schneider.

Münster ‐ Noch scheint die Sonne durch die große, schräge Glasfront ins Obergeschoss des Foyers der Münsterer Kulturhalle. Doch schaut Udo Schneider sorgenvoll auf die am Horizont bereits dräuenden, schnell heranziehenden Gewitterwolken. Von Thomas Meier

Des Hausmeisters Blick gleitet hinunter auf das hellbraune, ebenmäßig verlegte Parkett. Und auf den grünen Plastikeimer, der auf Putzlappen gebettet mitten im Foyer einen krassen Blickfang abgibt, weil er so gar nicht ins schmucke Ambiente der von außen ebenfalls so hübsch anzuschauenden Kulturhalle an der Friedrich-Ebert-Straße passt. Aber doch so dringend notwendig ist wie zahlreiche weitere aufgestellte Wasserauffangbehälter im gesamten Bauwerk, das im September 1996 eingeweiht wurde und seit rund zehn Jahren wegen immer wiederkehrender Wasserschäden der Gemeinde mehr als nur Kopfzerbrechen bereitet.

Mit bauausführenden Firmen, Ingenieurbüros und beteiligten Handwerksbetrieben gibt es seitdem gerichtliche Auseinandersetzungen. Es geht um Baumängel, nicht erfüllte Garantieansprüche, groben Pfusch am Hallenwerk. Zwar hat sich übers Jahrzehnt die Gemeinde mit zahlreichen Beteiligten einigen können, doch ein schwebendes Verfahren beschäftigt die Anwälte stets aufs Neue, zwingt Bürgermeister Walter Blank und die Verwaltung zum Stillhalten, soll nicht noch mehr Geld in den Sand gesetzt werden.

Jetzt informierte der Verwaltungschef in nichtöffentlicher Sitzung die Gemeindevertretung vom Sachstand. „Ich bin - wieder einmal - guter Hoffnung, dass zum Jahresende auch ein Abschluss dieses scheinbar ewig währenden Dilemmas erreicht sein wird“, sagt Blank, zugebend, bereits seit Jahren von solchem Ergebnis zu hoffen und zu reden.

Gemeinde beruft sich auf Architektenhaftung

Rund elf Millionen Euro ließ sich die Gemeinde ihre gute Stube vor 15 Jahren kosten. Doch schon nach fünf Jahren war an vielen Stellen nicht nur der Lack ab. Erste dunkle Wolken zogen auf, als zur Jahrtausendwende ein Schwindel aufflog. Staatsanwaltliche Ermittlungen nach Beweisen, dass bei der Auftragsvergabe nicht alles nach rechten Dingen zuging, waren erfolgreich. Der kommunale Bauamtsleiter wurde geschasst, die Angelegenheit kam vor Gericht. Rund ein Dutzend Verantwortliche wurden verhört, gegen vier von ihnen schließlich gerichtlich ermittelt. Vorwürfe: Ausschreibungsbetrug, Bestechung und Vorteilsnahme.

„Immer wollten wir einen Ausgleich für unsere Schäden, herausgekommen ist bislang nichts“, stöhnt Blank. Zahlen kann er auf Nachfrage keine nennen. Glaubhaft, denn Teil des noch anhängigen Verfahrens ist eben die Schadensermittlung. Dutzende Sachverständige und Prüfer sind bereits durch die Kulturhalle geschickt worden für Expertisen und Gegengutachten.

Die Gemeinde beruft sich auf die Architektenhaftung, denn einst hatte man die Halle von einem Darmstädter Baukünstler schlüsselfertig errichten lassen. Doch ist der betagte Architekt nicht mehr greifbar, sein Fall schon lange der seiner damaligen Versicherung. „Das alles ist ein kaum überschaubarer Wirrwarr“, klagt Blank, der den unschönen Akt bei seinem Amtsantritt erbte.

In „seiner“ Halle kennt er jede Deckenplatte

Zeuge des Trauerspiels von Anbeginn ist Hausmeister Udo Schneider, der seinen Dienst 1995 antrat, als die Halle noch im Rohbau am Abtenauer Platz stand. Er ist die gute Seele vom optischen Schmuckstück, bewältigt nicht nur den Hausmeister-Job, sondern ist als „Facility-Manager“ auch zuständig für die Haustechnik sowie Ton und Licht im Münsterer Veranstaltungsmekka.

In „seiner“ Halle kennt er jede Deckenplatte mit Vornamen, aus der es bei Regen tropft. Er weiß um die Stufen der Notfall-Außentreppe Richtung Friedrich-Ebert-Straße, die von Wasser unterspült sind, kennt die Gefahren für kleine Kinder und zierliche Erwachsene, die im Notfall ein Gedränge am Notausgang nicht heilen Knochens überstehen würden, fielen sie doch durchs Geländer auf die Erde hinab.

Nur weiß auch er nicht, wo am vermaledeiten Dach der Halle das Wasser eindringt, das sich unterm Gebälk seinen Weg ins Innere sucht. Auch Schneider hofft schon lange inständig, dass das unwürdige, aber notwendige Eimer-Aufstellen bald ein Ende hat: „Aber wenn wir das nicht machten, die Schäden würden nur noch viel größer.“

Quelle: op-online.de

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